Magisterarbeit, 2007
94 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Entwicklungs- und Sozialisationstheorien: eine Einführung
2.1.1 Biogenetische Entwicklungskonzeptionen
2.1.2 Strukturgenetische Entwicklungskonzeptionen
2.1.3 Umweltdeterministische Entwicklungskonzeptionen
2.1.4 Interaktionistische Entwicklungskonzeptionen
2.2 Identitätsentwicklung durch symbolvermittelte Interaktion
2.2.1 Interaktion als Voraussetzung für Identitätsbildung
2.2.2 Rollenübernahme: play und game
2.2.3 Me und I
2.2.4 Fortentwicklung des interaktionistischen Identitätskonzepts
2.2.5 Identitätsentwicklung und das Selbstempfinden des Säuglings
2.3 Bindungstheorie
2.3.1 Bindung und Trennung in anderen psychotherapeutischen Schulen
2.3.2 Grundannahmen der Bindungstheorie
2.3.3 Methoden und Erkenntnisse der Bindungsforschung
2.3.3.1 Die fremde Situation
2.3.3.2 Das Konzept der Feinfühligkeit und die intuitive Elternschaft
2.3.3.3 Das Adult-Attachment-Interview
3. Entwicklung im Säuglingsalter und in der frühen Kindheit: der kompetente Säugling
3.1 Motorische Entwicklung und körperliche Mikropraktiken
3.2 Die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt des Säuglings
3.3 Der Säugling und sein Bedürfnis nach Anerkennung und Teilung mentaler Zustände
4. Grundlagen der Identitätsentwicklung beim Säugling
4.1 Grundelemente der Mutter-Kind-Interaktion
4.2 Das Bewegungsverhalten in der Mutter-Kind-Interaktion
4.2.1 Körperkontakt
4.2.2 Vokalisation
4.2.3 Blickkontakt und Spiegelung
5. Beratungsmöglichkeiten und Therapieangebote zur Unterstützung der Mutter-Kind-Interaktion
5.1 Säuglingsschwimmen
5.2 STEEP - ein Beratungsangebot für Eltern
6. Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht den wissenschaftlich bisher wenig beachteten Zusammenhang zwischen Identitätsentwicklung und dem Bewegungsverhalten in der Mutter-Kind-Interaktion während des Säuglingsalters und der frühen Kindheit. Das Ziel ist es, auf Basis einer literaturwissenschaftlichen Aufarbeitung darzulegen, wie durch diese Interaktionsprozesse die Grundlagen für die Persönlichkeitsentwicklung eines Säuglings gelegt werden.
4.2.1 Körperkontakt
Trotz der existenziellen Bedeutung von Körperkontakt und Berührung für die Entwicklung des Kindes spielen diese in der Säuglingsforschung bisher noch immer eine untergeordnete Rolle (Downing 2006, 345). Möglicherweise liegt dies an den Spätfolgen einer von behavioristischem Denken geprägten „Furcht vor Verzärtelung“ (vgl. Kap. 2.1.3) und an der Tatsache, dass in der westlichen Welt Berührung häufig tabuisiert wird (vgl. Field 2001/2003, 20ff.). POHLMANN stellte hierzu fest:
So bestand z.B. bis vor einigen Jahrzehnten in den westlichen Gesellschaften die Auffassung, alle Pflegevorgänge, bei denen der Säugling Berührung erfährt – Stillen, wickeln, Waschen, Tragen und Wiegen – zeitlich möglichst begrenzt zu halten und einem strikten Zeitrhythmus zu unterwerfen, um einer Verzärtelung und Verwöhnung des Säuglings vorzubeugen. Die sinnliche und zärtliche Berührung der Haut sollte weitgehend verhindert, die Haut stattdessen abgehärtet und unempfindlich gemacht werden (Pohlmann 2000, 31).
Diejenigen Wissenschaftler, die sich eingehend mit der Bedeutung des Körperkontakts auseinandersetzen, gehen jedoch davon aus, dass Berührung überlebensnotwendig für den Menschen sei (vgl. Montagu 1971/2000, 69, Wagener 2000, 126, Field 2001/2003, 15). So stellte WINNICOTT bereits vor langer Zeit klar (1949/1995, nach Aron & Anderson 1998), dass die frühkindlichen Empfindungen stark durch den Körperkontakt zur Bezugsperson geprägt sind. TIFFANY FIELD (ebd.) spricht in diesem Zusammenhang vom „Hunger nach Berührung“ und SAUL SCHANBERG betonte:
„Kein anderes Sinnesorgan stimuliert uns so sehr wie der Fühl- oder Tastsinn [...]. Eine Mutter würde den Körperkontant zu ihrem Baby nicht suchen, wenn sie keine Freude daran hätte [...]. Wir vergessen, dass die Berührung nicht nur ein grundlegendes Bedürfnis, sondern der Schlüssel für das Überleben unserer Art ist“ (Scharnberg, zit. in Field 2001/2003, 75f.).
1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung des Zusammenhangs von Identitätsentwicklung und Bewegungsverhalten sowie Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Überblick über verschiedene Entwicklungstheorien und deren Bedeutung für das Verständnis der Identitätsbildung durch symbolvermittelte Interaktion und Bindung.
3. Entwicklung im Säuglingsalter und in der frühen Kindheit: der kompetente Säugling: Beschreibung der motorischen, wahrnehmungsbezogenen und affektiven Fähigkeiten des Kindes, die es zum kompetenten Interaktionspartner machen.
4. Grundlagen der Identitätsentwicklung beim Säugling: Anwendung der theoretischen Grundlagen auf die Mutter-Kind-Interaktion mit Fokus auf Körperkontakt, Vokalisation und Blickkontakt.
5. Beratungsmöglichkeiten und Therapieangebote zur Unterstützung der Mutter-Kind-Interaktion: Vorstellung praktischer Ansätze wie Säuglingsschwimmen und STEEP zur Förderung einer sicheren Bindung.
6. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Erkenntnisse zur Bedeutung der frühen Interaktion für die Identitätsbildung.
Identitätsentwicklung, Säuglingsforschung, Bindungstheorie, Mutter-Kind-Interaktion, Bewegungsverhalten, Körperkontakt, Feinfühligkeit, Symbolischer Interaktionismus, Spiel, Selbstempfinden, Säuglingsschwimmen, STEEP-Programm, Intersubjektivität, Spiegelung, soziale Entwicklung.
Die Arbeit beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Identitätsentwicklung von Säuglingen und deren non-verbalem Bewegungsverhalten innerhalb der Interaktion mit primären Bezugspersonen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Bindungstheorie, verschiedenen Entwicklungstheorien, den kommunikativen Aspekten von Körper- und Blickkontakt sowie therapeutischen Unterstützungsangeboten für Eltern.
Ziel ist eine theoriegeleitete Literaturstudie, die aufzeigt, dass Identität ein Resultat sozialer Interaktionsprozesse ist und welche fundamentale Rolle frühe Interaktionserfahrungen hierbei spielen.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Literaturstudie, die primäre und sekundäre Quellen aus der Sportwissenschaft, Psychologie und Soziologie integriert.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Symbolischen Interaktionismus und der Bindungstheorie sowie deren Anwendung auf spezifische Interaktionsformen wie Körperkontakt, Vokalisation und Blickkontakt.
Wesentliche Begriffe sind "kompetenter Säugling", "Feinfühligkeit", "Bindungsqualität", "Symbolischer Interaktionismus" und "Interaktionskompetenz".
STEEP dient als praktisches Beispiel für Beratungsangebote, die auf bindungstheoretischen Erkenntnissen basieren, um Eltern dabei zu unterstützen, die Interaktion mit ihrem Kind zu verbessern und so eine sichere Basis für die Entwicklung zu schaffen.
Das Säuglingsschwimmen wird als eine Möglichkeit vorgestellt, durch die dreidimensionale Bewegungsfreiheit und den intensiven Körperkontakt mit den Eltern die Eltern-Kind-Beziehung zu intensivieren und dem Kind vielfältige, identitätsfördernde Bewegungserfahrungen zu ermöglichen.
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