Diplomarbeit, 2001
99 Seiten, Note: 1,3
1. Vom Christozentrismus zum Theozentrismus
1.1 Die "kopernikanische Wende": vom christozentrischen zum theozentrischen Modell
1.2 Die relationale Einzigkeit Jesu
1.3 Neuinterpretation und Evolution der Bedeutung Jesu im NT
1.3.1 Jesus als theozentrischer Verkündiger des Reiches Gottes
1.3.2 Trajektorien als Entwicklungslinien neutestamentlicher Christologien
1.3.3 Das kulturelle Umfeld der frühen Kirche und die Formulierung der Einzigkeit Jesu
1.3.4 Die Betonung der Orthopraxie und ihre Bedeutung für die Einzigkeit Jesu
2. Inkarnation als Mythos
2.1 Der Unterschied zwischen metaphorischer und wörtlicher Sprache
2.2 Der Begriff der Inkarnation im Kontext seiner Deutungsmöglichkeiten
2.3 Inkarnation und der Begriff des "Paradoxons der Gnade"
2.4 Die Transzendental- und Prozesstheologie als Zeugen des Mythos der Inkarnation
3. Christus als kosmotheandrisches Prinzip
3.1 Zwischen universalem Christus und partikularem Jesus
3.2 Das Christus-Prinzip als Ausgangspunkt der wahren Einheit aller Religionen
3.3 Christus der Unbekannte im Hinduismus
III. Grundlegende Aspekte und Einwände der christlichen Christologie in Bezug zu den christologischen Entwürfen der pluralistischen Religionstheologie
1. Die Zurückweisung eines strengen Exklusivismus durch das Lehramt in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil
2. Das II. Vatikanum als Wendepunkt
2.1 Jesus Christus als Mittler und Vollender der endgültigen Offenbarung
2.2 Die Kirche als sacramentum salutis universale
3. Die Religionstheologie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
3.1 Die Heilsrelevanz nichtchristlicher Religionen anhand der Schriften Karl Rahners
3.2 Der Begriff des "anonymen Christen"
3.3 Die Bedeutung Jesu Christi im Heilskontext nichtchristlicher Religionen
4. Theologische Antworten auf die Herausforderung der pluralistischen Religionstheologie
4.1 Wolfhart Pannenberg und das Festhalten an der Wahrheit
4.2 Edward Schillebeeckx und das Menschsein Jesu
4.3 Die religionspluralistische These und ihre philosophische Grundlage
4.3.1 Gavin D´Costa und der Geist Kants in den christologischen Entwürfen Paul Knitters
4.3.2 John Hick und das Problem seiner Unterscheidung zwischen dem Nooumenon und Phainomenon
4.4 Christologisch-soteriologische Entgegnungen
4.5 Eine biblisch-exegetische Entgegnung
5. Neuere lehramtliche Äußerungen
5.1 Die Enzyklika Redemptoris missio von Papst Johannes Paul II.
5.2 Die Stellungnahme der Internationalen Theologenkommission
5.3 Die Erklärung Dominus Jesus
Die Arbeit untersucht kritisch die Positionen prominenter Vertreter der pluralistischen Religionstheologie (wie Paul F. Knitter, John Hick und Raimundo Panikkar) und stellt diese den theologischen Grundlagen der katholisch-christlichen Theologie der Religionen gegenüber. Das zentrale Ziel ist es, die Herausforderungen der pluralistischen Thesen – insbesondere die Relativierung der Einzigartigkeit Jesu Christi – aufzuzeigen und durch eine Auseinandersetzung mit lehramtlichen Entwicklungen und christologischen Entwürfen eine christlich fundierte Antwort zu formulieren.
1.2 Die relationale Einzigkeit Jesu
Die Frage, die sich an dieser Stelle unmittelbar stellt, ist, welche Bedeutung Jesus Christus für die pluralistischen Religionstheologen haben kann. Knitter sieht alle christlichen Modelle, ob sie nun exklusivistisch oder inklusivistisch orientiert sind, von der Notwendigkeit beseelt, Jesus zumindest als die höchste Offenbarung Gottes anzusehen und zudem als normativ für alle anderen religiösen Gestalten und Gründer. Dieser christliche Anspruch stehe dem interreligiösen Dialog im Wege und widerspreche dem "zeitgenössischen Bewusstsein der historischen Relativität". Vielmehr müsse die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass noch eine größere Offenbarung der Wahrheit geschehen kann, als sie sich in Jesus Christus dargestellt habe. Aus dem theozentrischen Modell abgeleitet sieht Knitter Jesus in einer relationalen Einzigartigkeit, d. h. Jesus sei zwar einzigartig, jedoch stehe diese Einzigartigkeit in Relation zur Fähigkeit, auf andere religiöse Gestalten einzugehen, sie in den eigenen Horizont mit einzubeziehen und sich von ihnen auch einbeziehen zu lassen.
"Ein solches Verständnis Jesu sieht ihn nicht als ausschließlich oder gar als normativ, sondern als theozentrisch, als universal relevante Manifestation (Sakrament, Inkarnation) der göttlichen Offenbarung und Erlösung."
Nach Knitter ist es für einen Christen nicht unbedingt erforderlich, Jesus Christus als den alleinigen Offenbarer oder zumindest als den besten Offenbarer und Retter anzusehen. Der Christ könne sich sehr wohl völlig Jesus Christus hingeben und seine Botschaft für wahr erachten, könne aber zugleich anderen Erlösern die gleiche Rolle für andere Menschen zubilligen, wie sie Jesus für einen selbst ausfülle. Dabei werde die Bedeutung Jesu nicht hintangestellt: Unterschiede in den einzelnen Rettergestalten blieben nach wie vor erhalten; so behielten sie auch ihre Einzigartigkeit.
Vom Christozentrismus zum Theozentrismus: Dieses Kapitel beschreibt den Paradigmenwechsel der pluralistischen Religionstheologie, die Gott statt Jesus ins Zentrum des religiösen Modells rückt, um Raum für die Gleichwertigkeit anderer Religionen zu schaffen.
Inkarnation als Mythos: Hier wird dargelegt, wie pluralistische Theologen, insbesondere John Hick, die Inkarnation Jesu nicht mehr als historisches, metaphysisches Faktum, sondern als metaphorischen Mythos interpretieren, um deren exklusiven Anspruch zu dekonstruieren.
Christus als kosmotheandrisches Prinzip: Das Kapitel analysiert Raimundo Panikkars Ansatz, Christus als universales, theandrisches Prinzip zu verstehen, das über die historische Person Jesu hinausgeht und die Einheit aller Religionen ermöglichen soll.
Grundlegende Aspekte und Einwände der christlichen Christologie in Bezug zu den christologischen Entwürfen der pluralistischen Religionstheologie: Dieser Hauptteil bietet eine umfassende Auseinandersetzung mit der katholischen Sichtweise, angefangen bei der Entwicklung des Axioms "extra ecclesiam nulla salus", über die Öffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, bis hin zu den lehramtlichen Antworten (z. B. "Dominus Jesus") auf die pluralistischen Herausforderungen.
Religionstheologie, Pluralismus, Christozentrismus, Theozentrismus, Inkarnation, Einzigartigkeit Jesu, Interreligiöser Dialog, Anonymer Christ, Offenbarung, Soteriozentrik, Heilsrelevanz, Dogmatik, Zweites Vatikanisches Konzil, Dominus Jesus, Religionspluralismus.
Die Arbeit analysiert die Debatte zwischen pluralistischen Religionstheologen und der katholisch-christlichen Theologie hinsichtlich der Bedeutung Jesu Christi und der Heilsmöglichkeit in anderen Religionen.
Zentral sind der Paradigmenwechsel vom Christozentrismus zum Theozentrismus, die metaphorische Deutung der Inkarnation sowie die lehramtliche Positionierung der katholischen Kirche zur Heilsrelevanz nichtchristlicher Religionen.
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob die pluralistischen Forderungen – insbesondere die Aufhebung der christologischen Einzigartigkeit – mit dem katholischen Glaubensverständnis vereinbar sind und wie eine christlich begründete Antwort auf diese Herausforderungen aussehen kann.
Die Arbeit nutzt eine systematisch-theologische Methode, die die Positionen pluralistischer Religionstheologen darstellt und diese mit biblischen, dogmatischen und lehramtlichen Quellen der katholischen Kirche in den Dialog und die kritische Auseinandersetzung bringt.
Der Hauptteil analysiert die Entwürfe von Knitter, Hick und Panikkar sowie die darauffolgenden kritischen Antworten von Theologen wie Pannenberg, Schillebeeckx, Kessler und Baumert, eingerahmt durch offizielle lehramtliche Dokumente wie die Erklärung "Dominus Jesus".
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Pluralistische Religionstheologie", "Einzigartigkeit Jesu", "Soteriozentrik", "Interreligiöser Dialog" und "Anonymer Christ" geprägt.
Der Autor ordnet diese Wende als einen radikalen Paradigmenwechsel ein, der den Fokus von der christozentrischen auf eine theozentrische Sichtweise verschiebt, jedoch kritisch hinterfragt werden muss, da er die christologische Substanz und den Offenbarungsanspruch des Christentums zu relativieren droht.
Obwohl Rahner mit seinem Konzept des "anonymen Christen" eine weite Öffnung für das Heil außerhalb der Kirche anbietet, bleibt er dennoch strikt christozentrisch gebunden, was bedeutet, dass jedes Heil bei ihm letztlich durch Jesus Christus vermittelt wird, während die Pluralisten diese Bindung aufheben wollen.
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