Diplomarbeit, 2007
308 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Grundlagen der Mobbingforschung
1.1 Etymologie des Mobbingbegriffs
1.2 Definitionen und Begünstigungsfaktoren von Aggression, Gewalt, Viktimisierung und Mobbing
1.3 Prävalenz der Mobbingproblematik
1.4 Erklärungsansätze zur Entstehung von Mobbing
1.5 Phasen im Mobbingprozess und Dynamikentwicklung
1.6 Rollen im Mobbingverlauf und ihre Stabilität
1.7 Rollenstereotype bei Tätern und Opfern
1.8 Arten und Folgen der Mobbingerfahrungen für die Beteiligten
1.9 Funktion der Eltern und Lehrer im Mobbinggeschehen
1.10 Rechtliche Aspekte
1.11 Zusammenfassung
2 Präventionsmaßnahmen
2.1 Präventionspädagogik als unspezifische Präventionsform
2.1.1 Aggressionstheorien als Grundlage
2.1.2 Die Bedeutung von Regeln
2.1.3 Soziale Kompetenzen
2.1.4 Gemeinsame Werte
2.1.5 Schulhauskultur
2.1.6 Präventionspädagogik als besondere Herausforderung
2.2 Grundelemente der Mobbingprävention
2.3 Methodische Elemente zur spezifischen Prävention im Unterricht
2.3.1 Literatur – drei exemplarische Darstellungen
2.3.1.1 Kirsten Boie: „Nicht Chicago. Nicht hier“
2.3.1.2 Michael Gutzschhahn: „Betreten verboten“
2.3.1.3 Bettina Mainberger: „Jede Menge Zoff – Was tun gegen Mobbing und Gewalt?“
2.3.2 Film „Wer küsst schon einen Leguan?“
2.3.3 Selbsterfahrung
2.3.3.1 Fragebogen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung
2.3.3.2 Rollenspiel / Theater
2.4 Präventionsprogramme
2.4.1 Das Berner Gewaltpräventionsprogramm Be-Prox
2.4.2 Das Modell „Konflikt-KULTUR“
2.5 Nachhaltigkeit der Präventionsmaßnahmen
2.5.1 Allgemeine Kriterien zur nachhaltigen Wirkung von Prävention
2.5.2 Welchen Erfolg versprechen die vorgestellten Ansätze im Hinblick auf die Wirksamkeitskriterien?
2.5.3 Wie könnte ein nachhaltiges Präventionskonzept aussehen?
2.6 Grenzen der Mobbingprävention
2.7 Zusammenfassung
3 Interventionsansätze
3.1 Handlungsalternativen des Mobbingopfers
3.2 Interventionen der Eltern
3.3 Interventionsansätze für Lehrkräfte
3.3.1 Außenseiterintegration ohne Thematisierung des Mobbings
3.3.2 Einzel- und Elterngespräche
3.3.3 Klassengespräche mit Thematisierung des Mobbingfalles
3.3.4 Mediation
3.3.5 Täter-Opfer-Ausgleich (TOA)
3.3.6 Olweus-Interventionsprogramm
3.3.7 No Blame Support Group Approach To Bullying
3.3.8 Schulwechsel von Täter oder Opfer
3.4 Intervention externer Fachkräfte
3.5 Praktikabilität und Erfolgsaussichten der einzelnen Ansätze im Überblick
3.6 Vielversprechende Kombinationsmöglichkeiten
3.7 Grenzen der Interventionsmöglichkeiten
3.8 Zusammenfassung
4 Regionalraumstudie
4.1 Allgemeine Informationen über den Landkreis Sigmaringen
4.2 Der untersuchte Regionalraum und die befragten Schulen
4.3 Das Kinoprojekt zur Mobbingprävention als Grundlage dieser Studie
4.4 Einflussfaktoren und Grundgedanken
4.5 Dokumentation der Durchführung
4.6 Ergebnisse der Studie
4.7 Auswertung und Interpretation der Studie in Bezug zum aktuellen Forschungsstand
4.8 Kritische Betrachtung
4.9 Zusammenfassung
5 Forschungszusammenhang
5.1 Induktive Lösungsansätze für einen besseren Umgang mit Mobbingsituationen unter Schülern
5.2 Ein Modell für Lehrkräfte zur Vorgehensweise im akuten Mobbingfall
5.3 Perspektiven der Mobbingprävention und -intervention in Anbetracht der Studienergebnisse
5.4 Beitrag der Gesamtarbeit zur Mobbingforschung
5.5 Zusammenfassung
6 Resümee
7 Literatur- und Quellenverzeichnis
8 Anhang
Die Arbeit untersucht, wie praktikabel und aussichtsreich aktuelle Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Mobbing an Schulen sind. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Lehrkräfte im Schulalltag effektiv auf Mobbing reagieren können und welche Faktoren eine nachhaltige Mobbingprävention fördern oder hemmen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Landkreis Sigmaringen liegt.
1.1 Etymologie des Mobbingbegriffs
„Mobbing“ ist ein Begriff, der in den vergangenen Jahren in so beachtlicher Weise an Bedeutung gewonnen hat, dass selbst in Fachkreisen bereits sein Status als „Modewort“ diskutiert wird. Doch woher stammt dieser Ausdruck eigentlich? Das deutsche Wort „Mobbing“ geht zurück auf die englische Vokabel „mob“, was so viel bedeutet wie „Horde, Meute, Pöbel, Volk; angreifen, anpöbeln, jemanden bedrängen, tätlich angreifen“¹. Das englische Substantiv „mob“ stellt dabei eine verkürzte Form des lateinischen Ausdrucks „mobile vulgus“ = „aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel“ dar. [UNI-AUGSBURG 2007] Obwohl das Verb „to mob“ bereits wesentliche Mobbinghandlungen beschreibt, wird das, was man im Allgemeinen unter dem deutschen Begriff „Mobbing“ versteht, im englischsprachigen Raum unter dem Terminus „Bullying“ zusammengefasst.
Der Ausdruck „Mobbing“ mit seiner heutigen Konnotation wurde insbesondere durch den Tierverhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt, der beobachtet hatte, wie eine Gruppe unterlegener Tiere (z.B. Krähen oder Gänse) einen eigentlich überlegenen Gegner² (einen Bussard oder einen Fuchs) gemeinsam in die Flucht schlägt. Dieses spezifische Tierverhalten belegte er mit der Bezeichnung „Mobbing“. [KASPER 2004: 10; PSYCHOKRIEG 2007]
Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht anhand von Fallbeispielen die Komplexität und Vielschichtigkeit von Mobbing im Schulalltag sowie die Schwierigkeit für Lehrkräfte, die Situationen korrekt einzuschätzen.
1 Grundlagen der Mobbingforschung: Dieses Kapitel liefert eine wissenschaftliche Fundierung des Mobbingbegriffs, beleuchtet Entstehungsursachen, Phasenmodelle, Rollenverteilungen sowie die gravierenden psychischen und physischen Folgen für alle Beteiligten.
2 Präventionsmaßnahmen: Hier werden verschiedene Ansätze zur primären Mobbingprävention vorgestellt, didaktische Methoden erläutert und die Nachhaltigkeit sowie Grenzen dieser Maßnahmen anhand von Kriterien kritisch bewertet.
3 Interventionsansätze: Dieses Kapitel widmet sich konkreten Vorgehensweisen für Lehrkräfte, Eltern und Externe bei einem bereits akuten Mobbingfall und bewertet deren Effektivität sowie Praktikabilität im Schulalltag.
4 Regionalraumstudie: Die Autorin präsentiert eine eigene empirische Untersuchung, bei der 50 Lehrkräfte aus zehn weiterführenden Schulen im Landkreis Sigmaringen zu ihrem Wissen und ihrer Praxis im Umgang mit Mobbing befragt wurden.
5 Forschungszusammenhang: Die Ergebnisse der Regionalraumstudie werden mit den theoretischen Grundlagen verknüpft, um Verbesserungsvorschläge für die Schulpraxis abzuleiten, und es wird ein eigenes Modell zur Vorgehensweise bei akuten Mobbingfällen vorgestellt.
6 Resümee: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, unterstreicht die Notwendigkeit einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing und fordert ein tieferes Verständnis seitens der Lehrkräfte.
7 Literatur- und Quellenverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
8 Anhang: Enthält ergänzende Dokumente zur Studie, wie den verwendeten Fragebogen und detaillierte Ergebnisse der Befragung.
Mobbing, Bullying, Schule, Prävention, Intervention, Lehrkräfte, Schülermobbing, Täter-Opfer-Dynamik, Gewaltprävention, Gruppendynamik, Schulhauskultur, Konfliktlösung, Sozialkompetenz, Regionalraumstudie, Schulentwicklung.
Das Hauptziel der Arbeit ist es, Lehrkräften fundierte Informationen über das Mobbingphänomen zu vermitteln und die Praktikabilität sowie die Erfolgsaussichten verschiedener Präventions- und Interventionsmaßnahmen kritisch zu analysieren, um so eine Hilfestellung für den Umgang mit akuten Mobbingfällen zu bieten.
Die Arbeit deckt die wissenschaftlichen Grundlagen von Mobbing, verschiedene Präventionsstrategien (wie Programme und Literaturarbeit), Interventionsmöglichkeiten (wie Mediation oder Support Groups) sowie eine eigene empirische Studie zur Praxis an weiterführenden Schulen ab.
Die Autorin führte eine qualitative und quantitative Befragung von 50 Lehrkräften aus zehn weiterführenden Schulen im Regionalraum Ost des Landkreises Sigmaringen durch, um deren Wissen, Einstellungen und praktisches Handeln zum Thema Mobbing zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Mobbing (Kapitel 1), die Vorstellung und Bewertung von Präventionsmaßnahmen (Kapitel 2), die kritische Analyse von Interventionsansätzen (Kapitel 3) und die Darstellung der empirischen Ergebnisse der Regionalraumstudie (Kapitel 4).
Die Arbeit zeigt unter anderem, dass Mobbing oft als Konflikt missverstanden wird, obwohl es gruppendynamische Ursachen hat, dass Lehrkräfte oft unsicher im Umgang mit dem Thema sind, dass präventive Ansätze oft an der Realität scheitern, dass langfristige Konzepte wie das Olweus-Programm hohe Erfolgschancen bieten, und dass ein Mobbingbeauftragter eine wichtige Stütze für Lehrkräfte sein könnte.
Die Arbeit ist am besten durch Begriffe wie Schülermobbing, Präventionsmaßnahmen, Interventionsstrategien, Lehrerkompetenz, Gruppendynamik und Schulhauskultur charakterisiert.
Die Arbeit äußert sich kritisch zur Anwendung von allgemeiner Mediation oder Schülermediation bei Mobbingfällen, da Mobbing kein symmetrischer Konflikt zwischen Gleichgestellten ist, sondern ein Machtgefälle zwischen Täter und Opfer besteht, was Mediatoren häufig überfordern kann.
Die Autorin empfiehlt kein starres Patentrezept, sondern ein Modell, das sich an verschiedenen Schritten orientiert (Diagnose, Bestätigung, Intervention), wobei sie den „No Blame Support Group Approach“ aufgrund seiner methodischen Stärken bei der Auflösung der Mobbingdynamik positiv hervorhebt, während sie den Schulwechsel des Opfers lediglich als allerletzten Ausweg sieht.
Ein Schulwechsel wird oft als bloße Flucht interpretiert, die den Konflikt nicht löst, dem Täter fälschlicherweise den „Sieg“ zuschreibt, das Opfer zusätzlich belastet und die Ursachen innerhalb der verbleibenden Klassengruppe unbehandelt lässt, wodurch der Prozess oft an anderer Stelle oder mit einem neuen Opfer weitergeht.
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