Diplomarbeit, 2005
90 Seiten, Note: 1,7
1. Begriffsklärung
1.1. Der kulturell differenzierte Terminus des Kindes
1.2. Der Kindheitsbegriff
1.3. Child soldiers
2. Konflikte in traditionellen Gesellschaften
2.1. Quellenlage und Interpretation
2.2. Abgrenzung der Kindheit
2.3. Motive und Ursachen
2.4. Zusammenfassung
3. Die Rolle des Kindes und seine Erziehung in komplexen Gesellschaften
3.1. Das antike Kind
3.2. Kinderrolle im Mittelalter
3.3. Die Umbruchsepoche der Aufklärung und ihr Kindheitsverständnis
3.4. Zusammenfassung
4. Minderjährige in Diensten bewaffneter Gruppen bis zum 21. Jahrhundert
4.1. Minderjährige in der römischen Berufsarmee der Kaiserzeit
4.2. Die Rolle des Knappen im 11. bis 15. Jahrhundert
4.3. Kinder in Konflikten des 16. und 17. Jahrhunderts
4.4. Kinder im amerikanischen Sezessionskrieg
4.5. Schüler in der deutschen Luftabwehr 1943-1945
4.6. Reflektion der Rekrutierungsbedingungen
4.7. Zusammenfassung
5. Strukturelle Veränderung bewaffneter Konflikte und ihre Auswirkungen bezüglich der militärischen Verwendung von Kindern
5.1. Die Genfer Abkommen
5.2. Entstehung der Kinderrechte
5.2.1. Die Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention
5.2.2. Weitere Abkommen zum Schutz des Kindes
5.3. Konfliktforschung
5.4. Wandel in der Konfliktstruktur und Intensität
5.5. Erfassung der Staaten mit minderjährigen Kombattanten
5.5.1. Allgemeine Ursachen
5.5.1.1. Konfliktdauer
5.5.1.2. Kleinwaffen
5.5.1.3. Fehlende Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten
5.5.1.4. Armut
5.5.2. Spezifische Faktoren
5.5.2.1. Physiologische Faktoren
5.5.2.2. Psychosoziale Faktoren
5.6. Aufgabenbereiche
6. Auswirkungen für die Minderjährigen und gesellschaftliche Relevanz
6.1.Psychosoziale Auswirkungen
6.2.Demobilisierung und Reintegration
6.3.Tendenzen
7. Resümee
8. Schlussbemerkung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der soziokulturellen und epochalen Antagonismen des Phänomens "Kindersoldaten". Dabei wird analysiert, inwieweit unterschiedliche Sozialisationsmuster und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Teilnahme von Minderjährigen an bewaffneten Konflikten begünstigen oder beeinflussen.
1.1. Der kulturell differenzierte Terminus des Kindes
Anthropologisch betrachtet gibt es kein einheitliches Bild des Kindes. Obwohl es für die globale Diskussion notwendig wäre, existiert kein universales, soziokulturelles Verständnis des Kinderbegriffes. Dementsprechend schwer gestaltet sich auch die Eruierung individueller kulturspezifischer Kindheitsbedürfnisse. Generell kann man sagen, dass mit dem sprachlichen Ausdruck „Kind“ ein Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife bezeichnet wird (Ulrich 1999, S. 9). Diese relativ grobe Definition des Kindes lässt sich prinzipiell auf sämtliche Kulturen projizieren. Eine bestimmte Differenzierung nach Entwicklungsabschnitten der Kindheit, wie sie insbesondere im europäischen Raum üblich ist, kann jedoch nicht ohne weiteres globalisiert werden1.
Die abendländliche Vorstellung der Kindheit, welche die Pädagogik und damit auch die gesellschaftliche Bedeutung des Kindes in den westlichen Industriegesellschaften bis heute prägen, hat Lassahn (1983) skizziert. Er teilt in seiner „Pädagogischen Anthropologie“ die Epochen in vier relevante Bereiche ein:
1. Das Kind als Noch-nicht-Sein der Vernunft (Antike)
2. Das Kind als ein von der Erbsünde belastetes Wesen (Mittelalter)
3. Die Kindheit als das Goldene Zeitalter des Menschen (Spätaufklärung)
4. Das Kind als Genius und Künstler (19. Jahrhundert und Reformpädagogik)
( vgl. Lassahn 1983 ) .
1. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kindheit und Kindersoldat unter Berücksichtigung kultureller und ethnologischer Unterschiede.
2. Konflikte in traditionellen Gesellschaften: Es wird untersucht, wie Konflikte in Stammesgesellschaften strukturiert sind und welche Rolle das Kind darin einnimmt.
3. Die Rolle des Kindes und seine Erziehung in komplexen Gesellschaften: Dieses Kapitel analysiert das Kindheitsbild in Antike, Mittelalter und Aufklärung sowie deren Erziehungsideale.
4. Minderjährige in Diensten bewaffneter Gruppen bis zum 21. Jahrhundert: Hier werden historische Belege für den Einsatz minderjähriger Kämpfer von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg dargelegt.
5. Strukturelle Veränderung bewaffneter Konflikte und ihre Auswirkungen bezüglich der militärischen Verwendung von Kindern: Das Kapitel behandelt den Wandel der Konfliktformen nach 1945 und den Einfluss von Kleinwaffen sowie sozioökonomischer Armut auf das Phänomen.
6. Auswirkungen für die Minderjährigen und gesellschaftliche Relevanz: Hier stehen die psychischen Folgen, Möglichkeiten der Reintegration und die generelle gesellschaftliche Problematik im Fokus.
7. Resümee: Eine zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Einbeziehung des historischen und kulturübergreifenden Vergleichs.
8. Schlussbemerkung: Ein abschließendes persönliches Fazit des Autors zur Komplexität des Themas und der Schwierigkeit allgemeiner Lösungsansätze.
Kindersoldaten, Kindheit, bewaffnete Konflikte, Sozialisation, traditionelle Gesellschaften, Rekrutierung, UN-Kinderrechtskonvention, Kleinwaffen, Armut, psychische Folgen, Reintegration, Militär, Menschenrechte, Ethnologie, globale Konflikte.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kindersoldaten aus einer kulturhistorischen und ethnologischen Perspektive und analysiert die Ursachen für den Einsatz von Minderjährigen in bewaffneten Konflikten.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Kindheitsbegriffs, die Auswirkungen von Konfliktstrukturen und wirtschaftlicher Not sowie die Rolle internationaler Schutzabkommen.
Ziel ist es, zu verstehen, welche soziokulturellen Aspekte die Teilnahme von Minderjährigen an bewaffneten Konflikten begünstigen und ob es sich um ein rein neuzeitliches Phänomen handelt.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturrecherche, die historische und anthropologische Quellen sowie aktuelle Konfliktanalysen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse traditioneller Gesellschaften, die Rolle des Kindes in verschiedenen europäischen Epochen und die Untersuchung moderner Konfliktdynamiken sowie deren Folgen für die betroffenen Kinder.
Wichtige Begriffe sind Kindersoldaten, soziale Not, kulturelle Sozialisation, Kleinwaffen, Konfliktforschung und Kinderrechte.
Die massenhafte Verbreitung günstiger und leicht bedienbarer Kleinwaffen hat die Kopplung des Waffengebrauchs an körperliche Reife entkoppelt, wodurch auch jüngere Kinder einfacher als Kämpfer eingesetzt werden können.
Die Integration scheitert oft an den zerstörten sozialen und ökonomischen Strukturen der Heimatregionen sowie am Mangel an tragfähigen Bildungsperspektiven für ehemalige Kindersoldaten.
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