Forschungsarbeit, 2003
35 Seiten, Note: 2
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einleitung
2 Analyse
2.1. Physiognomische Eigenschaften und Charakteristika
2.2 Biografische Parallelen
2.3 Über Literaturkritik
2.4 Interaktion mit anderen Figuren
3 Fazit
4 Bibliografie
Diese Arbeit untersucht, wie der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in verschiedenen zeitgenössischen Romanen als literarische Figur verarbeitet, karikiert oder gar als Ziel von Racheakten konstruiert wird. Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe von Schriftstellern zu analysieren, warum sie Reich-Ranicki als Figur verwenden, und welche Auswirkungen diese literarische Inszenierung auf das Verhältnis zwischen Autor und Kritiker hat.
2.1 Physiognomische Eigenschaften und Charakteristika
Die Beschreibungen des Aussehens, der Mimik und der Gestik einer literarischen Figur führen zwangsläufig zu einer Vorstellung beim Leser. Dabei entwickelt sich in seiner Phantasie ein Bild der dargestellten Figur. Übereinstimmende Merkmale können häufig zur Assoziation mit einer bekannten Person aus dem realen Leben führen. Dem Autor ist es möglich – wenn er tatsächlich auf eine real existierende Figur anspielen möchte – versteckte Hinweise zu geben oder mit einer genauen Beschreibung dem Leser jeden Zweifel an seiner Absicht zu nehmen.
Martin Walser karikiert den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in seinem 2002 erschienenen Roman Tod eines Kritikers (im Folgenden „TEK“ abgekürzt). Die Handlung ist kurz zusammengefasst: Deutschlands führender Literaturkritiker André Ehrl-König verschwindet an einem Winterabend nach einer Feier des Verlegers Ludwig Pilgrim. Im Schnee findet man nur den blutverschmierten Pullover Ehrl-Königs, doch von der Leiche fehlt jede Spur. Die Polizei vermutet dennoch einen Mordanschlag und hat den Schriftsteller Hans Lach im Verdacht. Das Tatmotiv klingt einleuchtend. Ehrl-König hatte das neue Buch des Autors in seiner Fernsehshow SPRECHSTUNDE erbarmungslos verrissen. Daraufhin sei Lach auf dem anschließenden Fest des Verlegers erschienen und habe ihm gedroht: „Die Zeit des Hinnehmens ist vorbei. Herr Ehrl-König möge sich vorsehen. Ab heute Nacht Null Uhr wird zurückgeschlagen.“ (TEK:10) Der Ich-Erzähler Michel Landolf glaubt an die Unschuld des Schriftstellers Lach und versucht den Fall zu rekonstruieren, in dem er verschiedene Vertreter des deutschen Literaturbetriebs befragt. Ein paar Tage später taucht der tot geglaubte Kritiker wieder auf. Er hatte sich nur mit der jungen Autorin Cosima von Syrgenstein in ihr Schloss zurückgezogen. Am Ende der Erzählung stellt sich heraus, dass der Ich-Erzähler Michel Landolf und der Schriftsteller Hans Lach ein und dieselbe Person sind.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der literarischen Karikierung des Kritikers Marcel Reich-Ranicki ein und stellt die untersuchten Werke sowie die theoretische Grundlage zur Figurenkonstruktion vor.
2 Analyse: In diesem Hauptteil werden die literarischen Figuren, die Reich-Ranicki nachempfunden sind, unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Physiognomie, Biografik, literaturkritische Arbeitsweise und soziale Interaktionen untersucht.
2.1. Physiognomische Eigenschaften und Charakteristika: Hier werden die körperlichen Beschreibungen, die Mimik und Gestik der Romanfiguren analysiert, um Parallelen zur realen Erscheinung von Reich-Ranicki aufzuzeigen.
2.2 Biografische Parallelen: Dieses Kapitel widmet sich den Übereinstimmungen im Lebenslauf, der familiären Herkunft und der beruflichen Tätigkeit zwischen den fiktiven Kritikern und der realen Person.
2.3 Über Literaturkritik: Hier wird untersucht, wie die Romanfiguren das literaturkritische Selbstverständnis von Reich-Ranicki spiegeln und welche Kritik die Autoren an seinem "Entweder-oder-Stil" üben.
2.4 Interaktion mit anderen Figuren: Dieses Kapitel analysiert das Beziehungsgeflecht der Kritiker-Figur zu anderen Akteuren im Roman, wie Ehefrauen, Autoren und befreundeten Wissenschaftlern, um Ambivalenzen zwischen Zuneigung und Hass aufzuzeigen.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die literarischen Darstellungen überwiegend negativ sind und als Resultat eines schwierigen, teils schmerzlichen Verhältnisses zwischen Schriftstellern und dem mächtigen Kritiker zu werten sind.
4 Bibliografie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.
Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Tod eines Kritikers, Literaturkritik, Literarisches Quartett, Schlüsselroman, Peter Handke, Bodo Kirchhoff, Figurenkonstruktion, Antisemitismusdebatte, Literaturbetrieb, Schundroman, literarische Karikatur, Autoren-Kritiker-Verhältnis, mediale Inszenierung.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Verarbeitung des Kritikers Marcel Reich-Ranicki in verschiedenen Romanen und untersucht, wie Schriftsteller ihn als Figur verwenden, um ihre persönlichen Erfahrungen und Konflikte mit ihm darzustellen.
Zu den zentralen Themen gehören die Analyse der Figurenkonstruktion, die biografischen Bezüge zwischen Fiktion und Realität, das öffentliche Bild des Literaturkritikers sowie das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Autoren und Rezensenten.
Ziel der Arbeit ist es, Erklärungen dafür zu finden, warum Schriftsteller Reich-Ranicki als literarische Figur instrumentalisieren und welche Konsequenzen dies für die Darstellung des Literaturkritikers in der zeitgenössischen Literatur hat.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Romanfiguren anhand von Physiognomie, Biografie und ihrem Wirken innerhalb der erzählten Welt mit der realen Person Reich-Ranicki und seinen öffentlichen Äußerungen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung äußerer Merkmale, biografischer Schnittpunkte, der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Methode der Literaturkritik sowie der Darstellung komplexer zwischenmenschlicher Beziehungen innerhalb der analysierten Romane.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturkritik, Marcel Reich-Ranicki, Schlüsselroman, fiktive Racheakte, Figurenkonstruktion und das Spannungsfeld zwischen Autor und Kritiker.
Während Reich-Ranicki in Walsers Roman die zentrale Protagonisten-Figur darstellt, die das gesamte Geschehen bestimmt, tritt der Kritiker in Kirchhoffs Werk lediglich in einer Nebenrolle auf, wobei sein Tod dort als eher grotesk und albern dargestellt wird.
Die Debatte verdeutlicht die Brisanz der literarischen Figurenkonstruktion, insbesondere den Vorwurf der Antisemitismusanschuldigung und die Frage, inwieweit die Fiktionalisierung einer realen, jüdischen Persönlichkeit ethische Grenzen überschreitet.
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