Magisterarbeit, 2004
76 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung in das Thema und den Aufbau der Arbeit, Hinweise auf den Forschungsstand
2. Zeugnisse des 12. Jahrhundert
2.1. Der Codex Calixtinus – die ausgeformte Jacobuslegende
2.1.1. Allgemeine Einführung in das Werk
2.1.2. Die Modica passio sancti Iacobi
2.1.3. Die Magna Passio
2.1.4. Der Translationsbericht im Codex Calixtinus
2.1.5. Folgerungen aus dem Codex
2.2. Die Historia Compostelana
2.2.1. Über das Werk und seinen Inhalt
2.2.2. Die Historia Compostelana bis zur Machtübernahme des Diego Gelmírez
2.2.3. Die Übernahme des Bischofssitzes durch Diego Gelmírez
2.2.4. Die Regierungszeit von Urraca und Alfons VII. – Santiago als Stadt seiner Taufe, Erziehung und Krönung
3. Die frühen Zeugnisse zur Jacobuslegende
3.1. Die Bibel als Ausgangspunkt
3.2. Das Breviarium Apostolorum
3.3. Die Martyrologien
3.4. Das De ortu et obitu Patrum
3.5. Aldelm von Malmesbury
3.6. Beatus von Liébana – Der Apokalypsenkommentar und der Hymnus O dei uerbum. Die Rolle des Beatus als Wegbereiter der Jacobuskultes.
4. Die königlichen Urkunden unter besonderer Berücksichtigung von Alfons III., Alfons VII. und Alfons IX.
4.1. Der Tumbo A der Kathedrale von Santiago de Compostela
4.2. Alfons II. – Die erste königliche Urkunde in Bezug auf Santiago
4.3. Die königlichen Urkunden von Alfons III.
4.4. Exkurs – Der Brief des Abtes Caesarius an Papst Johannes XIII. als Beispiel für die schon gefestigte Stellung des Compostelaner Bischofssitzes im zehnten Jahrhundert
4.5. Alfons VII.
4.6. Alfons IX.
4.7. Zusammenfassendes zu den königlichen Urkunden des Tumbo A
4.8. Exkurs – Die Darstellung der Könige in den Miniaturen des Tumbo A
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung und politische Instrumentalisierung der Legende des Apostels Jacobus in Spanien zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich aus theologischen Legendenbausteinen ein politisches Patronat entwickelte, das maßgeblich zur Identitätsbildung und Legitimation der asturischen bzw. astur-leonesischen Könige beitrug.
2.1.2. Die Modica passio sancti Iacobi
Laut dieser Passion wurde zur Regierungszeit des Kaisers Claudius der Erdkreis von einer großen Hungersnot heimgesucht. In dieser Zeit tötete Herodes den Apostel Jacobus. Hierauf folgt laut SCHREIBER eine Anekdote von Clemens von Alexandrien bezüglich des Mannes, der den Apostel vor den Richter führt. Nachdem der Mann den Apostel dem Richter übergeben hatte, reute es ihn und er bekannte, dass auch er Christ sei und somit wurde auch er verurteilt. Hiernach bat er den Apostel um Verzeihung, die ihm dieser gewährte und so wurden beide gemeinsam geköpft.
Nach dem Tode des Jacobus soll Herodes Petrus ins Gefängnis gesteckt haben, doch dieser wurde von einem Engel von seinen Fesseln befreit. Für Herodes hat sein Vergehen an den Heiligen Männern allerdings ein Nachspiel. Bei einem Aufenthalt in Cesarea wurde er von einem Engel verletzt und verstarb von Würmern gefressen.
Die Passio modica schildert also in Kürze, wie Jacobus umgekommen ist, berichtet uns aber nichts über den Bestattungsort oder die angebliche Translation nach Galicien.
1. Einleitung in das Thema und den Aufbau der Arbeit, Hinweise auf den Forschungsstand: Erläutert die historische Situation des christlichen Spaniens zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert und den Forschungsstand zur Entstehung des Jacobuskultes.
2. Zeugnisse des 12. Jahrhundert: Analysiert den Codex Calixtinus und die Historia Compostelana als zentrale Quellen für die ausgeformte Jacobuslegende und den kirchenpolitischen Machtanspruch des Bischofssitzes.
3. Die frühen Zeugnisse zur Jacobuslegende: Untersucht frühe Texte wie die Bibel, das Breviarium Apostolorum und Martyrologien, um die sukzessive Entwicklung der Legende vor dem 12. Jahrhundert nachzuzeichnen.
4. Die königlichen Urkunden unter besonderer Berücksichtigung von Alfons III., Alfons VII. und Alfons IX.: Wertet die Urkunden aus dem Tumbo A aus, um die Beziehung zwischen dem Königtum und der Kathedrale von Santiago de Compostela zu verdeutlichen.
5. Schlussbetrachtung: Fasst zusammen, wie sich der Jacobuskult von einem lokalen religiösen Phänomen zum ordnungspolitischen Programm der spanischen Könige entwickelte.
Jacobuslegende, Santiago de Compostela, Reconquista, Asturisches Königreich, Patronatsgedanke, Codex Calixtinus, Historia Compostelana, Alfons III., Alfons VII., Alfons IX., Apostelgrab, Kirchenpolitik, Identitätsbildung, Mittelalter, Translation.
Die Arbeit analysiert die Entstehung der Legende des Apostels Jacobus in Spanien und ihre Bedeutung für die politischen Herrschaftsansprüche der asturischen und leonesischen Könige.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Pilgertradition, die kirchenpolitische Bedeutung des Bischofssitzes Santiago sowie die Nutzung des Jacobuskultes zur Legitimation königlicher Macht.
Das primäre Ziel ist es, den historischen Prozess aufzuzeigen, durch den Jacobus von einem biblischen Apostel zu einem politisch instrumentalisierten Schutzheiligen und "Patron" des spanischen Königtums avancierte.
Die Autorin wendet eine quellenkritische historische Analyse an, wobei sie Primärquellen wie den Codex Calixtinus, den Tumbo A und hagiographische Texte untersucht und im Kontext der zeitgenössischen Forschung interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Quellengrundlagen des 12. Jahrhunderts, eine Untersuchung früherer Zeugnisse und eine umfangreiche Auswertung königlicher Urkunden und bildlicher Darstellungen.
Wichtige Begriffe sind Reconquista, Patronatsgedanke, Identitätsbildung, Kirchenpolitik und Legitimation.
Der Adoptianismusstreit diente als kirchenpolitischer Katalysator; Beatus von Liébana nutzte den Kult, um die Vormachtstellung der asturischen Kirche gegenüber Toledo zu festigen.
Der Tumbo A bietet eine gebündelte Sammlung königlicher Dokumente, die sowohl die Schenkungspolitik als auch den Wandel in der ikonographischen Darstellung der Könige über Jahrhunderte hinweg dokumentiert.
Von einem spirituellen Fürbitter entwickelte sich Jacobus im 12. Jahrhundert und besonders unter Alfons IX. zum kriegerischen "Santiago Matamoros" (Maurentöter), der symbolisch die Reconquista unterstützte.
Erzbischof Diego Gelmírez war eine Schlüsselfigur, die aktiv die Metropolitanwürde für Santiago anstrebte und das Apostelgrab geschickt zur Ausweitung des kirchlichen Machtbereichs und zur Sicherung königlicher Unterstützung nutzte.
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