Magisterarbeit, 2004
102 Seiten, Note: 1,7
I Einleitung
II Gedanken über die verwendeten Quellen
III Betrachtung der Geschichte des Nibelungenliedes und seiner Wirkungsweise auf die deutsche Gesellschaft
3.1. Die Entstehung des Nibelungenliedes
3.1.1. Die Treue als Grundpfeiler der mittelalterlichen Gesellschaft
3.1.2. Die Bedeutung der Treue im Nibelungenlied
3.2. Die Zeit der „Wiederentdeckung“ (1755 – 1800)
3.3. Die Interpretation des Nibelungenliedes und der Treue in der Zeit von 1800 bis 1870
3.4. Die Bedeutung der Treue und des Nibelungenliedes während der Wilhelminischen Zeit
3.5. Die Zeit von 1918 – 1945
3.5.1. Das Nibelungenlied und die Auslegung der Treue in der Weimarer Republik
3.5.2. Das Nibelungenlied und die Treue in der Zeit des Nationalsozialismus
3.6. Erkenntnisse der Bedeutung der Treue und ihrer Vermittlung durch das Nibelungenlied
IV Die Idee des „germanischen Staatsgedankens“ und der Begriff der Treue im Gedankengebäude des Nationalsozialismus
4.1. Einführende Gedanken zum germanischen Staatswesen im Nationalsozialismus
4.2. Grundbegriffe des germanischen Staatsgedankens
4.2.1. Führung und Herrschaft
4.2.2. Das Rechtssystem
4.2.3. Die Rolle des Gefolgschaftsprinzips und der Treue
4.2.4. Die Idee und die Weltanschauung
4.3. Die Bedeutung der Inhalte des germanischen Staatsgedankens im Gedankengebäude des Nationalsozialismus
4.3.1. Die organische Staatsphilosophie
4.3.1.1. Die organische Staatsrechtslehre und das Rechtssystem bei Otto von Gierke
4.3.1.2. Die Bedeutung des germanisch-organischen Rechtssystems im Dritten Reich
4.3.1.3. Der organische Gedanke im völkischen und politischen Kontext
4.3.2. Der germanische Begriff der Herrschaft im Nationalsozialismus
4.3.3. Die Weltanschauung im Nationalsozialismus
4.3.4. Treue und Gefolgschaft im nationalsozialistischen System
4.3.4.1. Die Treue
4.3.4.2. Die Gefolgschaft
4.4. Zusammenfassende Gedanken zu den Inhalten des germanischen Staatsgedankens im Gedankengebäude der NSDAP
V Die Bedeutung des Nibelungenliedes und des Mythos für den Nationalsozialismus
5.1. Einführende Gedanken zu den Methoden der Verbreitung
5.2. Die Bedeutung des Nibelungenliedes
5.3. Die Bedeutung des Mythos
5.4. Abschließende Gedanken zum Nibelungenlied und zum Mythos
VI Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Nibelungenlied und das germanische Staatsdenken gezielt instrumentalisiert wurden, um die Ideologie, Machtstrukturen und den Legitimationsanspruch des Nationalsozialismus aufzubauen und zu festigen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle der „Generaltugend“ der Treue als ideologisches Verbindungsglied zwischen dem Individuum, dem Staatsapparat und dem Führer.
3.1.2. Die Bedeutung der Treue im Nibelungenlied
Im Nibelungenlied spielt die Treue die wesentliche Rolle. Hier sind allerdings nicht die einzelne Person und ihre Treueverhältnisse wichtig, sondern der Personenverband, der durch seine internen Treueverhältnisse ein verbindliches Regelwerk schafft. Dieses Regelwerk bindet alle Personen ein und bestimmt ihr Handeln. Dabei stellten eben die Treueverhältnisse innerhalb des Personenverbandes die wesentlichen Determinanten dar. Die Personen „handeln wie sie müssen, aus Treue und Pflichtgefühl.“ Die Treue nimmt im Nibelungenlied die Stellung einer absoluten Rechtfertigung für Handlungsweisen an, die sich in Bluttaten und selbstständigen Handlungen von Personen manifestiert, die eigentlich zu Gehorsam verpflichtet sind. Hier kann als Beispiel die Versenkung des Nibelungenhortes im Rhein dienen. Dies erscheint jedoch nur im ersten Moment als Verstoß gegen die Treuepflicht. Die Treue hat nämlich einen weiteren Aspekt, als nur aktiv das zu tun, was der Lehnsherr befiehlt: sie verlangt auch, die Interessen des Herrn eigenständig und nach eigenem Ermessen zu verteidigen und durchzusetzen. Daraus ergibt sich, dass kein Befehl nötig ist, damit ein Lehnsmann handeln kann. Diese Tatsache ist schließlich auch eines der Hauptmotive, die zur Einleitung und Durchführung des Mordes an Siegfried führen und somit die Handlung beider Teile des Nibelungenliedes zusammenfügt.
Die Treue bekommt hier außerdem eine zusätzliche Bedeutung, da sie der Auslöser einer Reihe von Racheakten ist. Ein wesentlicher Auslöser ist im Vers 840 zu finden:
„„Wen bezeichnest Du hier als Kebse?“ sagte da die Frau des Königs. „Dich selbst!“ sagte Kriemhild, „Siegfried, mein lieber Gemahl, war der erste, der Deinen schönen Leib berührt hat. Es war nicht mein Bruder Gunther, der Dich zur Frau gemacht hat.““
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Instrumentalisierung des Nibelungenliedes in der deutschen Geschichte und dessen Missbrauch durch die Nationalsozialisten zur Propaganda.
II Gedanken über die verwendeten Quellen: Dieses Kapitel erläutert die interdisziplinäre Herangehensweise und die Auswahl an Literatur, die von der Mediävistik bis zur nationalsozialistischen Staatstheorie reicht.
III Betrachtung der Geschichte des Nibelungenliedes und seiner Wirkungsweise auf die deutsche Gesellschaft: Hier wird die historische Rezeptionsgeschichte des Epos nachgezeichnet, wobei der Fokus auf der Bedeutung der Treue als politisches Motiv liegt.
IV Die Idee des „germanischen Staatsgedankens“ und der Begriff der Treue im Gedankengebäude des Nationalsozialismus: Das Kapitel analysiert die Übertragung germanischer Rechtsbegriffe in die nationalsozialistische Ideologie und die Etablierung des Führerprinzips.
V Die Bedeutung des Nibelungenliedes und des Mythos für den Nationalsozialismus: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Epos und moderne Mythen zur gezielten ideologischen Indoktrination des Volkes eingesetzt wurden.
VI Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel resümiert, dass das Nibelungenlied und das germanische Staatsdenken als zentrale Legitimationsgrundlagen dienten, um den totalitären Führerstaat zu rechtfertigen.
Nibelungenlied, Treue, Nationalsozialismus, Germanentum, Gefolgschaftsprinzip, Ideologie, Propaganda, Otto von Gierke, Führerprinzip, organische Staatslehre, Mythenbildung, politische Theorie, Rechtsphilosophie, Germanisierung, Heldendichtung.
Die Arbeit analysiert die ideologische Instrumentalisierung des mittelalterlichen Nibelungenliedes und germanischer Rechts- sowie Staatsvorstellungen durch das nationalsozialistische Regime zur Machtabsicherung.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirkungsgeschichte des Nibelungenliedes, der Rolle des Treuebegriffs in verschiedenen historischen Kontexten und der Ausgestaltung der nationalsozialistischen Herrschaftsideologie.
Es wird untersucht, wie die „germanische Idee“ und die Generaltugend der Treue dazu verwendet wurden, die Herrschaft des Nationalsozialismus aufzubauen, zu festigen und legitim zu begründen.
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse, die politikwissenschaftliche mit philologischen Ansätzen verknüpft, um die Rezeption und Transformation germanischer Epen im historischen Kontext darzustellen.
Der Hauptteil befasst sich eingehend mit der historischen Entwicklung des Treuebegriffs, der organischen Staatsrechtslehre nach Otto von Gierke und der praktischen Anwendung dieser Konzepte im NS-Staat.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nibelungentreue, totalitäre Herrschaft, germanischer Staatsgedanke, Propaganda und völkische Ideologie charakterisieren.
Die Arbeit zeigt, dass bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert Interpretationen des Epos entstanden, die das Nibelungenlied als Instrument nationaler Identität und Disziplinierung nutzten, was den Boden für den späteren Missbrauch durch die Nationalsozialisten ebnete.
Ursprünglich eine Erfindung des Reichskanzlers von Bülow, wurde der Begriff instrumentalisiert, um bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Führer und das Durchhalten bis zum Untergang im „Totalen Krieg“ als vermeintlich germanische Tugend zu verklären.
Die Eide dienten als rechtliche und moralische Fessel, die jede Opposition unmöglich machte, da ein Bruch des Treueeids nicht nur als Bruch der Ehre, sondern als strafbare Handlung galt.
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