Examensarbeit, 1994
96 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die Ethik Christian Garves
2.1 Der Begriff der Tugend
2.2 Der Begriff der Pflicht
3 Garves Kritik an Kants praktischer Philosophie
3.1 Kants Urteil über Garve
3.2 Ein unglücklicher Beginn in Göttingen
3.3 Die Übersicht der vornehmsten Prinzipien der Sittenlehre
3.4 Die Autonomie des Willens
3.5 Der Kategorische Imperativ in Konfrontation mit der Goldenen Regel
3.6 Garves Kritik an dem Begriff der reinen praktischen Vernunft
4 Staatsphilosophie
4.1 Nie wieder Krieg – Utopie oder politisches Programm
4.2 Die Diskussion um ein Recht auf Widerstand gegen staatlichen Zwang
4.3 Kants Stellungnahme zum Widerstandsrecht
4.4 Garves Kritik an Kants Widerstandsverbot
4.5 Ludwig Reinhold von Jakob als Kantianer gegen Kant
5 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die Auseinandersetzung der Popularphilosophie des 18. Jahrhunderts – insbesondere ihres Vertreters Christian Garve – mit der praktischen Philosophie Immanuel Kants. Das zentrale Ziel ist es, die Kritik der Popularphilosophen an Kants Ethik und Staatsphilosophie zu analysieren, ihre Stichhaltigkeit zu prüfen und zu verstehen, warum dieser Ansatz nach dem Aufkommen des Kantischen Kritizismus an Bedeutung verlor und schließlich endete.
Die Autonomie des Willens
Garve lobt als erstes die "Neuheit und Wahrheit, Originalität und praktische Brauchbarkeit" einiger Begriffe und Sätze des Kantischen Systems. So bemerkt Garve, dass die Autonomie des Willens, die Ansicht, dass jeder Mensch sein eigener Gesetzgeber sei, von allen Menschen ohne Vorurteil für eine richtige Ansicht gehalten worden sei. Es sei von jeher selbstverständlich gewesen, dass nur derjenige zu Tadeln sei, der der Urheber seiner Handlungen sei und nicht unter Zwang gehandelt habe. Nur eine allzu große Frömmigkeit und ein zu stark ausgeprägter Autoritätsglaube habe dazu geführt, dass man es für frevelhaft gehalten habe, über Beschlüsse Gottes oder des Staates selbst zu urteilen. Beides ist ein Vorurteil gewesen. Denn will ich wissen, ob Gott sich in einem Gebot offenbart hat, so muss ich zuvor wissen, ob das Gebot vernünftig ist oder nicht. Zur Beantwortung dieser Frage steht dem Menschen aber keine andere Autorität zu Verfügung als die eigene Vernunft. Ebenso verhält es sich mit der Macht des Gesetzgebers. Wenn diese Macht sich nicht auf Tyrannei und gewaltsame Unterdrückung stützen soll, so kann sie ihre Legitimation nur durch eine freiwillige Unterwerfung der Staatsbürger gewinnen. Freiwillig ist diese Unterwerfung aber nur dann, wenn der Grund für sie in der je eigenen Beurteilung der Staatsverfassung liegt.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Strömung der Popularphilosophie ein, skizziert deren kritische Haltung gegenüber Kant und stellt die Forschungsfrage zur Berechtigung dieser Kritik.
2 Die Ethik Christian Garves: Dieses Kapitel erläutert Garves ethische Grundannahmen, die stark von der Tradition, dem Antiken Denken und englischen Moralphilosophen beeinflusst sind und den Fokus auf das glückselige Leben legen.
3 Garves Kritik an Kants praktischer Philosophie: Dieser Hauptteil analysiert die konkreten Kritikpunkte Garves an Kant, von der Rezension der Kritik der reinen Vernunft bis zur Kritik am Kategorischen Imperativ und dem Begriff der reinen praktischen Vernunft.
4 Staatsphilosophie: Dieses Kapitel behandelt die politischen Diskurse, insbesondere die Frage nach dem ewigen Frieden, dem Verhältnis von Moral und Politik sowie dem umstrittenen Widerstandsrecht gegen staatliche Gewalt.
5 Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Scheitern der Popularphilosophie angesichts des neuen Paradigmas des Kantischen Kritizismus.
Popularphilosophie, Immanuel Kant, Christian Garve, praktische Philosophie, Ethik, Glückseligkeit, Kategorischer Imperativ, Staatsphilosophie, Widerstandsrecht, Autonomie, Tugend, Moral, Aufklärung, Pflicht, Vernunft
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung zwischen Immanuel Kant und den Vertretern der Aufklärungs-Popularphilosophie, repräsentiert vor allem durch Christian Garve.
Zentrale Felder sind die ethischen Grundlagen der Moral (Tugend, Pflicht, Glückseligkeit), die Interpretation des Kategorischen Imperativs und die staatsphilosophische Debatte um Widerstandsrecht und politisches Handeln.
Das Ziel ist zu klären, ob die Kritik der Popularphilosophen an Kant gerechtfertigt war und warum diese Strömung trotz ihrer Bedeutung für ihre Zeit literarisch nicht überlebte.
Der Autor wendet eine komparative Methode an, bei der Kants Schriften und die der Popularphilosophen (insbesondere Garve und Jakob) unter Zuhilfenahme zeitgenössischer und moderner Sekundärliteratur auf ihre Argumentationslogik hin untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Garves Ethik, seine spezifische Kritik an zentralen Kantischen Begriffen sowie eine Untersuchung der divergierenden staatsphilosophischen Positionen zu Krieg, Frieden und Widerstand.
Die wichtigsten Begriffe sind Popularphilosophie, Christian Garve, Immanuel Kant, Ethik, Glückseligkeit, Kategorischer Imperativ und Staatsphilosophie.
Der Autor zeigt auf, dass Garves Kritik auf einem Missverständnis basiert, da er den Kategorischen Imperativ fälschlicherweise als eine Regel zur Folgenabschätzung innerhalb einer sozialen Praxis interpretiert, anstatt als formale Bestimmung des Willens.
Garve versucht, den Kategorischen Imperativ auf die Goldene Regel zurückzuführen, da er glaubt, dass ethische Gesetze die menschliche Glückseligkeit als Grundlage benötigen müssen, was Kant entschieden ablehnt.
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