Doktorarbeit / Dissertation, 2005
234 Seiten
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 Medien im pädagogischen Diskurs
2.1.1 Von der Instruktion zur Konstruktion
2.1.2 Der Begriff der Wirklichkeit und der Welt
2.1.3 Jugendliche Erfahrungsräume in der Wissensgesellschaft
2.2 Internet als Bildungsraum
2.2.1 Hypertext- und Hypermedia-Systeme des Internet
2.2.2 Internetbasierte Kommunikation und Interaktion
2.2.3 Lern- und Handlungsumgebung im virtuellen Raum
2.3 Gesellschaftlicher Orientierungsrahmen
2.3.1 Internet als Teil der gesellschaftlichen Verteilungsproblematik
2.3.2 Soziale Ungleichheit in Bildungsprozessen
2.3.3 Politische Kommunikation und Interaktion
2.3.4 Verdrängung der Pädagogen als Vermittler
2.4 Fazit: Pädagogische Handlungsnotwendigkeit
3 BESCHREIBUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
3.1 Forschungsproblem
3.1.1 Explorative Studie
3.1.2 Forschungsstand
3.1.3 Ziele der Untersuchung
3.1.4 Thematische Komplexe
3.2 Konzeptspezifikation und Operationalisierungen
3.2.1 Internet: Zugangsorte, Nutzungsfrequenz, Nutzungsprioritäten
3.2.2 Einstellungen: Internetnutzung, Politik, Leben
3.2.3 Gesellschaftspolitisches Engagement
3.2.4 Gesellschaftliches Problemfeld: Globalisierung
3.2.5 Soziale Herkunft der Jugendlichen
3.2.6 Schule: Schulform, Bildungsaspiration, Schulerfolg
3.2.7 Peer-Group: Anerkennung, gemeinsame Internetnutzung
3.2.8 Umkehrung der pädagogischen Grundrelation
3.3 Forschungsdesign
3.3.1 Zeitlicher Aspekt der Erhebung
3.3.2 Erhebungsmethode
3.3.3 Bezeichnung der Fragebogenvariablen
3.4 Untersuchungsform: Stichprobe
3.4.1 Auswahl der Stichprobe
3.4.2 Beschreibung der Stichprobe
3.5 Pretest des Erhebungsinstruments
3.6 Datenerhebung (Feldarbeit)
3.7 Datenerfassung und -exploration
4 STATISTISCHE DATENANALYSE UND ERGEBNISSE
4.1 Soziale Lebenswelt der Familie
4.1.1 Soziale Herkunft als familiäres Startkapital
4.1.2 Kommunikative Praxis innerhalb der Familie
4.1.3 Mediennutzung der Eltern
4.1.4 Beurteilung der elterlichen Internetkenntnisse durch Jugendliche
4.2 Sekundäre Sozialisationsinstanz Schule
4.2.1 Bildungsbeteiligung
4.2.2 Bildungsaspirationen
4.2.3 Schulischer Erfolg und Misserfolg
4.2.4 Beurteilung der technischen Internetkompetenz der Lehrer
4.3 Einfluss der Gleichaltrigengruppe
4.3.1 Anbindung an Cliquen und kommunikative Praxis
4.3.2 Mit Freunden und Netzbekannten im Internet
4.4 Internet als Teil der Erfahrungswelt
4.4.1 Zugangsorte zum Internet
4.4.2 Allgemeine Nutzungsfrequenz des Internet
4.4.3 Nutzungsfrequenz politischer Internetseiten
4.4.4 Nutzungsprioritäten der Jugendlichen
4.4.5 Typologie der Internetorientierung
4.5 Gesellschaftspolitische Internethandlung
4.5.1 Allgemeines politisches Interesse
4.5.2 Jugendliche Internetorientierung im gesellschaftspolitischen Kontext
4.5.3 Nutzungsspektrum gesellschaftspolitisch orientierter Internetseiten
4.5.4 Gesellschaftspolitisches Engagement
5 RESÜMEE
Die Arbeit untersucht die Internetnutzung von Jugendlichen im gesellschaftspolitischen Kontext. Das primäre Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Internetorientierung, sozialen Faktoren und gesellschaftspolitischem Engagement zu klären, um die Hypothese einer Umkehrung der pädagogischen Grundrelation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen empirisch zu prüfen.
2.1 Medien im pädagogischen Diskurs
Bei der Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur, die sich im medialen Kontext mit dem Thema Internet beschäftigt, fiel noch vor einigen Jahren eine Polarisierung der Diskussion auf. Die Debatten wurden wiederholt von zurückhaltender Skepsis oder übertriebenem Optimismus begleitet, entwickelten sich jedoch nach einer gewissen Zeitspanne zu einer pragmatisch orientierten Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des neuen Mediums. Ein solcher Prozess, der offenbar seine Dynamik bis in die Gegenwart beibehalten hat – was hier in Bezug auf das derzeit neue Medium Internet mit seinen verschiedenen multimedialen Anwendungen beobachtet werden kann – ist freilich keinesfalls neu. Wie Merkert 1992 zeigte, scheint dieses Grundmuster des Diskurses mit wiederkehrender Regelmäßigkeit mit dem Entstehen jeweils neuer technologischer Medien aufzuleben.
Ausgehend von dem platonischen „Mythos von Theut“ für die Schrift als Medium beschreibt Merkert, wie sich die Beurteilung der Medien durch die „gebildete Welt“ (als Repräsentant einer pädagogisch interessierten Öffentlichkeit) in einer Aufeinanderfolge bestimmter stereotyper Reaktionen, einer Art Drei-Stadien-Abfolge, vollzieht. So wird die Diskussion bei dem jeweils neuen Medium zunächst mit Abneigung und mit kulturkritischem Pessimismus geführt, gefolgt von den Versuchen das jeweils Neue auf hergebrachte Weise zu interpretieren und damit zu vereinnahmen, bis hin zum dritten Stadium, dem Stadium der Normalisierung, der Ernüchterung oder der medienangemessenen Betrachtung. Das letzte Stadium der Entwicklung wird zum Teil beeinflusst durch die pragmatische Nutzung eines Mediums, d.h. durch den Zugriff auf dieses Medium durch die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder, die hierdurch Fakten schafft und die Entmystifizierung des Neuen für sich selbst realisiert.
1 EINLEITUNG: Problemstellung der Arbeit unter dem Aspekt der "Wissenskluft-Perspektive" und Einführung in die theoretische Ausrichtung.
2 THEORETISCHER HINTERGRUND: Diskussion von Medien im pädagogischen Diskurs sowie die Konzeptualisierung des Internets als Bildungsraum und gesellschaftlicher Orientierungsrahmen.
3 BESCHREIBUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Detaillierte Darstellung des Forschungsproblems, der Stichprobenauswahl an Düsseldorfer Schulen sowie der verwendeten Erhebungsmethodik.
4 STATISTISCHE DATENANALYSE UND ERGEBNISSE: Empirische Analyse der familiären, schulischen und peer-gruppenspezifischen Einflüsse auf die Internetnutzung und das gesellschaftspolitische Engagement.
5 RESÜMEE: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und kritische Diskussion der Rolle von Bildungsinstitutionen in der mediatisierten Gesellschaft.
Internetnutzung, Jugendliche, Medienkompetenz, Bildungssoziologie, Sozialisation, Wissenskluft, Politische Partizipation, Gesellschaftspolitisches Engagement, Digitale Medien, Internetorientierung, Schule, Familie, Peer-Group, Konstruktivismus, Bildungsungleichheit.
Die Arbeit analysiert die neuere Internetnutzung Jugendlicher am Beispiel ihrer gesellschaftspolitischen Interessen, eingebettet in den theoretischen Rahmen der Erziehungswissenschaft und der Mediensoziologie.
Im Fokus stehen die Rolle des Internets als Bildungsraum, die Einflüsse von Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule, Freunde) und der Zusammenhang zwischen digitaler Kompetenz und gesellschaftlicher Partizipation.
Das Ziel ist die empirische Klärung, ob die Internetnutzung zu einer Umkehrung der pädagogischen Hierarchien zwischen Erwachsenen und Jugendlichen geführt hat und welche Rolle soziale Faktoren dabei spielen.
Die Studie nutzt einen quantitativen Ansatz mit teilstandardisierten Fragebögen, die an Schülern der 10. Jahrgangsstufen an verschiedenen Schultypen in Düsseldorf durchgeführt wurden.
Der Hauptteil widmet sich der statistischen Auswertung der erhobenen Daten, gegliedert nach familiären Hintergründen, schulischer Sozialisation, Peergruppeneinflüssen und dem gesellschaftspolitischen Engagement.
Wichtige Begriffe sind Internetorientierung, soziale Ungleichheit, Bildungsrisiko, Wissenskluft-Perspektive und informationelle Selbstbestimmung.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Internetnutzung stark mit dem Bildungsgrad und dem sozialen Status verknüpft ist, wobei "Informationsreiche" und "Informationsarme" unterschiedliche Strategien und Kompetenzen aufweisen.
Nein, die Daten deuten nicht auf eine flächendeckende Umkehrung hin; zwar helfen Jugendliche den Erwachsenen technisch, aber sie nehmen meist keine führende Rolle in der pädagogischen Wissensvermittlung ein.
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