Examensarbeit, 2008
109 Seiten, Note: 1,5
1. Die spanische Auswanderung nach Amerika
2. Miguel Delibes
2.1 Biographie und Werke
2.2 Delibes und Kastilien
2.3 Delibes und die politische Situation Spaniens
2.4 Delibes' Diarios
3. Miguel Barnet
3.1 Biographie und Werke
3.2 Barnet und die kubanische Politik
3.3 La novela-testimonio: Eine Gattung in der Diskussion
4. Hintergründe und Form von Diaro de un emigrante und Gallego
5. Migration in der Sicht der Psychoanalyse und der Soziologie
6. Migration in den untersuchten Werken
6.1 Die Vorbereitung der Migration
6.2 Die Überfahrt
6.3 Die Zeit in der neuen Heimat
6.3.1 Die ersten Monate
6.3.2 Die folgende Zeit
6.4 Die Rückkehr
6.5 Krankheiten
7. Linguistische Aspekte
7.1 Diario de un emigrante
7.2 Gallego
8. Politische Aspekte
Diese Arbeit untersucht die Darstellung der spanischen Emigration des 20. Jahrhunderts in den Romanen Diario de un emigrante von Miguel Delibes und Gallego von Miguel Barnet. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie sich die Migrationserfahrung, die psychologische Anpassung sowie politische und linguistische Kontexte in diesen Werken widerspiegeln.
2.3 Delibes und die politische Situation Spaniens
Wie bereits erwähnt, nahm Delibes als Marine-Soldat am Bürgerkrieg auf Francos Seite teil. Trotzdem vertrat er nach dem Krieg die Meinung, dass es auf beiden Seiten Böse und Gute gab und dass die beiden Seiten sich miteinander vertragen und versöhnen sollten. Bereits dieser Vorschlag, sich mit dem Gegner zu versöhnen, muss als politische Aussage verstanden werden: Die Faschisten sahen aufgrund ihrer Idee, alle Gegner zum Schweigen zu bringen und/oder auszurotten, in dem Versöhnungsgedanken die Gefahr, das ihnen dienliche Feindbild zu verlieren. Schon in seinen ersten Veröffentlichungen zeigte Delibes sich in seinen Werken als Gegner des Krieges generell, da dieser seiner Meinung nach fast ausschließlich auf dem Rücken des kleinen Mannes ausgetragen wurde. Die Regierung sah neben der Zensur auch weitere Maßnahmen als probate Mittel, um eine kritische, i.e. ihrer Ideologie widersprechende, Meinung zu verhindern: gesellschaftliche Ausgrenzung, soziale Erpressung durch Bildungs- und Berufsverbote oder Inhaftierungen.
Geriet Delibes durch seine journalistische Arbeit sehr schnell in den Fokus der Zensur, so wurde dies durch seine Schriftstellertätigkeit nochmals verstärkt. Schon bei seinem zweiten Roman, Aún es de día, musste er 1949 die Streichung von insgesamt 212 Zeilen aus dem Manuskript akzeptieren, was in dem Sinne positiv zu sehen ist, als dass nicht das gesamte Buch verboten wurde, wie es in den 40er Jahren noch gängige Praxis war, sondern „nur“ Zeilen gestrichen wurden. Der häufigste Grund für das Eingreifen der Zensoren waren Politik, Erotik und eine Geringschätzung der Kirche (García Domínguez, 2005, 149f). Denn auch wenn die Regierung, bzw. die im Laufe der Zeit jeweils hierfür zuständigen Ministerien, den eigenständig arbeitenden Zensoren keine Liste der zu zensierender Inhalte vorgab, sondern diese persönlich darüber entschieden, was zensiert werden sollte, stellten die oben genannten Themen die drei Gebiete dar, die am strengsten überwacht wurden.
1. Die spanische Auswanderung nach Amerika: Historischer Überblick über die spanische Emigration vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, inklusive der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.
2. Miguel Delibes: Vorstellung der Biografie und Werke des Autors, mit Fokus auf seine Beziehung zu Kastilien, die politische Situation unter Franco und seine Tagebuch-Romane.
3. Miguel Barnet: Darstellung des Lebens und Schaffens von Miguel Barnet, unter besonderer Berücksichtigung seiner Verflechtung mit der kubanischen Politik und der von ihm geprägten "novela-testimonio".
4. Hintergründe und Form von Diaro de un emigrante und Gallego: Analyse der Entstehungsgeschichte, der Intentionen der Autoren sowie der literarischen Form der beiden untersuchten Werke.
5. Migration in der Sicht der Psychoanalyse und der Soziologie: Theoretische Fundierung durch psychoanalytische und soziologische Konzepte, die als Basis für die Untersuchung der Migrationsphasen dienen.
6. Migration in den untersuchten Werken: Anwendung des Phasenmodells auf die Romane, um Vorbereitung, Überfahrt, Ankunft und Krankheitsaspekte der Migranten nachzuvollziehen.
7. Linguistische Aspekte: Untersuchung der sprachlichen Anpassungsprozesse und der Verwendung verschiedener Sprachvarietäten in den Romanen.
8. Politische Aspekte: Diskussion der politischen Dimensionen der Migration und wie die Autoren diese (bewusst oder unbewusst) in ihre Werke integriert haben.
Spanische Emigration, Miguel Delibes, Miguel Barnet, Diario de un emigrante, Gallego, Novela-Testimonio, Migration, Franco-Diktatur, Kubanische Revolution, Akkulturation, Identität, Soziologie, Psychoanalyse, Exilliteratur, Anpassungsprozess.
Die Arbeit analysiert die Darstellung der spanischen Emigration des 20. Jahrhunderts anhand der Romane von Delibes und Barnet, um so die soziologischen, linguistischen und politischen Facetten dieses Phänomens zu beleuchten.
Zentral sind der Prozess der Migration in verschiedene Etappen, die Identitätsfindung im Exil, der Einfluss von Zensur und politischer Ideologie auf die Literatur sowie die sprachliche Integration der Migranten.
Das primäre Ziel ist es, die spezifische literarische Verarbeitung der Emigration zu untersuchen und dabei aufzuzeigen, wie persönliche Erfahrungen und kollektive Identitätsmuster in den Werken verarbeitet wurden.
Es erfolgt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die durch psychoanalytische und soziologische Theorien zur Migration ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Autoren, eine theoretische Einbettung sowie die spezifische Untersuchung der Migrationsphasen, der Sprache und der politischen Aspekte in den beiden Romanen.
Wesentliche Begriffe sind Emigration, Identität, Exil, Testimonialliteratur, Zensur, Anpassung und Akkulturation.
Die Zensur im Franco-Spanien zwang Delibes dazu, politische Kritik indirekt und durch innovative Erzählformen wie Tagebücher in seine Werke einzubauen, um sie unzensiert publizieren zu können.
Die "novela-testimonio" zeichnet sich durch die Verbindung von wissenschaftlichem Anspruch, oral history und literarischer Fiktion aus, wobei oft versucht wird, die Stimme der "kleinen Leute" zu Gehör zu bringen.
Das Essen dient sowohl bei Lorenzo als auch bei Manuel als starker psychologischer Anker und "Heilmittel", das die Verbindung zur alten Heimat symbolisiert und als Indikator für den Prozess der Anpassung an die neue Kultur dient.
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