Bachelorarbeit, 2021
36 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Die Rache des Ehemanns
2.1 Der Liebesbeweis und die Erkenntnis des Ehebruchs
2.2 Inszenierung der Selbstjustiz
2.2.1 Dingsymbolik
2.2.2 Binnenerzählung und Strafprozess
3. Der kluge Knecht
3.1 Der Ehebruch
3.2 Der Knecht als augenöffnende Instanz
3.2.1 Macht- und Hierarchieverhältnisse
3.2.2 Offenbarung durch Binnenerzählung
3.2.3 Narrative Gestaltung: vriuntlîche kündikeit
4. Das heiße Eisen
4.1 Die Gottesprobe: trac mir daz heize îsen
4.2 Degradierung der Gottesprobe zum Racheinstrument
5. Schlussbetrachtung
Diese Bachelorarbeit untersucht, wie in drei ausgewählten mittelhochdeutschen Mären (Die Rache des Ehemanns, Der kluge Knecht, Das heiße Eisen) Ehebruch thematisiert und durch meist gewaltsame, außergerichtliche Maßnahmen bestraft wird. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die beteiligten Figuren als richtende Instanzen agieren, um die gesellschaftliche Ordnung eigenmächtig wiederherzustellen.
2.1 Der Liebesbeweis und die Erkenntnis des Ehebruchs
Kaufringer bezieht sich in dem Märe Die Rache des Ehemanns auf folgende Thematik, die eindeutige Parallelen zu den Mären des Strickers (und insbesondere zum nächsten Kapitel folgenden Märe Der kluge Knecht) aufweist: Die Störung der vorherrschenden weltlichen Ordnung und ihre Wiederherstellung. Bei diesem Prozess spielen gewaltvolle Konflikte eine wichtige Rolle, meistens handelt es sich um „Menschen, die selbst in intimsten Verhältnissen zu den Waffen greifen, um sich gegenseitig zu schaden und zu verletzen.“
Dabei sind die Protagonisten typischerweise Teil einer erotischen Dreieckskonstellation: Ritter und Frau sind verheiratet, doch die Frau pflegt zeitgleich ein vertrautes Verhältnis zu einem Pfarrer. Trotz der Zuschreibung edler Eigenschaften seitens des Erzählers wie küen und hochgemuot, scheint seine Ehefrau eine Affäre mit einem Pfaffen zu bevorzugen. Bereits in den Versen 9f. kann der reim leib : weib antizipierend als „destruktives Signal“ gedeutet werden, denn ohne jeglichen Anlass verlangt der Pfaffe eines Tages einen körperlichen Liebesbeweis von seiner Geliebten: Sie soll ihrem Ehemann zwei Backenzähne ziehen lassen, um ihm ihre Liebe und Treue zu beweisen (vgl. V. 33–37). Hier sieht Selmayr das erste objektivierte Begehren, das sich wiederholend durch die ganze Geschichte zieht: Der Pfarrer begehrt die Zähne des Ehemannes, während die Ehefrau ihren Geliebten begehrt und willig ist, alles für ihn zu tun.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Darstellung von Gewalt und Ehebruch in mittelhochdeutschen Mären ein und legt das Ziel fest, die erzählerische Umsetzung von Selbstjustiz zu untersuchen.
2. Die Rache des Ehemanns: Das Kapitel analysiert, wie ein gehörnter Ehemann durch die Inszenierung einer körperlichen Verstümmelung als Liebesbeweis und einer Binnenerzählung Rache an seiner untreuen Frau und dem Pfarrer nimmt.
3. Der kluge Knecht: Es wird untersucht, wie ein Knecht durch strategische Täuschung und eine Binnenerzählung seinem Herrn die Augen über den Ehebruch seiner Frau öffnet und so die Ordnung wiederherstellt.
4. Das heiße Eisen: Dieses Kapitel betrachtet eine Gottesprobe, die von einem Ehemann als Instrument zur Einschüchterung und Bestrafung seiner Frau umgedeutet wird, um seine Autorität zu sichern.
5. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Gemeinsamkeit der gewaltvollen Wiederherstellung der ehelichen Ordnung durch die Protagonisten als richtende Instanzen betont wird.
Ehebruch, Märe, Mittelalter, Selbstjustiz, Gewalt, Geschlechterrollen, Rechtsvorstellungen, Gottesurteil, Rache, Erzählstruktur, Heinrich Kaufringer, Der Stricker, Machtverhältnisse, Liebesbeweis, Dingsymbolik.
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Ehebruch und die darauf folgende, meist gewaltsame Selbstjustiz in drei ausgewählten mittelhochdeutschen Mären.
Die zentralen Themen umfassen eheliche Konflikte, Machtstrukturen, das Spannungsfeld zwischen weltlichem Recht und Selbstjustiz sowie die symbolische Bedeutung körperlicher Verstümmelungen.
Ziel ist es herauszuarbeiten, wie Figuren als richtende Instanzen fungieren, die außerhalb offizieller Justizsysteme eigene Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, um eine gestörte Ordnung wiederherzustellen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die motivgeschichtliche Aspekte sowie die narrative Gestaltung der Texte untersucht.
Im Hauptteil werden die drei Texte „Die Rache des Ehemanns“, „Der kluge Knecht“ und „Das heiße Eisen“ detailliert hinsichtlich ihrer Handlungslogik, ihrer Symbolik und der erzählerischen Strategien analysiert.
Wichtige Begriffe sind Ehebruch, Märe, Selbstjustiz, Gewalt, Machtverhältnisse, Gottesurteil und narrative Inszenierung.
Der Knecht agiert als eine vermittelnde Instanz, die durch Klugheit und eine strategisch eingesetzte Binnenerzählung die Wahrheit aufdeckt, ohne dabei die Hierarchie zu seinem Herrn offen zu verletzen.
Es wird nicht primär als religiöser Akt zur Wahrheitsfindung genutzt, sondern vom Ehemann als Mittel der Repression instrumentalisiert, um seine Frau zu verunsichern und Macht über sie auszuüben.
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