Magisterarbeit, 2008
149 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
Gegenstand der Arbeit und Begriffserklärung
Theoretische Ansätze
Frauenkriminalität
Normvermittlung
I. Kriminologische und soziologische Kontrolltheorien
1 Travis Hirschis „Soziale Kontrolltheorie“
2. Michael Gottfredsons und Travis Hirschis „Soziale Kontrolltheorie“
3. Charles Tittle, „Kontrollbalance-Theorie“
TEIL EINS: Analyse der jugendlichen Neuerscheinungen zum Schwerpunkt „Mädchen und Gewalt“
I. Harald Tondern, „Wehe! du sagst was“, 2000
1. Jugendbanden als Ort jugendlichen Verständnisses
2. Analyse der strukturellen Ebene
3. Einblicke deren Darstellung und theoretische Erklärungsmöglichkeiten
4. Intentionen des Autors
II. Margret Steenfatt, Mit aller Gewalt, 2007
1. Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke, deren Darstellung und theoretische Erklärungsmöglichkeiten
a) Tessa – Konsum und Gewalt als Ausgleich fehlender Zuwendung
b) Darstellung und Vermittlung der Problematik
3. Intentionen der Autorin
III. Brigitte Blobel, Roter Zorn, 2006
1. Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke deren Darstellung und theoretischer Bezug
a) Motiv der Zufluchtsorte und des Eigentums als letzte Rettung
b) Soziale Benachteiligung und Gewalt als Auslöser von Aggression und Gegengewalt
3. Angesprochene Problemfelder - Intentionen der Autorin
IV. Birgit Schlieper, Polnisch für Anfänger, 2006
1. Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke deren Darstellung und theoretischer Bezug
a) Eltern als Halt in der Not
b) Hass und Angst aufgrund von Demütigung und Unwissenheit
c) Falsche Erziehung als Auslöser von Verhaltensauffälligkeiten
d) Jugendprojekt 1:1 Betreuung
3. Intentionen der Autorin
V. Manfred Theisen, Täglich die Angst, 2007
1 Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke, deren Darstellung und theoretische Erklärungsmöglichkeiten
a) Mobbing
b) Katinka – Beeinflussung durch Dominanz
c) Annika - Mitlaufen aus Mangel an Selbstbewusstsein
d) Vermittlung von Schülerproblemen – Jugendliche zwischen Angst und Anpassung
VI. Thema Mädchen und Gewalt - ein reizintensives Problemfeld
TEIL ZWEI: Analyse der Romane des Unterthemas School Shootings im Hinblick auf die Rolle der Phantasie und Medien
VII. School Shootings – verzweifelte Form der Gewalt
1. Die möglichen Rollen der Phantasie
2. Phantasien bei jugendlichen Tötungsdelinquenten
3. Massenmedien und ihre theoretische Wirkung
VIII. Robert Harnum, „Und dann Totenstille. Klassenbester. Basketballstar. Amokläufer.“, 2004
1. Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke, deren Darstellung und theoretische Erklärungsmöglichkeiten
a) Mögliche Persönlichkeit und Umwelt eines Amokläufers
b) Prädeliktische Einflüsse und die Tat selbst
c) Reizarme Umgebung als Hilfe zur Veränderung
3. Intentionen des Autors
IX. Manfred Theisen, Amok, 2005
1. Analyse der strukturellen Ebene
2. Einblicke, deren Darstellung und theoretische Erklärungsmöglichkeiten
3. Intentionen des Autors
X. Gewalt als Lösung
TEIL DREI: Schlussbesprechung und Ausblick
1. Die Darstellung und Präventionsmöglichkeiten durch das Potential eines offenen Endes
2. Mädchengewalt als soziale Warnung
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Darstellung von Gewalt bei Mädchen in zeitgenössischer Jugendliteratur und analysiert diese im Kontext kriminologischer und soziologischer Theorien. Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe und sozialen Faktoren für aggressives Verhalten sowie die Rolle des Autors und die Funktion von Gewalt in diesen Romanen zu beleuchten, wobei ergänzend auch das Phänomen des Amoklaufs und der Einfluss von Medien und Phantasie untersucht wird.
Gegenstand der Arbeit und Begriffserklärung
Bei einem Streit zwischen zwei Mädchen wird im Juni 2006 ein 17jähriges Mädchen durch das Klappmesser des anderen verletzt und erliegt zwei Tage später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Dies ist nur eine von vielen Meldungen die in den Medien seit einigen Jahren kursieren. Mädchen und Frauen treten, so scheint es, auf einmal häufiger in Bezug auf Gewalt in Erscheinung als noch vor rund zwölf Jahren. Die Anzahl der tatverdächtigen jungen Frauen stieg seit dieser Zeit, laut Bundeskriminalamt, um rund 20 Prozent. Doch aus welchem Grund? Sind der Weg und die Probleme des Erwachsenwerdens heute anderer Natur? Durch die Emanzipation der Frau und den Veränderungen in den kulturellen Normen, besonders in den westlichen Industrienationen, hat sich das Bild der jungen weiblichen Generation verändert. Vorbei ist es mit dem vorrangig für Mädchen reserviertem Lernen von Haushaltspflichten, vorbei mit sittsamem Verhalten und dem anerzogenen Gefühl, dem Mann nicht ebenbürtig zu sein.
Hätte Anfang der sechziger Jahre jemand die Frage nach der Aufgabe der Frau gestellt, wäre er wohl einem Kopfschütteln belohnt worden, denn was ein Mädchen ist und von ihm verlangt wird, war eindeutig. Hausfrau und Mutter zu werden, schien das Natürlichste von der Welt zu sein. Niemand stellte dies in Frage, da die Aufteilung der Geschlechterrollen – Frauen übernehmen die „Reproduktionsarbeit und Männer die finanzielle Versorgung“ - als unveränderbar angesehen wurden. Doch ab der zweiten Hälfte der sechziger Jahre kam es zu einer wichtigen Veränderung in Bezug auf die Geschlechterrollen. Bis weit in die sechziger Jahre hinein galten Geschlechtsunterschiede als naturgegeben und selbst im Grundgesetz wurden trotz des Artikels zur Gleichberechtigung von Mann und Frau (Artikel 3 Absatz 2) deutliche Unterschiede hervorgehoben. So wurde eine Ehefrau auch noch im Jahre 1976 gesetzlich zur Hausarbeit verpflichtet, und brauchte die Genehmigung ihres Ehemannes, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollte. Eine unverheiratete Mutter erhielt, bis 1970, das Sorgerecht aufgrund der Beteiligung an unsittlichen Handlungen grundsätzlich nicht. Doch in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre wurde in der englischen Psychoanalyse und Soziologie erkannt, dass Geschlechterrollen neben biologischen auch kulturelle- und soziale Anteile besitzen und somit nicht nur körperlich angeboren sondern auch veränderbar sind.
Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Gewalt unter Mädchen ein und erläutert die Relevanz von kriminologischen Theorien und Jugendliteratur für das Verständnis weiblicher Aggression.
I. Kriminologische und soziologische Kontrolltheorien: Dieses Kapitel stellt zentrale Theorien zur Kriminalitätsentstehung vor, insbesondere die Konzepte zur sozialen Kontrolle und Balance von Hirschi, Gottfredson und Tittle.
TEIL EINS: Analyse der jugendlichen Neuerscheinungen zum Schwerpunkt „Mädchen und Gewalt“: Hier werden ausgewählte Romane analysiert, um die individuellen Ursachen und familiären Hintergründe für gewalttätiges Verhalten bei Mädchen zu untersuchen.
TEIL ZWEI: Analyse der Romane des Unterthemas School Shootings im Hinblick auf die Rolle von Phantasie und Medien: Dieser Abschnitt erweitert das Thema auf Amokläufe, wobei der Fokus auf psychologischen Einflüssen wie Phantasie und dem Medienkonsum liegt.
TEIL DREI: Schlussbesprechung und Ausblick: Das Fazit reflektiert über die Rolle von Jugendliteratur bei der Gewaltprävention und betont die Notwendigkeit von Dialog und zwischenmenschlichem Interesse.
Mädchengewalt, Jugendliteratur, Kriminologie, Soziale Kontrolltheorie, School Shootings, Adoleszensroman, Mobbing, Aggression, Sozialisation, Phantasie, Medienwirkung, Prävention, Amoklauf, Mädchenbanden, Identitätsfindung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen zunehmender Gewalt unter Mädchen im Spiegel aktueller Jugendliteratur. Dabei werden theoretische Ansätze aus der Kriminologie genutzt, um die Hintergründe der fiktiv dargestellten Gewalttaten zu verstehen.
Zentrale Themen sind die Entstehung von weiblicher Gewalt, der Einfluss von familiären Strukturen auf die Persönlichkeitsentwicklung, Mobbing in der Schule sowie das Phänomen des School Shootings unter Berücksichtigung von Medien und Phantasie.
Das Hauptziel ist es, die komplexen Ursachen für Gewalt bei Mädchen aufzuzeigen und zu prüfen, ob die in der Jugendliteratur beschriebenen Problemfälle realistisch sind und welche Rolle die Jugendliteratur in der Prävention spielen kann.
Die Arbeit nutzt eine strukturelle und wissensvermittelnde Analyse der ausgewählten Romane, ergänzt durch kriminologische Kontrolltheorien, psychologische Konzepte zur Traumaforschung sowie Experteninterviews mit den Autoren der untersuchten Bücher.
Im Hauptteil werden fünf Romane analysiert, die sich mit Mädchengewalt befassen, sowie zwei Romane, die das Thema Amoklauf behandeln. Dabei wird sowohl auf die strukturelle Ebene als auch auf die theoretische Einbettung der Gewaltmotive eingegangen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mädchengewalt, soziale Kontrolle, Adoleszensroman, School Shootings, Identitätsfindung und Gewaltprävention geprägt.
Die Analyse zeigt, dass eine gestörte oder lieblos empfundene familiäre Situation häufig die Basis für die Entstehung von aggressivem Verhalten bildet. Fehlende Strukturen und soziale Anerkennung führen oft dazu, dass Mädchen diese durch eigene, delinquente Wege zu kompensieren versuchen.
Die Arbeit betont, dass Phantasie bei Amokläufen eine kritische Rolle spielt. Oft wird durch die Erschaffung einer Scheinwelt die Realität ausgeblendet, was einen psychologischen Mechanismus darstellt, der die Schwelle zur tatsächlichen Gewaltanwendung senken kann.
Die Romane zeichnen häufig ein Bild von wegschauenden oder überforderten Lehrern, die das deviante Verhalten der Schüler nicht frühzeitig erkennen. Die Arbeit unterstreicht, dass eine Sensibilisierung der Lehrkräfte ein entscheidender Faktor für die Gewaltprävention ist.
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