Diplomarbeit, 2000
112 Seiten, Note: 2,0
1 Gesellschaftspolitisches Bedingungsgefüge als Ursache der Entwicklung von Gegenkulturen
1.1 Krisensymptome der bürgerlichen Gesellschaft
1.2 Entstehen von jugendkulturellen Szenen aus gesellschaftspolitischer Sicht
1.2.1 Jugendkultur oder Subkultur - ein Klärungsversuch
1.2.2 Szene als Gegenwelt
1.2.3 Punk als Vorläufer der Gruftszene
1.2.4 Der Weg in die Szene
1.2.5 Die Szene als Schutzraum
1.2.6 Die Rolle der Postadoleszenz
1.2.7 Szene und „Normalbürger“
1.3 Stilbildung und Stilmix
1.4 „Ich möchte eigentlich alt werden“
1.5 Jugendkulturelle Lebensmilieus
2 Die Gruftszene - ein religiös-spirituelles Lebensmilieu?
2.1 Okkultes Interesse Jugendlicher und Medien
2.2 Antireligiöse und atheistische Positionen der Gruftszene
2.3 Bezeichnung, Wertebild und Abgrenzungen der Szene
2.4 Schwarze Symbolik - Accessoire oder Bekenntnis?
2.5 Die Farbe Schwarz - dominantes Merkmal der Kultur
2.5.1 Schwarz als Lebensgefühl
2.5.2 Sackhosen, Pikes und Capes
2.5.3 Gruft-Outfit im Wandel
2.6 Friedhöfe, Katakomben und Ruinen - Stille und Zerfall
2.7 Verhältnis zum Tod
2.8 Musik als Ausdruck von Befindlichkeit
2.8.1 Ursprung der Gruftmusik
2.8.2 Ausfächerung des Stils in der Gegenwart
2.8.3 Industrial - Einfallstor rechtslastiger Musik in die Szene?
2.8.4 Der Tanzstil
3 Entstehen der Schwarzen Szene in Leipzig
3.1 Politisches und soziales Umfeld
3.1.1 Privatparties und privat gestylte Schuhe
3.1.2 Szenenauseinandersetzungen
3.2 Der Wendeknick
3.3 Die VILLA - Leipziger Zentrum der Gruftkultur
3.3.1 Organisationsstruktur des Hauses
3.3.2 Der Offene Jugendbereich
3.3.2.1 Offener VILLA-Treff
3.3.2.2 Der Kellerrat
3.3.2.3 Veranstaltungen und Projekte
3.3.3 Sozialarbeit mit Grufts
3.3.3.1 Beratungsangebote
3.3.3.2 Spezifische Gruft-Sozialarbeit - ja oder nein?
4 Die Szene ausgangs der 90er Jahre
4.1 Vom Werk II zur Sixtina - Dark City
4.2 Das Wave-Gotik-Treffen
4.2.1 Meilen und Feste
4.2.2 Kommerz und Preise
4.2.3 Ein Offener Brief
4.3 Grufts für oder gegen Rechts?
4.3.1 Swirling Swastikas - nur ein „origineller“ Name?
4.3.2 Viel Verständnis für andere Szenen
4.3.3 Grufts gegen Rechts
5 Tendenzen - Versuch eines Ausblicks
5.1 Splitting des Stils
5.2 Kommerzialisierung und Vermassung
5.3 Ideologisierung
5.4 Aufweitung der Altersstruktur
5.5 Statt einer Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und gegenwärtige Situation der Schwarzen Szene in Leipzig mit Fokus auf soziokulturelle Aspekte, Szenestrukturen und die Einflüsse von Kommerzialisierung und rechtsextremen Tendenzen innerhalb dieser Jugendszene.
1.2.4 Der Weg in die Szene
Sie sind nicht unbedingt gleich, weisen doch aber Gemeinsamkeiten auf - die Anlässe, Umstände, Stimmungen, unter denen die befragten Jugendlichen zur Schwarzen Szene als der ihrer Befindlichkeit gemäßen fanden.
Herrmann sieht die Gründe einmal in der mangelnden Akzeptanz des sozialen Umfelds und zum anderen in der Hilfestellung, die die Szene dem einzelnen bei der Aufarbeitung daraus resultierender depressiver Gefühle geben kann:
... - Viele Leute, die auch negative Erfahrungen hatten, in Gruppen wie Schule oder sonstwo nicht ganz so akzeptiert wurden, die aber in dem Bereich der Schwarzen Szene halt ‘ne Akzeptanz gefunden haben, vielleicht Verarbeitung von depressiven Gefühlen, vielleicht hat man auch gelernt, einfach gewisse depressive Gefühle aufzuarbeiten und da Energie und Kraft draus zu schöpfen.
Graf A. beschreibt individuelle Befindlichkeiten, die dem Übergang von familialer in Szenesozialisation nach seinen Erfahrungen zugrundeliegen können, folgendermaßen:
- Ja, aber die Szene hat irgendwie kein, kein, ich weiß nicht, wie soll ich ‘n das ausdrücken, es ist immer, ... die Szene findet sich aus Leuten, die mit ihrem anderen Umfeld Probleme hatten, fast immer. Also, fast immer, ich kenne nun auch einige Leute, die hatten aus irgendwelchen Gründen mit ihrer sozialen Umgebung, in der Schule, im Kindergarten oder wie auch immer - weiß ich nicht - auf jeden Fall irgendwelche Probleme, weil sie eben anders waren aus irgendwelchen Gründen, weil sie ... vielleicht intelligenter waren, vielleicht auch dümmer, weiß ich nicht, und aus dieser Isolation heraus, daß sie eben dort ausgestoßen wurden, haben sie sich halt, sagen wir mal, woandershin orientiert.
1 Gesellschaftspolitisches Bedingungsgefüge als Ursache der Entwicklung von Gegenkulturen: Analysiert den Entstehungskontext jugendlicher Subkulturen durch gesellschaftliche Krisensymptome und den Wunsch nach individueller Identitätsfindung.
2 Die Gruftszene - ein religiös-spirituelles Lebensmilieu?: Beleuchtet das Verhältnis der Szene zu Spiritualität, Symbolik, Mode und dem Tod als zentrales identitätsstiftendes Element.
3 Entstehen der Schwarzen Szene in Leipzig: Dokumentiert den Aufbau der Szene in Leipzig, insbesondere die Rolle der VILLA als sozialem Ankerpunkt und die Bedeutung der Wendezeit für die Entwicklung.
4 Die Szene ausgangs der 90er Jahre: Diskutiert die Veränderungen durch zunehmende Popularität, das Wave-Gotik-Treffen und die Gefahr der Unterwanderung durch rechtsextreme Tendenzen.
5 Tendenzen - Versuch eines Ausblicks: Reflektiert über die zukünftige Entwicklung der Szene hinsichtlich Kommerzialisierung, Ideologisierung und der Veränderung der Altersstruktur.
Schwarze Szene, Gruftszene, Leipzig, VILLA e.V., Wave-Gotik-Treffen, Jugendkultur, Subkultur, Gothic, Tod, Symbolik, Sozialarbeit, Rechtsextremismus, Kommerzialisierung, Identität, Lebensstil.
Die Publikation beleuchtet die Geschichte und soziale Dynamik der Schwarzen Szene in Leipzig, von ihren Anfängen zu DDR-Zeiten bis hin zu Tendenzen der 90er Jahre.
Schwerpunkte bilden die Identitätsfindung von Jugendlichen, die soziokulturelle Bedeutung der Musik, die Rolle der VILLA als Treffpunkt sowie der Umgang mit Tod, Symbolik und politischer Vereinnahmung.
Ziel ist es, das Selbstverständnis der Szeneangehörigen darzustellen, Vorurteile durch Innenansichten zu korrigieren und einen Ausblick auf die Entwicklungstendenzen zu geben.
Die Autorin nutzt einen qualitativen, alltags- und lebensweltbezogenen Ansatz, primär gestützt auf narrative Interviews, Gruppengespräche und teilnehmende Beobachtungen.
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte in Leipzig, die ästhetischen und inhaltlichen Wurzeln der Szene sowie die aktuelle soziale und politische Einbettung.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Schwarze Szene, Gruftkultur, Leipzig, VILLA, Identität und gesellschaftliche Ausgrenzung aus.
Sie fungierte als das zentrale soziale Zentrum und als einziger Freier Träger der Jugendhilfe, der explizit sozialpädagogisch mit Grufts arbeitete.
Die Mehrheit lehnt Rechtsextremismus ab und positioniert sich in Bewegungen wie "Grufties gegen Rechts", wobei die Szene auch mit einer gewissen Naivität gegenüber zweifelhaften Liedtexten und Bandnamen kämpft.
Friedhöfe dienen als Rückzugsorte für Stille, Meditation und Besinnlichkeit, die in der hektischen Alltagswelt oft fehlen, und werden nicht aus morbider Zerstörungslust, sondern aus ästhetischer Reflexion über die Vergänglichkeit aufgesucht.
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