Examensarbeit, 2008
142 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Zu Inhalt und Form des Romans
2.1 Inhaltsüberblick
2.2 Zur Form des Romans
2.2.1 Die Erzählsituation
2.2.2 Die Zeitstruktur und die Figurenrede
2.2.3 Sprache und Stil
3 Entstehungsgeschichte und Handlungsraum des Schlangenbaums
4 Zum Begriff des Postkolonialismus
5 Das Eigene und das Fremde: Der komparatistische Blick
5.1 Zeichnungen des Fremden in TIMMS Roman Der Schlangenbaum
5.2 Wagner und das Fremde
5.2.1 Die Suche nach dem Ich
5.2.2 Wagner und Luisa: Das utopische Bild
5.2.3 Die Rolle der Sprache im interkulturellen Prozess für Wagner
5.2.4 Natur versus Zivilisation
5.3 Brechung und Parodie
5.4 Die eurozentristische Perspektive
5.5 Der Umgang mit dem Fremden: Ein zusammenfassender Ausblick
6 Die Darstellung der postkolonialen Welt im Schlangenbaum
6.1 Geschichtlicher Hintergrund des Romans
6.2 Die Leitmotive des Romans: Mythos und Realität
6.3 Neokolonialismus oder im Schatten der Paläste
6.3.1 Homo Technicus und das Problem des Fortschritts
6.4 Das Bekannte im Fremden: Die Militärjunta und der deutsche Faschismus
6.4.1 Luisa, Wagner und die argentinische Militär-Diktatur
6.4.2 Der Nazi im Exil
7 Zum intertextuellen Verweissystem im Schlangenbaum
7.1 Exkurs: Wagner und Walter Faber – ein Vergleich
8 Wagners Entwicklung
9 Das Schlusstableau des Romans
10 Fazit
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Eigenen und dem Fremden in der deutschen Gegenwartsliteratur, insbesondere anhand des Romans "Der Schlangenbaum" von Uwe Timm. Dabei wird analysiert, wie in einer postkolonialen Gesellschaft kulturelle Alterität dargestellt wird und inwiefern der Roman als Kritik an neokolonialen Strukturen und dem eurozentristischen Fortschrittsglauben fungiert.
5.2.3 Die Sprache im interkulturellen Prozess für Wagner
In der ersten Phase des Arbeiterstreiks auf dem Baugrund der Papierfabrik versucht Wagner, die Bolivianer wieder zum Arbeiten zu bewegen, indem er einige halbherzige und belanglose Versprechungen macht: Er gibt gegenüber den Sprechern der Arbeiter, die zu ihm ins Büro beordert wurden, zu, dass er es war, der die Schlange (vgl. 6.2) überfahren hat, „[…] aber nicht mit Absicht. Es war ein Zufall […]. Juan übersetzte und die drei gingen aus dem Zimmer“ (180). Nachdem die Arbeiter aus dem Büro gegangen sind, kommt es zwischen Wagner und Juan zu einem sehr interessanten Gespräch:
Sie sagen es war der Zufall? Der Zufall muß immer für alles herhalten, jedenfalls in Ihrer Welt, in der alles berechenbar erscheint. Was nicht berechenbar ist, ist der Zufall. Das ist der ewige Rest, der nicht aufgeht. Der Zufall ist unendlich naiv und schlicht. Der Zufall ist dumm. Das ist Ihr blinder Augenfleck. Aber für diese Menschen gibt es auch dafür Erklärungen. Erklärungen in anders wirkenden Kräften, in dem Stein, in der Schlange, im Wald, der Sonne, dem Blitz, den Wolken, dem Regen. Eine Kraft, und keine gute, hat Sie dazu gebracht, die Schlange zu töten. (180f)
Wagner ist trotz Dolmetscher nicht in der Lage, die Sprache der Einheimischen zu treffen. Auf der pragmatischen Seite erschließt sich den Indianern der Sinn von Wagners Worten nicht. Juan ist als Dolmetscher Wagners transkulturelle Brücke zu den Einheimischen. Welchen Stellenwert hat die Sprache im interkulturellen Prozess? Anscheinend reicht es nicht aus, lautbildlich die gleiche Sprache zu sprechen (auch wenn hier ein Übersetzer dazwischen geschaltet ist), wenn der kulturelle Hintergrund ein komplett anderer ist. Diese Hypothese gilt es zu überprüfen.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Repräsentation des Eigenen und Fremden in der Literatur ein und skizziert die postkoloniale Problematik unter Rückgriff auf kulturwissenschaftliche Theorien.
2 Zu Inhalt und Form des Romans: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Romaninhalt und analysiert zentrale formale Aspekte wie Erzählsituation, Zeitstruktur und Sprache.
3 Entstehungsgeschichte und Handlungsraum des Schlangenbaums: Hier werden die biografischen Hintergründe des Autors und der geografische Handlungsraum des Romans beleuchtet.
4 Zum Begriff des Postkolonialismus: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Postkolonialismus als zeitkritische, interdisziplinäre Strömung und dessen Relevanz für literarische Analysen.
5 Das Eigene und das Fremde: Der komparatistische Blick: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die Fremdwahrnehmung, die Rolle von Sprache, Natur und exotischen Frauenbildern sowie die eurozentristische Perspektive des Protagonisten Wagner.
6 Die Darstellung der postkolonialen Welt im Schlangenbaum: Hier werden der geschichtliche Hintergrund, die Leitmotive (Schlange, Baum) und politische Aspekte wie Neokolonialismus und Militärdiktatur analysiert.
7 Zum intertextuellen Verweissystem im Schlangenbaum: Das Kapitel widmet sich den literarischen Bezügen des Romans, insbesondere zum "Homo faber" von Max Frisch.
8 Wagners Entwicklung: Die Analyse konzentriert sich auf den Wandlungsprozess des Protagonisten Wagner, der seine technokratische Weltsicht kritisch hinterfragt.
9 Das Schlusstableau des Romans: Das letzte Kapitel interpretiert das Ende des Romans und die apokalyptischen Bilder im Kontext der politischen Gesamtaussage.
10 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle von Literatur bei der Sensibilisierung für interkulturelle und postkoloniale Probleme.
Postkolonialismus, Fremdwahrnehmung, Interkulturalität, Uwe Timm, Der Schlangenbaum, Wagner, Identitätssuche, Neokolonialismus, Eurozentrismus, Technikkritik, Kulturkontakt, Literaturwissenschaft, Machtstrukturen, Alterität, Symbolik.
Die Arbeit analysiert Uwe Timms Roman "Der Schlangenbaum" unter postkolonialen Gesichtspunkten und untersucht das Verhältnis zwischen der westlichen Welt und dem "Fremden", repräsentiert durch das südamerikanische Umfeld.
Zu den zentralen Themen gehören Fremdwahrnehmung, kulturelle Alterität, Machtstrukturen im neokolonialen Kontext, die Kritik am westlichen Fortschrittsglauben und die Entwicklung des Protagonisten Wagner.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Roman kulturelle Differenzen darstellt und welche Rolle die eurozentristische Sichtweise des Protagonisten für sein Scheitern und seinen späteren Lernprozess spielt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die stark auf postkoloniale Studien sowie kulturwissenschaftliche Theorien (z.B. zu Fremdheit und Hybridität) gestützt ist.
Der Hauptteil analysiert intensiv die Zeichnung des Fremden, die Rolle der Sprache als interkulturelles Hindernis, die Bedeutung der Natur als Gegenpart zur Zivilisation sowie die kritische Darstellung von Neokolonialismus und Militärdiktatur.
Die wichtigsten Begriffe sind Postkolonialismus, Fremdwahrnehmung, Interkulturalität, Identitätssuche, Eurozentrismus, Technikkritik und der Roman "Der Schlangenbaum".
Wagner wandelt sich vom technokratischen "Homo Technicus", der alles mit europäischer Rationalität beherrschen will, zu einem Menschen, der durch traumatische Erfahrungen die Grenzen seines Weltbildes erkennt und einen "ästhetischen Blick" auf die Welt entwickelt.
Die Schlange fungiert als "Zentralsymbol" und Leitmotiv für eine von Europäern nicht verstandene Weltordnung; ihr Überfahren durch Wagner symbolisiert den gewaltsamen, ignoranten Eingriff des Westens in eine fremde Kultur.
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