Bachelorarbeit, 2022
39 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Ein Auseinanderstreben
2.1 Verbannung
2.2 Internierung
2.3 Asyl
2.4 Eine moralische Synthese
3 Ein Annähern
3.1 Psychoanalyse oder dem Wahnsinn die Stimme zurückgeben
3.2 Der anthropologische Schlummer
3.3 Wahnsinn zwischen Jurisprudenz und psychiatrischer Gutachten
3.4 Internierung und Asyl heute (§ 63 StGB)
3.5 Zwei aktuelle Beispiele für die „Sackgasse Psychologie“
3.5.1 F65 Störungen der Sexualpräferenz (Paraphilie)
3.5.2 F60.2 Dissoziale Persönichkeitsstörung
3.7 Resozialisierung als Heterotopie der Internierung
4 Fazit
Die Arbeit untersucht die historische Transformation der Grenze zwischen Wahnsinn und Vernunft basierend auf Michel Foucaults Analysen, mit dem Ziel, die aktuelle Praxis psychiatrischer Begutachtungen und Internierungen kritisch zu hinterfragen und Potenziale für einen interdisziplinären, humaneren Dialog zu erschließen.
2.2 Internierung
Allmählich begann der Wahnsinn sich zu einer Bezugsform der Vernunft zu transformieren. Als das Maß der Vernunft, war der Wahnsinn jetzt dazu in der Lage, Wahrheit und Lüge hervorzubringen. Als Beispiel nennt Foucault hier Descartes Meditationen über unbezweifelbare Tatsachen. Dort fand Descartes den Wahnsinn neben dem Traum und dem Irrtum als Form der Täuschung vor. Doch er kam zu dem Entschluss, dass er als Denkender nicht irre sein konnte – Vernunft und Unvernunft schließen sich gegenseitig aus (Foucault, 1973).
Foucault bezeichnet diesen neuen Umgang als einen „eigenartigen Gewaltakt“, der die Stimme des Wahnsinns zum Schweigen brachte. Und an der Stelle, an der man zunächst sich selbst überlassen war, traten Galgen, Pranger, Gefängnisse und Verliese. In alten Rechnungsbüchern wurde über Subventionen und Stiftungen berichtet, die für die Pflege der Irren zuständig war. Ein Großteil wurde aber auf Stadtkosten in Gefängnissen untergebracht. So etwas wie eine Behandlung oder einen medizinischen Sinn gab es noch nicht. „Zum ersten Mal ersetzt man die rein negativen Ausschlußmaßnahmen durch eine Internierungsmaßnahme; der Arbeitslose wird nicht mehr verjagt oder bestraft; man nimmt sich seiner auf Kosten der Nation und zu Lasten seiner persönlichen Freiheit an (Foucault, 1973, S.82).“
1 Einleitung: Einführung in Foucaults Kernthesen zum Wahnsinn und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Plausibilität dieser Thesen im aktuellen psychiatrischen Diskurs.
2 Ein Auseinanderstreben: Historische Nachzeichnung der Entwicklung von Verbannung über Internierung hin zum Asylwesen, wobei die zunehmende Repression und Normalisierung des Wahnsinns im Namen der Humanität verdeutlicht wird.
3 Ein Annähern: Analyse der Möglichkeiten und Grenzen einer psychoanalytischen und geisteswissenschaftlichen Perspektive auf den Wahnsinn im Kontrast zum naturwissenschaftlich-diagnostischen Dogma.
4 Fazit: Zusammenfassende Forderung nach einem interdisziplinären Diskurs auf Augenhöhe, um Exklusion durch Inklusion und Resozialisierung zu ersetzen.
Wahnsinn, Vernunft, Michel Foucault, Psychiatrie, Internierung, Schuldfähigkeit, Psychologie, Geisteswissenschaft, forensische Begutachtung, Stigmatisierung, Disziplinierung, Resozialisierung, Norm, Pathologie, Macht
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der historischen und gegenwärtigen Konstruktion des Begriffs Wahnsinn, basierend auf der Philosophie Michel Foucaults.
Zentral sind die Transformation der Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn, die Rolle der Psychologie als Disziplin und die Praxis des psychiatrischen Gerichtsgutachtens.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die psychiatrische Praxis den Wahnsinn normiert und entmündigt, und Wege für einen interdisziplinär humaneren Umgang aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt die Methode der Genealogie nach Foucault sowie eine hermeneutische Analyse, um das Verhältnis von Psychologie und Psychiatrie zu hinterfragen.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Internierung, die "Apotheose des Arztes" und aktuelle Beispiele aus der forensischen Psychiatrie, wie die dissoziale Persönlichkeitsstörung.
Besonders prägend sind Begriffe wie Apotheose des Arztes, Internierung, Normalisierung, Machtstrukturen und der interdisziplinäre Dialog.
Weil sie laut Foucault durch ihr Streben nach einem rein naturwissenschaftlichen Objektivitätsideal ihre geisteswissenschaftliche Wurzel und damit die Fähigkeit verliert, gesellschaftlich relevante, menschliche Sinnzusammenhänge zu erfassen.
Es dient als praktisches Gegenmodell zur exklusiven Internierung und verdeutlicht, dass Resozialisierung durch Gemeinschaftssinn und Freiheit effektiver sein kann als reine Isolation.
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