Magisterarbeit, 2002
103 Seiten, Note: 1,3
1 Inhalt und narrativer Aufbau der Erzählungen
1.1 'Rosengarten A'
1.2 'Laurin D'
1.3 'Eckenlied E2'
2 Zu einer Ordnung der Gewalt – Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Ein Vorschlag für drei Basiskonfigurationen der Gewalt
2.2 Wenn zwei sich streiten – Der intervenierende Tertius
2.3 Versuch einer Schematisierung
3 Textuntersuchungen
3.1 'Rosengarten A'
3.1.1 Regulierung durch Beschränkung: Die Kämpfe vor Worms
3.1.2 Regulierung durch "Zufall": Sabîns Botenfahrt nach Bern
3.1.3 Regulierung durch Scheingewalt: Ilsâns Ausritt aus dem Kloster
3.2 'Laurin D'
3.2.1 Das Scheitern der Kompensation: Gewalt in Laurîns Rosengarten
3.2.2 Gewalt im dunklen Raum: Die Schlacht im Degenberc
3.3 'Eckenlied E2'
3.3.1 Egge in Gripiar: Der Held zwischen Ausfahrt und Aussendung
3.3.2 Worum kämpfen – warum kämpfen? Egge gegen Dietrich
3.3.3 Gewalt um die Frau. Der Kampf zwischen Dietrich und Vasolt
4 Zusammenfassung
4.1 Inkohärenzen und Paradoxien: Die Rolle der Dame in der Gewalt
4.1.1 Kriemhilt im 'Rosengarten A'
4.1.2 Sîmhilte im 'Laurin D'
4.1.3 Seburk und die Waldfrau im 'Eckenlied E2'
4.2 Rache versus Strafgewalt – Die Rationalisierung der Gewalt
Die Arbeit untersucht Formen der Gewaltregulierung in der Dietrichepik, speziell in den Werken 'Rosengarten A', 'Laurin D' und 'Eckenlied E2', um ein systematisches Verständnis von Dominationsverhandlungen zu entwickeln und die Rolle der höfischen Dame als Regulierungsinstanz zu analysieren.
Die Rolle der höfischen Dame in der Gewalt
Resümierend soll noch einmal die Rolle der höfischen vrouwe im agonalen Gefüge der drei Erzählungen näher beschrieben werden. Ob Kriemhilt in Worms, Sîmhilte im Degenberc, Seburk aus Jochgrim oder die verfolgte vrouwe im Wald – sie alle agieren augenscheinlich in der Rolle von Regulierungsinstanzen, entfesseln, drosseln oder verstärken das agonale Handeln eines Antagonisten oder sogar beider Gewaltparteien, die sich im Modus der 'violence réciproque' gegenüberstehen. Die Gewaltkonstellationen, in die jene vrouwen als agonale Funktionsträger integriert sind, zeichnen sich durch eine ganz bestimmte innere Konfiguration aus: Das beneficium steht in einer besonderen unmittelbaren Beziehung zur Regulierungsinstanz, "Regulierungstrias" und Benefizialtrias fallen hier ineins. Die vrouwen aggregieren eine doppelte Funktion im Konflikt, besetzen zwei Positionen im agonalen Schema: Sie ziehen einerseits als passive Teilnehmer die agonalen Energien der Antagonisten auf sich, sind in diesem Sinne "umstritten", wirken andererseits als "Regulatoren" aktiv auf diese agonalen Energien ein.
1 Inhalt und narrativer Aufbau der Erzählungen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Handlungsverläufe der drei gewählten Erzählungen und bereitet die analytische Untersuchung vor.
2 Zu einer Ordnung der Gewalt – Theoretische Vorüberlegungen: Hier werden theoretische Basiskonfigurationen der Gewalt entwickelt, die als Grundlage für die anschließenden Textanalysen dienen.
3 Textuntersuchungen: Dieses Hauptkapitel führt eine detaillierte Analyse der Konfliktszenen in den drei Erzählungen durch und wendet die theoretischen Modelle praktisch an.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der insbesondere die paradoxe Rolle der höfischen Dame und die Rationalisierung von Gewaltformen reflektiert werden.
Dietrichepik, Gewaltregulierung, Agonalität, Dominationsverhandlung, Restitutionsgewalt, Regulierungsinstanz, höfische Dame, violence réciproque, beneficium, heroische Epik, Ritterlichkeit, symbolisches Kapital, Konfliktanalyse, Rosengarten A, Laurin D, Eckenlied E2
Die Magisterarbeit untersucht die Darstellung und Regulierung von ritterlicher Gewalt in ausgewählten Werken der Dietrichepik, um ein tieferes Verständnis für Konfliktstrukturen im Mittelalter zu gewinnen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Gewaltregulierung, das Agieren von Instanzen in Konfliktszenen, die Rolle der Frau als steuernde Kraft sowie die Unterscheidung zwischen verschiedenen Gewaltformen wie Restitutions- oder Appropriationsgewalt.
Ziel ist es, ein systematisches Verständnis dafür zu entwickeln, wie ritterliche Dominationsverhandlungen in narrativen Texten organisiert sind und welche strukturellen Mechanismen der Konfliktlösung oder Eskalation dabei zum Einsatz kommen.
Die Untersuchung basiert auf einer strukturanalytischen und komparatistischen Methode, die Begriffe aus der Gewaltforschung und der soziologischen Theorie (z.B. Pierre Bourdieu, René Girard) auf mittelhochdeutsche Texte anwendet.
Der Hauptteil analysiert die drei Erzählungen 'Rosengarten A', 'Laurin D' und 'Eckenlied E2' intensiv hinsichtlich ihrer Konfliktkonstellationen und zeigt auf, wie durch räumliche oder personale Instanzen Gewalt gedrosselt oder entfesselt wird.
Begriffe wie Agonalität, Regulierungsinstanz, symbolisches Kapital, Restitutionsgewalt und die "Regulierungstrias" sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Die Rüstung dient im 'Eckenlied' und 'Laurin' nicht nur als Schutzausrüstung, sondern fungiert als zeichenhaftes Instrument, das den Status des Trägers markiert und oft selbst zum "begehrten Objekt" (beneficium) in agonalen Auseinandersetzungen wird.
Die höfische Dame erfüllt in den Epen eine doppelte, oft widersprüchliche Funktion: Sie agiert als begehrtes Ziel der Gewalt (beneficium) und gleichzeitig als aktive Regulierungsinstanz, die durch ihre Interventionen den Verlauf der Kämpfe maßgeblich beeinflusst.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

