Referat (Ausarbeitung), 2009
20 Seiten, Note: "-"
1. Enthemmte Volksmusikpflege
2. Ideologie und Ideologiekritik
3. Volksmusikpflege – Ideologiepflege
4. Keine Volksmusikpflege ohne Herder, Huber & Co
5. Ideologischer Anachronismus
6. Stigmatisierung der „Anderen“
7. Erbe und Auftrag
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltenden ideologischen Einflüsse und Mechanismen der 1930er Jahre in der zeitgenössischen Volksmusikpflege in Bayern. Ziel ist es, die historischen Kontinuitäten aufzuzeigen, die oft unbewusst in traditionellen Kulturvereinen fortbestehen, und eine kritische Auseinandersetzung mit diesen veralteten, teilweise exklusiven Ideologien anzuregen, um eine weltoffene und zeitgemäße Kulturpflege zu fördern.
3. Volksmusikpflege – Ideologiepflege
Ausgehend von diesen Erläuterungen erweist sich die Volksmusikpflege durchaus als eine ideologische Bewegung. Hierzu einige Beispiele.
Der Erfinder der Volksliedpflege, Johann Gottfried Herder (1744-1803), forderte im Gefolge von Jean Jacques Rousseaus Aufruf „Zurück zur Natur“ wider die vermeintlichen Fehlentwicklungen seiner Zeit die „Sammlung und Kultivierung [...] unverbrauchter urwüchsiger Poesie und Musik, damit sie das zeitgenössische Schaffen von Dichtern und Komponisten befruchten könnten“13. Ferner sollte die Nationaldichtung, gemeint waren damit u. a. Volksgesänge, die Sitten bessern und einen neuen Vaterlandsgeist erzeugen.14
Mit seinen internationalen „Volksliedern“ setzte Herder 1778/79 einen Maßstab, der den Umgang mit dem Volkslied bis heute bestimmt: „Volk heißt nicht der Pöbel auf den Gassen, der singt und dichtet niemals, sondern schreit und verstümmelt.“15
Das heißt erstens: Die Bevölkerung repräsentiert nicht das Volk – „Volk“ war bei Herder ein ideeller Begriff; und zweitens: Nicht alles, was gesungen oder gespielt wird, ist von gleichem Wert. Herders Volksliedbegriff beruhte bekanntermaßen auf den drei Wesensmerkmalen Schönheit, Alter und allgemeine Verbreitung16 und war ein Idealkonstrukt. Damit sollte eine neue Realität geschaffen werden, die mit der historischen Realität nichts gemein hatte, aber von Herder und seinen Epigonen für axiomatisch gehalten wurde, also für „absolut richtig“ im Sinne der vorhin gebrauchten Ideologiedefinition.
1. Enthemmte Volksmusikpflege: Der Autor schildert seine langjährige Erfahrung im Kulturbetrieb und stellt fest, dass in der Volksmusikpflege Auseinandersetzungen oft besonders unsachlich geführt werden.
2. Ideologie und Ideologiekritik: Es werden die begrifflichen Grundlagen von Ideologie als Weltanschauung sowie die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Ideologiekritik zur Aufdeckung von Machtstrukturen erläutert.
3. Volksmusikpflege – Ideologiepflege: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die Volksmusikpflege historisch als ideologische Bewegung entstand und welche Rolle dabei Konstrukte wie das „wahre Volkslied“ spielten.
4. Keine Volksmusikpflege ohne Herder, Huber & Co: Hier wird der Einfluss von Persönlichkeiten wie Kurt Huber auf die kulturpolitische Vereinnahmung des Volksliedes und die Verbreitung völkischer Konzepte analysiert.
5. Ideologischer Anachronismus: Der Autor kritisiert das Fortbestehen von Vorurteilen und rassistischen Untertönen in heutigen Diskursen über „echte“ Volksmusik und warnt vor einem unreflektierten Umgang mit diesen Traditionen.
6. Stigmatisierung der „Anderen“: Dieses Kapitel thematisiert die historische Wurzel der Ausgrenzung von Musikformen, die nicht dem völkischen Ideal entsprachen, und deren Fortwirken in der heutigen Tradimix-Debatte.
7. Erbe und Auftrag: Das Fazit fordert eine kritische Aufarbeitung der Vergangenheit und eine Neudefinition der Volksmusikpflege, die sich von exklusiven Ideologien löst und weltoffen agiert.
Volksmusikpflege, Ideologiekritik, Völkische Ideologie, Heimatpflege, NS-Nachwirkungen, Kulturwissenschaft, Traditionspflege, Identitätsdebatte, Musikgeschichte, Kulturpolitik, Brauchtum, Diskriminierung, Tradimix, Aufklärung, Historische Kontinuität.
Die Arbeit befasst sich mit den ideologischen Hintergründen der bayerischen Volksmusikpflege und untersucht, inwiefern nationalsozialistische und völkische Konzepte bis in die heutige Zeit nachwirken.
Zentrale Themen sind die Entstehung der Volksliedideologie, die Rolle der Heimatpflege, das Fortbestehen von Stigmatisierungen gegenüber anderen Musikstilen und der Bedarf nach einer zeitgemäßen, reflektierten Kulturarbeit.
Ziel ist es, die ideologischen Ursprünge der Volksmusikpflege offenzulegen und zu verdeutlichen, dass viele heutige, als „traditionell“ geltende Ansichten auf veralteten, teils rassistischen Konstrukten basieren.
Der Autor nutzt eine kulturwissenschaftliche und ideologiekritische Analyse, um historische Dokumente, Publikationen und Diskurse in den Kontext ihrer Entstehungszeit und der ideologischen Wirkungsgeschichte zu stellen.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Volksmusikpflege, beleuchtet den Einfluss prägender Figuren wie Johann Gottfried Herder und Kurt Huber und untersucht konkrete Beispiele für die ideologische Aufladung der Volksmusik im 20. Jahrhundert.
Begriffe wie Ideologiekritik, völkische Bewegung, Heimatideologie, historische Kontinuität und der Wandel von Traditionen prägen die inhaltliche Ausrichtung des Textes.
Der Autor würdigt Hubers philantropische Haltung, kritisiert jedoch scharf dessen naive Verstrickung in die völkische Ideologie und die Instrumentalisierung seiner Theorien durch das NS-Regime.
Der Autor weist darauf hin, dass die heute als ursprünglich geltende Uniformität (das Tragen von Trachten) ein Resultat spezifischer Entwicklungen in der NS-Zeit ist und nicht als jahrhundertealtes, unverändertes Brauchtum betrachtet werden sollte.
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