Diplomarbeit, 2006
94 Seiten, Note: 2,3
VORWORT
1 METHODISCHES UND INHALTLICHES VORGEHEN
2 EHRENMORD ALS EINE FORM VON GEWALT IM NAMEN DER EHRE
3 DIE WELTWEITE VERBREITUNG VON EHRENMORDEN UND DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND
3.1 DIE WELTWEITE VERBREITUNG VON EHRENMORDEN
3.2 DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND
3.3 BUND- LÄNDERABFRAGE DES BUNDESKRIMINALAMTES
3.3.1. ERHEBUNGSBEDINGUNGEN
3.3.2 OPFER
3.3.3 TATVERDÄCHTIGE
3.3.4 TÄTER- OPFER- BEZIEHUNG
3.3.5 TATMOTIV
4 RECHTLICHE SITUATION IN DEUTSCHLAND
4.1 DIE ALTE RECHTSSPRECHUNG DES BUNDESGERICHTSHOFES [BGH] IN FÄLLEN VON EHRENMORD
4.2 DIE NEUERE RECHTSSPRECHUNG DES BGH
4.3 URTEILE UND BESCHLÜSSE DES BGH ZUR BEWERTUNG DES VORLIEGENS NIEDRIGER BEWEGGRÜNDE
5 DIE RECHTLICHE BEURTEILUNG VON EHRENMORDEN IN DER TÜRKEI
6 FALL HATUN SÜRÜCÜ
6.1 DER MORD
6.2 DIE EINZELNEN BETEILIGTEN
6.2.1 DIE FAMILIENMITGLIEDER DER SÜRÜCÜS
6.2.2 HATUN SÜRÜCÜ
6.2.3 CAN SÜRÜCÜ
6.2.4 AYHAN SÜRÜCÜ
6.2.5 ARZU SÜRÜCÜ
6.2.6 DIE ANWÄLTIN DER NEBENKLÄGERIN ARZU - GRACIELLE SIEVERS
6.2.7 EMRAH SÜRÜCÜ
6.2.8 MELEK AKAS
6.2.9 MUTLU
6.2.10 GÜLSAH S.
6.2.11 ALPASLAN SÜRÜCÜ
6.2.12 TIMUR S.
6.2.13 ATILLA DEMIR
6.2.14 NALAN SÜRÜCÜ
6.3 DIE SCHLUSSPLÄDOYERS
6.3.1 SCHLUSSPLÄDOYER DER STAATSANWALTSCHAFT
6.3.2 SCHLUSSPLÄDOYER DER NEBENKLAGE (EMRAH)
6.3.3 SCHLUSSPLÄDOYER DER NEBENKLAGE (ARZU)
6.3.4 SCHLUSSPLÄDOYER DES VERTEIDIGERS VON ALPASLAN
6.3.5 SCHLUSSPLÄDOYER DER VERTEIDIGUNG VON MUTLU SÜRÜCÜ
6.3.6 SCHLUSSPLÄDOYER DES ANWALTES VON AYHAN SÜRÜCÜ
6.4 DIE SCHLUSSWORTE DER ANGEKLAGTEN
6.5 DAS URTEIL
6.6 REAKTIONEN DER ÖFFENTLICHKEIT
7 EHRE – EINE BEGRIFFLICHE AUSEINANDERSETZUNG
7.1 DER BEGRIFF DER EHRE IM TÜRKISCHEN KONTEXT
7.1.1 ŞEREF (ANSEHEN)
7.1.2 NAMUS (EHRE)
7.1.3 SAYGI (RESPEKT, ACHTUNG)
7.1.4 DER EHRBEGRIFF BEIM MANN
7.2 DIE EHRE ALS PSYCHOSOZIALES MODELL
7.2.1 DIE ÄUSSERE EHRE
7.2.2 DIE INNERE EHRE
7.3 DIE EHRE DES AYHAN SÜRÜCÜ
8 PATRIARCHALISCHE FAMILIENSTRUKTUREN ALS URSACHE VON EHRENMORDEN
8.1 FAMILIENSTRUKTUREN IN DER TÜRKEI
8.1.1 BESCHÄFTIGUNG DES MANNES IN DER PATRIARCHALISCHEN GROSSFAMILIE
8.1.2 FAMILIENTYPENZYKLUS
8.1.3 ENTSCHEIDUNGSTRÄGER BEI DER WAHL DER EHEPARTNERIN DES MANNES
8.1.4 DER BRAUTPREIS
8.1.5 ENTSCHEIDUNGSTRÄGER BEI DER WAHL DES EHEPARTNERS DER FRAU
8.1.6 ENTSCHEIDUNGSTRÄGER IM ALLTAG
8.1.7 MODERNITÄT DER FAMILIEN
8.2 BEDEUTUNG UND FUNKTION DER FAMILIENMITGLIEDER IN EINER PATRIARCHALISCHEN FAMILIE
8.2.1 BEDEUTUNG DES VATERS
8.2.2 BEDEUTUNG DES SOHNES
8.2.3 BEDEUTUNG VON TÖCHTERN UND FRAUEN IN DER FAMILIE
8.3 FAMILIENTYPEN IN DEUTSCHLAND
8.3.1 RELIGIÖS- TRADITIONELL ORIENTIERTE FAMILIEN BZW. PAARE
8.3.2 FAMILIEN ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE
8.3.3 MODERNE FAMILIEN/ PAARE
8.4 EINORDNUNG DES FAMILIENTYPS DER FAMILIE SÜRÜCÜ
8.4.1 DIE HEIRATSPRAXIS DER FAMILIE SÜRÜCÜ
8.4.2 HEIRATSALTER
8.4.3 DIE HÖHEREN ENTSCHEIDUNGSBEFUGNISSE MÄNNLICHER FAMILIENMITGLIEDER
8.4.4 DIE HOHE BEDEUTUNG DES EHRENKODEX
8.5 EHRENMORD FÖRDERNDE ELEMENTE IN EINER PATRIARCHALISCHEN FAMILIENFORM
8.5.1 WEISUNGSGEBUNDENHEIT DURCH AUTORITÄTSGEFÄLLE
8.5.2 FEHLENDES SCHULDBEWUSSTSEIN IM KOLLEKTIV DER FAMILIE
8.5.3 DAS GEHEIMNIS DES HAUSES
9 WIRKUNG VON INTEGRATIONSSCHWIERIGKEITEN AUF DIE AUSÜBUNG VON EHRENMORDEN
9.1 VIER- PHASEN- MODELL DER INTEGRATION
9.2 HINDERNISSE UND SCHWIERIGKEITEN IM INTEGRATIONSPROZESS TÜRKISCHER MIGRANTEN
9.3 DIFFERENTE WERTVORSTELLUNGEN
9.4 ALLGEMEINE BELASTUNGEN FÜR MIGRANTEN
9.4.1 ARBEITSLOSIGKEIT BZW. ARBEITSBEDINGUNGEN
9.4.2 WOHNVERHÄLTNISSE
9.4.3 AUSLÄNDERSTATUS UND FREMDENFEINDLICHKEIT
9.4.4 AUFENTHALTSTATUS UND EINBÜRGERUNG
9.5 WIRKUNG INTEGRATIVER BELASTUNGEN AUF EHRENMORDE
10 BEDEUTUNG FÜR DIE SOZIALARBEIT
11 ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe von Ehrenmorden am Beispiel des Falls Hatun Sürücü. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem türkischen Ehrverständnis, patriarchalischen Familienstrukturen sowie Integrationsproblemen als auslösende Faktoren für Gewalt im Namen der Ehre. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, warum männliche Familienmitglieder sich zu derartigen Taten verpflichtet fühlen und wie diese durch soziokulturelle Kontexte in Deutschland und der Türkei legitimiert oder verstärkt werden.
6.2.2 Hatun Sürücü
Hatun wurde von ihren Freunden Aynur [Mondlicht] genannt. Ein Name, den sie sich selbst gab. Als älteste Schwester von acht Kindern wuchs sie in einer strenggläubigen Familie auf. Der Vater, ein sunnitischer Kurde, stammt aus Erzurum/ Ostanatolien. In der Familie Sürücü wird fünfmal täglich gebetet. Männer und Frauen sitzen beim Essen getrennt, die Töchter trugen schon in jungen Jahren ein Kopftuch. Die Brüder besuchen regelmäßig die Ashabi-Khef-Moschee im Bezirk Wedding. Vorher besuchten Alpaslan und Mutlu eine Moschee in Kreuzberg, die sie verlassen mussten, weil ihre radikalen Einstellungen dort nicht geduldet wurden. Hatun wurde mit 15 Jahren vom Gymnasium abgemeldet und von den Eltern mit ihrem Cousin in der Türkei zwangsverheiratet. Deshalb ging sie 1998 nach Istanbul. Die Ehe scheiterte, deshalb kehrte Hatun, inzwischen schwanger, nach Berlin zurück und zog wieder bei ihrer Familie ein.
Ihr Kind brachte sie im Mai 1999 auf die Welt. Zu diesem Zeitpunkt war sie 17 Jahre alt. Wenig später zog sie aus. Der Vater redete nicht mehr mit ihr, mit der Mutter traf sie sich nur heimlich. Der Grund für den plötzlichen Auszug Hatuns könnte ein sexueller Missbrauch durch Alpaslan bzw. Mutlu, ihre älteren Brüder, sein. Dies kam im Prozess zur Sprache. Von unterschiedlichen Zeugen wurden beide Brüder als Täter eines sexuellen Missbrauchs genannt. Sie sei von den Brüdern geschlagen und vergewaltigt worden, kurz nachdem sie von ihrem Mann, der sie schlug, nach Deutschland geflohen war. Sie zog in ein Mutter- Kind- Heim, dann in eine eigene Wohnung. Sie holte den erweiterten Hauptschulabschluss nach und begann eine Lehre zur Elektroinstallateurin im Ausbildungswerk Kreuzberg, die sie fast beendete. Eine sie dort betreuende Sozialarbeiterin sagt vor Gericht aus, Hatun habe sie gebeten, falls ihr etwas zustoße, den Sohn zu sich zu nehmen.
1 METHODISCHES UND INHALTLICHES VORGEHEN: Die Autorin erläutert ihre Vorgehensweise, die auf der Analyse des Falls Hatun Sürücü sowie einer qualitativen Textanalyse beruht, und definiert die zugrundeliegende Hypothese zur Ausübung von Ehrenmorden.
2 EHRENMORD ALS EINE FORM VON GEWALT IM NAMEN DER EHRE: Dieses Kapitel definiert Ehrenmord als Tötungsdelikt zur Wiederherstellung der Familienehre und grenzt ihn scharf von Leidenschafts- oder Eifersuchtsmorden ab.
3 DIE WELTWEITE VERBREITUNG VON EHRENMORDEN UND DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND: Hier werden statistische Daten zur weltweiten Verbreitung sowie die Situation in Deutschland beleuchtet, einschließlich der Bund-Länderabfrage des Bundeskriminalamtes.
4 RECHTLICHE SITUATION IN DEUTSCHLAND: Die Autorin untersucht die Wandlung der Rechtsprechung des BGH in Bezug auf das Mordmerkmal der „niedrigen Beweggründe“ bei Ehrenmorden.
5 DIE RECHTLICHE BEURTEILUNG VON EHRENMORDEN IN DER TÜRKEI: Es wird dargestellt, wie sich die türkische Gesetzgebung durch Reformen von der Strafmilderung hin zu härteren Strafen für Ehrdelikte entwickelt hat.
6 FALL HATUN SÜRÜCÜ: Dieses zentrale Kapitel rekonstruiert den Mord an Hatun Sürücü, beleuchtet die Beteiligten, die Gerichtsprozesse und die Reaktionen der Öffentlichkeit.
7 EHRE – EINE BEGRIFFLICHE AUSEINANDERSETZUNG: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Ehrbegriffs, unterteilt in die türkischen Werte (Şeref, Namus, Saygı) und ein psychosoziales Ehrmodell.
8 PATRIARCHALISCHE FAMILIENSTRUKTUREN ALS URSACHE VON EHRENMORDEN: Das Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen traditionell-patriarchalischen Strukturen in der Türkei bzw. Migrantenfamilien und der Entstehung von Ehrenmorden.
9 WIRKUNG VON INTEGRATIONSSCHWIERIGKEITEN AUF DIE AUSÜBUNG VON EHRENMORDEN: Die Arbeit diskutiert, wie Integrationsbelastungen und Identitätskrisen bei Migranten zu einer Rückbesinnung auf traditionelle Werte führen können, was die Gefahr von Gewalt im Namen der Ehre erhöht.
10 BEDEUTUNG FÜR DIE SOZIALARBEIT: Das Fazit für die Praxis betont die Notwendigkeit präventiver Beratung und anonymer Schutzangebote für von Ehrenmord bedrohte Mädchen und Frauen.
11 ZUSAMMENFASSUNG: Die Autorin fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt den Zusammenhang zwischen Ehrbegriff, Familienstruktur und Integrationsproblemen.
Ehrenmord, Gewalt im Namen der Ehre, Hatun Sürücü, Patriarchat, Namus, Integration, Migranten, Familienstruktur, Strafrecht, Ehrverständnis, Sozialarbeit, Prävention, Zeugenschutz, türkische Gesellschaft, Identität.
Die Arbeit befasst sich mit der Extremform der ehrbezogenen Gewalt, den Ehrenmorden, und untersucht deren Ursachen innerhalb türkisch geprägter Familienstrukturen und Integrationsprozesse in Deutschland.
Das zentrale Fallbeispiel ist der Mord an der 23-jährigen Hatun Sürücü in Berlin-Tempelhof im Jahr 2005 und der anschließende Gerichtsprozess gegen ihre Brüder.
Die Untersuchung geht der Frage nach, warum Ehrenmorde als Mittel zur Wiederherstellung der familiären Ehre in patriarchalischen Strukturen instrumentalisiert werden und welche Rolle dabei Integrationsschwierigkeiten spielen.
Die Verfasserin verwendet eine Kombination aus teilnehmender Beobachtung (im Gerichtssaal), Medienanalyse (Berichterstattung der Berliner Zeitung) sowie eine qualitative Textanalyse soziologischer und juristischer Fachliteratur.
Die Themen umfassen die rechtliche Beurteilung von Ehrdelikten in Deutschland und der Türkei, das theoretische Verständnis von Ehre (Şeref, Namus, Saygı), patriarchalische Familienstrukturen sowie die Herausforderungen der Integration von Migranten.
Wichtige Begriffe sind Ehrenmord, Patriarchat, Namus (Ehre), Integrationsschwierigkeiten, kollektives Schuldbewusstsein, Familienrat und Präventionsarbeit in der Sozialarbeit.
Das Experiment dient als Exkurs, um zu verdeutlichen, wie in einer patriarchalischen Struktur das Autoritätsgefälle dazu führen kann, dass Familienmitglieder unmoralischen Befehlen (wie einer Tötung) Folge leisten, selbst wenn sie diese als falsch empfinden.
Die Autorin betont die Dringlichkeit von anonymer Beratung und Schutzräumen für gefährdete junge Frauen und fordert eine Sensibilisierung von Jugendämtern für die spezifischen Bedürfnisse dieser Zielgruppe.
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