Magisterarbeit, 2002
129 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Der Planungs- und Entscheidungsprozess in der Standortfrage für das Werk „Buna IV“ in Auschwitz O.S., November 1940- Januar 1941
2.1 Die Standortsuche für das Werk „Buna IV“
2.2 Die Standortwahl der Gemarkung Dwory-Monowitz bei Auschwitz O.S.
2.3 Die maßgeblichen Entscheidungsgründe für den Standort Auschwitz O.S.
3. Die Arbeitskräftefrage in der Entscheidungsphase und zu Beginn der Bauplanung des Buna-Werks IV, Auschwitz O.S., Januar/ Februar 1941
3.1 Nationalsozialistische Bevölkerungspolitik in Auschwitz O.S.
3.2 Lagererweiterungspläne und Häftlingsbestand des KL Auschwitz
3.3 Die Funktion des Arbeitsamtes in der Arbeiterbeschaffung
3.4 Das KL Auschwitz und die Häftlingsarbeitseinsatzfrage zu Beginn der Bauplanung bis zur Göring-Weisung vom 18. Februar 1941
4. Schlussbetrachtung und Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vorgeschichte und den Entscheidungsfindungsprozess zur Standortwahl des IV. Buna-Werks der IG-Farbenindustrie AG in Auschwitz zwischen 1941 und 1945. Dabei steht die kritische Forschungsfrage im Zentrum, ob die Existenz des Konzentrationslagers Auschwitz ein maßgeblicher Entscheidungsgrund für die Wahl des Standortes war oder ob rein technische und ökonomische Standortfaktoren ausschlaggebend waren.
2.1 Die Standortsuche für das Werk „Buna IV“
Die Geschichte der Standortsuche für das Buna-Werk IV ist vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der Buna-Werke I-III für das Verständnis des folgenden Kapitels, welches sich mit der Standortwahl auseinandersetzt, von entscheidender Bedeutung. Ohne ihre Kenntnis könnten einerseits die Auswahlkriterien eines potentiellen Standorts für eine Buna-Fabrik nicht hinreichend untersucht werden, während andererseits die Differenzen zwischen den privatwirtschaftlichen Interessen der IG und den militärpolizeilichen Interessen des Deutschen Reichs und die sich daraus ergebenden Handlungszwänge im dunkeln blieben. Die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Buna-Programms sowie die militärpolitische Entwicklung und die damit zusammenhängenden Produktionsanforderungen im „Dritten Reich“ machten ein viertes Werk im Rahmen der staatlichen Industriepolitik überhaupt erst erforderlich und die Errichtung eines groß angelegten Chemie- und Zwei-Sparten-Werks in Ostoberschlesien lohnenswert.
Im Herbst 1935 bestanden erstmals die Voraussetzungen für den Bau einer Großversuchsanlage zur Erzeugung von Buna nach verschiedenen technischen Verfahren. Im September 1937 unterzeichneten Vertreter der IG-Farben Industrie AG (IG) und Vertreter des Deutschen Reichs (DR) den ersten Buna Vertrag. Unter anderem wurde darin der Ausbau der Versuchsanlage Schkopau bei Halle/Saale, die seit März 1937 nach einer fast einjährigen Bauzeit in Betrieb war, zum Buna-Werk I beschlossen. In den Jahren 1937 bis 1940 flossen insgesamt 15,5% der IG-Investitionen auf alte und neue Großwerke in das neue Großwerk Schkopau, das insgesamt 425,4 Mio. Reichsmark (RM) kostete und Anfang 1945 noch einen Anlagewert von 401 Mio. RM hatte. Bereits 1938 lief das Bunageschäft in Schkopau so zufrieden stellend, dass im Frühjahr desselben Jahres die Bauarbeiten an einem zweiten Werk in Hüls bei Recklinghausen aufgenommen wurden und im März 1939 der zweite Buna-Vertrag für das Buna Werk II in Hüls unterzeichnet werden konnte.
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Forschungsvorhaben zur Vorgeschichte des Buna-Werks IV und erläutert die historisch kontroverse Debatte über die Rolle des KL Auschwitz bei der Standortwahl.
2. Der Planungs- und Entscheidungsprozess in der Standortfrage für das Werk „Buna IV“ in Auschwitz O.S., November 1940- Januar 1941: Dieses Kapitel rekonstruiert die chronologische Suche nach dem Standort, wobei der Fokus auf den technischen und ökonomischen Anforderungen der IG-Farben sowie der Verdrängung konkurrierender Planungen liegt.
3. Die Arbeitskräftefrage in der Entscheidungsphase und zu Beginn der Bauplanung des Buna-Werks IV, Auschwitz O.S., Januar/ Februar 1941: Dieser Teil analysiert die arbeitsmarktpolitischen Bedingungen und widerlegt die These, dass der Einsatz von KZ-Häftlingen ein entscheidender Faktor für die Standortwahl gewesen sei.
4. Schlussbetrachtung und Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Standortwahl auf rein rationalen wirtschaftlichen Kriterien basierte und der Häftlingseinsatz erst zu einem späteren Zeitpunkt als Notlösung in den Fokus rückte.
IG-Farben, Buna-Werk, Auschwitz, Standortwahl, Zwangsarbeit, NS-Industriepolitik, Otto Ambros, Carl Krauch, Konzentrationslager, Arbeitskräftebeschaffung, Wirtschaftsgeschichte, Nationalsozialismus, Synthesekautschuk, Oberschlesien, Zweispartenwerk.
Die Arbeit analysiert die unternehmerischen und politisch-wirtschaftlichen Hintergründe, die zur Wahl von Auschwitz als Standort für das Buna-Werk IV der IG-Farben führten.
Die zentralen Themen sind die Standortplanung der IG-Farben, die Rolle der nationalsozialistischen Industriepolitik, die Arbeitskräftebeschaffung im Krieg und die historischen Kontroversen um die Entscheidungsprozesse in der NS-Zeit.
Das primäre Ziel ist es, auf Basis von Primärquellen zu klären, ob die Existenz des KZ Auschwitz ein bewusster Standortfaktor für die IG-Farben war oder ob andere ökonomische Gründe (wie Rohstoffnähe) ausschlaggebend waren.
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Untersuchung, die Aktennotizen, Konferenzberichte und eidesstattliche Erklärungen aus den Nürnberger Prozessen auswertet.
Der Hauptteil behandelt die Standortsuche, die wirtschaftlichen Abwägungen des IG-Farben-Vorstands und die detaillierte Analyse der Arbeitskräftefrage in der Entscheidungsphase.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie IG-Farben, Standortwahl, Auschwitz, Zwangsarbeit und Rohstoffversorgung charakterisiert.
Der Autor zeichnet Ambros als fachlich kompetenten Industrieexperten, dessen Handeln primär durch technische und ökonomische Optimierung für den Konzern geprägt war, nicht durch eine ideologische Verstrickung in die Lagerpolitik zum Zeitpunkt der Standortwahl.
Der Autor widerlegt die These, dass billige Häftlingsarbeit ein entscheidender Anreiz war, indem er auf die hohen Kosten der IG für Verpflegung und Unterbringung sowie die mangelnde Effizienz der Häftlingsarbeit hinweist.
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