Diplomarbeit, 2008
98 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Geschichte und Entstehung des Begriffs „Zivilreligion“
2.1. Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika als Vorgeschichte der „civil religion“
2.2. „Religion civile“ bei Jean Jacques Rousseau
2.3. “Civil religion” bei Robert N. Bellah
2.3.1. Zur Person Robert N. Bellahs
2.3.2. Zur These einer „civil religion“ in den USA
2.4. Sidney E. Meads „Religion Of The Republic“
2.5. Die Demokratie als Religion und der „American Way Of Life“ John Dewey und Will Herberg
2.6. Zusammenfassung und Überleitung
3. Die moderne Gesellschaft als System und die Funktion der Religion
3.1. Talcott Parsons als Vordenker Robert N. Bellahs
3.1.1. Handlungssysteme und soziale Systeme
3.1.2. Die Religion im kulturellen Subsystem als Motivationsfaktor für das soziale System
3.1.3. Das hierarchische Symbolsystem des religiösen Systems
3.1.4. Aus L wird LL: Das Religionssystem als Subsystem des Kultursystems
3.1.5. Die Civil Religion als gelungene Evolution der Religion in der Moderne
3.1.6. Überleitung
3.2. Gesellschaftliche Säkularisierung und die Religion bei Niklas Luhmann
3.2.1. Zur Person Niklas Luhmanns
3.2.2. Gesellschaftliche Evolution und funktionale Differenzierung
3.3. Zusammenfassung und Überleitung
4. Die US-Zivilreligion im amerikanischen Alltag
4.1. Hinführung und Überleitung
4.2. Die Flagge der USA und der Treueschwur
4.3. Das allzeit gegenwärtige Vertrauen der USA auf Gott
4.4. Staatliche Feiertage mit zivilreligiösem Hintergrund
4.4.1. Abend-Mahl der Dankbarkeit: Thanksgiving
4.4.2. „Eine Nation unter Gott“: Memorial Day
4.5. Zusammenfassung und Überleitung
5. Funktioniert das Modell der Zivilreligion auch in Europa?
5.1. Staat und Zivilreligion bei Hermann Lübbe
5.1.1. Zur Person Hermann Lübbes
5.1.2. Die Zivilreligion als Fundament des liberalen Staates
5.2. Zivilreligion bei Rolf Schieder
5.2.1. Zur Person Rolf Schieders
5.2.2. Verträgt Deutschland eine Zivilreligion?
5.3. „Das Gespenst einer Zivilreligion“ bei Jürgen Moltmann
5.3.1. Zur Person Jürgen Moltmanns
5.3.2. Die politische Theologie und ihr prophetischer Auftrag
6. Zusammenfassung und Resümee
Die Arbeit untersucht das Konzept der „Zivilreligion“ in den USA, analysiert deren soziologische Wurzeln und theoretische Grundlagen, um zu erörtern, ob dieses Modell auf Europa bzw. Deutschland übertragbar ist, um als Integrationsfaktor in einer pluralistischen Gesellschaft zu fungieren.
3.1.3. Das hierarchische Symbolsystem des religiösen Systems
Robert N. Bellah hat also die Religion innerhalb des kulturellen Subsystems angesiedelt und in einer 1955 verfassten Studie deren Funktionsweise anhand eines hierarchischen Symbolsystems analysiert. In einem allgemeinen Sinn gesprochen dienen Symbole dem Zweck, Handlungen oder Objekten Sinn zu verleihen, indem sie diese in Kategorien einteilen, in denen bereits andere Handlungen oder Objekte enthalten sind und die Handlung bzw. das Objekt in einen Zusammenhang mit einem größeren Netzwerk zu stellen, dessen Werte und Normen eine stärker allgemeine Gültigkeit haben als die spezifische Handlung oder das konkrete Objekt. So lange innerhalb eines Handlungssystems eine einzelne Handlung nicht sinnlos erscheint, bleibt das System aufrecht, erscheint sie eines Tages ohne Sinn, ist das dahinter stehende System in seiner Stabilität bedroht.
Ein Beispiel dafür wäre, ein Loch zu graben und es anschließend wieder zuzuschütten, so Bellah. So lang es also einen übergeordneten Sinn ergibt, das Loch zu graben, erscheint die Handlung nicht sinnlos. Das Gleiche gilt für alle Handlungen innerhalb des Systems: So lange ein in der Symbolhierarchie höher gestelltes Zeichen damit verbunden werden kann, hat das Loch ebenso einen Sinn, wie es zu graben. Ein anderes Beispiel wäre, wenn sich jemand verpflichtet fühlt, wählen zu gehen. Der Wert der spezifischen Handlung des Wählens ist kein symbolischer Wert für sich selbst, aber innerhalb des ihm übergeordneten Symbolsystems der Demokratie ist das Wählen sehr wichtig.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des religiösen Selbstverständnisses der USA ein und wirft die Frage auf, ob das dortige Modell einer zivilen Religion als Vorbild für eine europäische Gesellschaft dienen könnte.
2. Geschichte und Entstehung des Begriffs „Zivilreligion“: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese des Begriffs nach, beginnend bei den puritanischen Wurzeln der USA bis hin zu den theoretischen Beiträgen von Jean Jacques Rousseau und Robert N. Bellah.
3. Die moderne Gesellschaft als System und die Funktion der Religion: Hier wird die soziologische Systemtheorie von Talcott Parsons und Niklas Luhmann detailliert analysiert, um die funktionale Rolle der Religion als Motivationsinstanz in modernen Gesellschaften zu erklären.
4. Die US-Zivilreligion im amerikanischen Alltag: Dieses Kapitel zeigt anhand von Symbolen wie der Flagge, dem Treueschwur und staatlichen Feiertagen wie Thanksgiving, wie die Zivilreligion in den USA institutionalisiert ist.
5. Funktioniert das Modell der Zivilreligion auch in Europa?: Abschließend werden verschiedene Positionen (Lübbe, Schieder, Moltmann) diskutiert, um kritisch zu reflektieren, warum eine Übertragung des US-Modells auf europäische Verhältnisse problematisch erscheint.
6. Zusammenfassung und Resümee: Das Resümee zieht eine Bilanz aus den Analysen und betont die historischen Unterschiede zwischen den USA und Europa, während die bleibende Bedeutung christlicher Werte in beiden Kulturen reflektiert wird.
Zivilreligion, USA, Europa, Talcott Parsons, Niklas Luhmann, Religion, Systemtheorie, Säkularisierung, Gesellschaft, politische Kultur, Robert N. Bellah, Symbolsystem, Demokratie, Staat, Kirche.
Die Diplomarbeit analysiert das soziologische Konzept der „Zivilreligion“ im Kontext der USA und untersucht kritisch, ob und unter welchen Bedingungen dieses Modell zur Lösung gesellschaftlicher Integrationsfragen in Europa beitragen könnte.
Die Arbeit verknüpft historische Entwicklungen (Puritanismus), soziologische Systemtheorien (Parsons, Luhmann) und die empirische Untersuchung politischer Symbole und Riten in den USA mit aktuellen theologischen Debatten in Deutschland.
Das Hauptziel ist es, die Funktionsweise der Zivilreligion in den USA theoretisch zu durchdringen und zu evaluieren, inwieweit das Modell auf die säkulare und historisch anders geprägte europäische Realität übertragbar ist.
Der Autor stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse soziologischer und theologiegeschichtlicher Quellen sowie auf eine systemtheoretische Untersuchung der gesellschaftlichen Funktion von Religion.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung durch Systemtheorien, die phänomenologische Analyse der Zivilreligion im US-Alltag und eine Diskussion europäischer Denker über die Tauglichkeit dieses Konzepts für Europa.
Die zentralen Begriffe sind Zivilreligion, Systemtheorie, Säkularisierung, politische Kultur, funktionale Differenzierung und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Der Treueschwur wird als eines der deutlichsten Beispiele für eine zivilreligiöse Praxis angeführt, die staatliche Symbole mit religiös konnotierten Begriffen (wie „Nation unter Gott“) verbindet und so die amerikanische politische Identität stiftet.
Parsons Systemtheorie dient als grundlegendes analytisches Werkzeug, mit dem Bellah seine Theorie der Zivilreligion entwickelte und mit dem der Autor die stabilisierende Funktion der Religion innerhalb der komplexen modernen Gesellschaft erklärt.
Der Autor argumentiert, dass in den USA ein unvoreingenommenerer, öffentlicher Zugang zu Religion herrscht, während in Europa Religion durch historische Erfahrungen eher als Privatsache definiert wird und eine kritischere Distanz zwischen Staat und Kirche vorherrscht.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein einfaches 1:1-Modell für Europa nicht funktioniert und warnt vor einer bloßen Imitation, betont jedoch, dass Religion im Sinne einer toleranten und friedfertigen Haltung dennoch ein wertvoller Bestandteil des gesellschaftlichen Sinnhorizonts bleiben sollte.
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