Bachelorarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE UND HISTORISCHE GRUNDLAGEN
2.1 DAS KONZEPT DER ÄSTHETIK DES SCHRECKLICHEN IN DER LITERATUR
2.2 DIE STOA
2.3 DER EPIKUREISMUS
3. DIE ÄSTHETIK DES SCHRECKLICHEN IN SENECAS THYESTES
3.1 TEXTSTELLE
3.2 ÜBERSETZUNG
3.3 INTERPRETATION
3.3.1 Einordnung der Textstelle in den Kontext
3.3.2 Die Ästhetik der Brutalität und das Paradoxe am Beispiel der Schlachtung der Neffen des Atreus
3.3.3 Der Perspektivwechsel vom Opfer- zum Täterblick im Botenbericht
3.3.4 Die Rolle der ἐνάργεια in der Ästhetik des Schrecklichen
3.3.5 Atreus saevus als Antistoiker? Einsatz schrecklich-ästhetisierender Elemente zur Realisierung einer philosophischen Aussageabsicht
4. DIE ÄSTHETIK DES SCHRECKLICHEN IN LUKREZ‘ DE RERUM NATURA
4.1 TEXTSTELLE
4.2 ÜBERSETZUNG
4.3 INTERPRETATION
4.3.1 Einordnung der Textstelle in den Kontext
4.3.2 Das Schreckliche in der Verletzung der Integrität des menschlichen Körpers
4.3.3 Die Verbildlichung des Ekels
4.3.4 Ekel und Panik – Nährboden für die Vermittlung epikureischer Philosophie?
5. SYNOPSIS
5.1 EKEL UND BRUTALITÄT – VERSCHIEDENE SPIELARTEN DES SCHRECKENS
5.2 DAS ZUSAMMENSPIEL VON GRENZEN UND GRENZÜBERSCHREITUNG
5.3 EINSATZ DER ἐΝΆΡΓΕΙΑ ZUR VERGEGENWÄRTIGUNG DES SCHRECKENS
5.4 DIE PHILOSOPHISCHE BELEHRUNG ALS ENDZWECK?
6. SCHLUSS
Die vorliegende Arbeit untersucht das ästhetische Konzept des Schrecklichen in Senecas Tragödie Thyestes und Lukrez’ Lehrgedicht De rerum natura. Ziel ist es, durch eine Synopse herauszuarbeiten, ob eine gemeinsame Essenz dieses ästhetischen Phänomens existiert und inwiefern diese als rhetorisch-inhaltliche Gestaltungsmethode philosophische Aussageabsichten transportiert.
3.3.2 Die Ästhetik der Brutalität und das Paradoxe am Beispiel der Schlachtung der Neffen des Atreus
Die frühkaiserzeitliche Literatur war fasziniert von Motiven, die jenseits des gewöhnlichen Spektrums ästhetischen Empfindens lagen, so etwa des Ekligen, Hässlichen und Grausamen. Seneca fällt dabei mit seiner Dramendichtung, die sich exzessiver Darstellungen von körperlicher Gewalt, sowie aller hässlichen Realitäten des Todes bedient, nicht aus der Reihe. Selbst vor der Inszenierung von Mord coram populo, also direkt auf der Bühne, wird in der Medea nicht zurückgeschreckt. Zu Horaz‘ Zeiten, also grob zwei Generationen zuvor, wäre dies noch ein beträchtlicher Affront gegen den guten Geschmack gewesen. So schreibt dieser, dass Dinge, die sich besser im Inneren abspielen sollten, da sie die Aufmerksamkeit bei visueller Präsentation zu sehr erregen, nicht auf die Bühne gehören.36 Der Mord in der vorliegenden Passage wird zwar nur referiert, doch auf sehr spezielle Art und Weise in einem Botenbericht inszeniert, dass es letztlich so wirkt, als hätte man ihm eine Bühne gegeben. Die an sich distanzierte Darstellungsform erzeugt dennoch ein Gefühl von Nähe. Weitere geschickt gesetzte Mittel der textuellen Vergegenwärtigung, der ἐνάργεια, sorgen dafür, dass alle grausamen Details des dreifachen Sippenmordes sich lebhaft vor dem inneren Auge abspielen. Zunächst soll erörtert werden, wie genau die Ästhetik des Schrecklichen in dieser Passage zutage tritt.
Die Darstellung der Kindsmorde im Thyestes ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Atreus schlachtet seine drei Neffen brutal dahin, inszeniert als ein bizarrer Opferritus. Was den Toden gemein ist, ist, dass sie alle eine rhetorisch gestaltete widernatürliche und verstörende Wirkung haben, noch über das natürliche Maß an Schrecken hinaus, welches das Konzept des Sterbens für den Menschen darstellt.37 Nachdem Tantalus, der erste der Thyestes-Söhne, von Atreus enthauptet wurde, steht sein Körper noch eine Weile aufrecht, educto stetit | ferro cadaver38. Bemerkenswert ist an dieser Stelle das verstärkte Paradoxon, was durch die Personifikation eines leblosen Objekts, des cadaver, realisiert wird, da dieses Nomen den bereits eingetretenen Tod des Organismus betont.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Ästhetik des Schrecklichen bei Seneca und Lukrez und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. THEORETISCHE UND HISTORISCHE GRUNDLAGEN: Definition des ästhetischen Konzepts des Schrecklichen und Abriss der stoischen sowie epikureischen Philosophie.
3. DIE ÄSTHETIK DES SCHRECKLICHEN IN SENECAS THYESTES: Analyse der grausamen Opferszene im Thyestes unter besonderer Berücksichtigung rhetorischer Mittel und philosophischer Inversion.
4. DIE ÄSTHETIK DES SCHRECKLICHEN IN LUKREZ‘ DE RERUM NATURA: Untersuchung der Pestschilderung am Ende des Werkes als ekelerregendes Mittel zur Illustration von Todesfurcht.
5. SYNOPSIS: Zusammenschau der Ergebnisse bezüglich Gewalt, Grenzüberschreitung und rhetorischer Vergegenwärtigung in beiden Werken.
6. SCHLUSS: Fazit der Untersuchung, das die ästhetische Gestaltung als bewusstes Mittel zur Vermittlung philosophischer Mahnungen bestätigt.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Ästhetik des Schrecklichen, Seneca, Thyestes, Lukrez, De rerum natura, Enargeia, Gewalt, Ekel, Paradoxon, Stoa, Epikureismus, GrenzÜberschreitung, Vergegenwärtigung, Kindsmord, Pestdarstellung.
Die Arbeit untersucht, wie zwei antike Autoren – Seneca und Lukrez – extrem gewaltsame oder abstoßende Szenen nutzen, um eine "Ästhetik des Schrecklichen" zu erzeugen und damit philosophische Botschaften zu vermitteln.
Zentrale Themen sind die literarische Inszenierung von Gewalt, der Einsatz rhetorischer Mittel zur Erzeugung von Schrecken, die Rolle von Körpergrenzen sowie der Kontrast zwischen philosophischen Idealen und den dargestellten Negativbeispielen.
Die Arbeit möchte herausfinden, ob sich eine gemeinsame Essenz der Ästhetik des Schrecklichen in beiden Werken finden lässt und ob diese Ästhetik als rhetorisches Werkzeug dient, um philosophische Inhalte zu stützen oder zu invertieren.
Die Methode umfasst eine synoptische Analyse ausgewählter Kernpassagen der antiken Texte sowie eine philologische Untersuchung der rhetorischen Gestaltungsmittel (insbesondere der enargeia) im philosophischen Kontext.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Schlachtung der Neffen im Thyestes (Kapitel 3) und die Pestschilderung in Lukrez' De rerum natura (Kapitel 4), jeweils unter den Aspekten der Textinterpretation und Einordnung in den philosophischen Kontext.
Schlüsselbegriffe sind Ästhetik des Schrecklichen, Grenzüberschreitung, Enargeia, Gewaltästhetik, Paradoxon, stoischer Weiser, epikureische Tranquilitas und die Zurschaustellung von Leid.
Atreus invertiert stoische Werte: Anstatt Gelassenheit (apatheia) und Vernunft (ratio) zu praktizieren, lässt er sich von ungezügeltem Zorn (ira) leiten und missbraucht heilige Riten, was ihn zum totalen Gegensatz des stoischen Weisen macht.
Sie dient als abschreckendes Negativbeispiel für das menschliche Versagen bei der Überwindung der Todesfurcht und soll verdeutlichen, welcher Zustand erwartet, wenn man sich nicht nach epikureischer Manier von Ängsten befreit.
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