Magisterarbeit, 2003
104 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. DIE AKTUELLE PAGNOL-REZEPTION
3. DIE FELDTHEORIE VON PIERRE BOURDIEU
3.1. Einführung
3.1.1. Zentrale Begriffe der bourdieuschen Theorie: Klasse, Habitus, Feld und Kapital
3.1.2. Die Struktur des Feldes
3.2. Les règles de l‘art: Das literarische Feld und seine Struktur
4. DIE KRITIK AN MARCEL PAGNOL IM LICHTE DER BOURDIEUSCHEN THEORIE DES LITERARISCHEN FELDES
4.1. Funktion und Wirkung der Kritik
4.2. Marcel Pagnol und das Theater: Die Klassifizierung Pagnols als Boulevardautor
4.3. Marcel Pagnol und das Kino
4.3.1. Marcel Pagnol und der Konkurrenzkampf zwischen Kino und Theater
4.3.2. Der Film innerhalb der Gattungshierarchie
4.3.3. Pagnols kommerzieller Erfolg
4.3.4. Verortung am Pol der 'kommerziellen' Kunst: der kurze Produktionszyklus
4.3.5. Marcel Pagnol und der Kampf zwischen Tonfilm und Stummfilm
4.3.6. Marcel Pagnols Verstoß gegen die etablierten Regeln
4.3.7. Théâtre en boîte: Der Vorwurf des 'abgefilmten Theaters'
5. DIE KLASSIFIZIERUNG MARCEL PAGNOLS ALS AUTEUR LÉGER
5.1. Zur Bedeutung der Komik und des Lachens in Pagnols Werk
5.2. Die Provence: Regionalität und Universalität
5.2.1. Vergils Bukolika
5.2.2. Der Vorwurf der unrealistischen Darstellung der Provence
5.3. Der Vorwurf des plein pastis sentimental: Klischees und Melodramatik
6. DIE KLASSIFIZIERUNG MARCEL PAGNOLS ALS AUTEUR FACILE
7. WERKANALYSE: TOPAZE
7.1. Topaze – eine Gesellschaftssatire
7.2. Der Lehrer Topaze: Die personifizierte Moral
7.3. Der Verfall der Moral und die 'Moral von der Geschicht''
7.4. Topaze' Erkenntnis und Metamorphose oder die Allmacht des Geldes
7.5. Pagnols didaktischen Absichten: "Quand on a été professeur, on le reste toute sa vie"
7.6. A bas les masques!
8. WERKANALYSE: LA FEMME DU BOULANGER
8.1. Montage- und Dramaturgiekonzept
8.2. Die literarische Tradition der Antike
8.2.1. Aristoteles und die Katharsis
8.2.2. Das horazische aut prodesse aut delectare
8.3. Die biblische Thematik
8.3.1. Das zentrale Thema der Vergebung
8.3.2. Für mehr Verständnis und Toleranz: Von der Oberfläche zum Kern
8.4. Mit Herzensgüte und Seelengröße für eine bessere Welt
8.5. Schlussbetrachtung zu La femme du boulanger
9. WERKANALYSE: L'EAU DES COLLINES
9.1. Jean de Florette
9.2. Manon des sources
9.3. L'Eau des collines: Universalität trotz Regionalität
9.3.1. Die zentrale Bedeutung des Wassers
9.3.2. Les faiblesses humaines: Von Geldgier, Kollektivschuld und fehlender Nächstenliebe
10. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der anhaltend kritischen Rezeption von Marcel Pagnol, der trotz seines großen Publikumserfolgs von der intellektuellen Kritik oft als Boulevardautor oder anspruchsloser Unterhaltungskünstler herabgestuft wurde. Ziel der Analyse ist es, diese Klassifizierungen unter Verwendung der Feldtheorie von Pierre Bourdieu zu hinterfragen, die Strukturen des literarischen Feldes offenzulegen und Pagnols Werk eine gerechtere Einordnung in der Literaturgeschichte zu verschaffen.
4.1. Funktion und Wirkung der Kritik
Betrachtet man die eingangs dargestellte Rezeption Marcel Pagnols als Boulevardautor, auteur facile und fast schon 'unfähigen' Filmemacher im Lichte der bourdieuschen Feldtheorie, so muss zuerst einmal angemerkt werden, dass, von dem Zeitpunkt der Herausbildung der relativen Autonomie des literarischen Feldes an, die feldinternen Positionskämpfe zwischen Autoren, Kritikern und Verlegern für Anerkennung und Bestätigung ausschlaggebend sind und nicht mehr, wie zuvor, eine herrschaftliche Instanz. Daraus folgt ebenfalls, dass auch der Wert eines Werkes oder Künstlers niemals an und für sich existiert, sondern ein Produkt dieses Konkurrenzkampfes ist. An der Produktion des Kunstwerks, seines Wertes, und zudem seines Sinnes sind daher alle diejenigen beteiligt, die sich im Konkurrenzkampf gegenüberstehen.
[...] tous ceux qui ont partie liée avec l’art et qui, vivant pour l’art et vivant de l’art, s’opposent dans des luttes de concurrence ayant pour enjeu la définition du sens et de la valeur de l’œuvre d’art, donc la délimitation du monde de l’art et des (vrais) artistes, et collaborent, par ces luttes mêmes, à la production de la valeur de l’art et de l’artiste.
Hieraus wird ersichtlich, dass der Wert eines Kunstwerkes, sei es ein Gemälde, ein Film oder ein literarisches Werk, sich nicht auf den vom Künstler vollzogenen materiellen Herstellungsakt reduzieren lässt. Die Gesamtheit der Akteure und Institutionen, vor allem auch die Kritiker und Kommentatoren, sind an der Produktion des Wertes, d. h. damit ebenfalls an der Produktion des Glaubens an den Wert des Kunstwerks und des Künstlers — sei dieser nun eine positiver oder ein negativer Wert, d. h. eine gewisse 'Wertlosigkeit', wie im Falle Pagnols — stark beteiligt. Das Kunstwerk erhält somit seinen Wert auch durch die "kollektiv produzierte und reproduzierte kollektive Verkennung", wodurch sich u. a. auch erklärt, warum die Etikettierung und Klassifizierung Marcel Pagnols kaum jemals wirklich in Frage gestellt wurde: "[...] l’œuvre d’art [...] ne reçoit valeur que d’une croyance collective comme méconnaissance collective, collectivement produite et reproduite."
1. EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die Problematik der Pagnol-Rezeption, die ihn als Boulevardautor einstuft, und führt die Feldtheorie Bourdieus als methodisches Werkzeug für die Revision dieses Bildes ein.
2. DIE AKTUELLE PAGNOL-REZEPTION: Dieses Kapitel verdeutlicht anhand von Literaturlexika und Kritiken die anhaltende Abwertung Pagnols als leichten, folkloristischen Unterhaltungsautor.
3. DIE FELDTHEORIE VON PIERRE BOURDIEU: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie Habitus, Feld und Kapital dargelegt, um das Verständnis der literarischen Strukturen zu ermöglichen.
4. DIE KRITIK AN MARCEL PAGNOL IM LICHTE DER BOURDIEUSCHEN THEORIE DES LITERARISCHEN FELDES: Das Kapitel analysiert die Kritik an Pagnol, insbesondere bezüglich seiner Arbeit an Theater und Film, als Instrument im feldinternen Machtkampf.
5. DIE KLASSIFIZIERUNG MARCEL PAGNOLS ALS AUTEUR LÉGER: Die Analyse zeigt, dass die Einstufung als "auteur léger" auf einer oberflächlichen Betrachtung der Komik und der regionalen Verwurzelung (Provence) beruht, die tieferen Sinnebenen jedoch ignoriert.
6. DIE KLASSIFIZIERUNG MARCEL PAGNOLS ALS AUTEUR FACILE: Hier wird dargelegt, dass die Kritik der "Einfachheit" bei Pagnol dessen bewusste Entscheidung für Klarheit und Kommunikation verkennt.
7. WERKANALYSE: TOPAZE: Dieses Kapitel zeigt anhand von Topaze, dass Pagnol Gesellschaftskritik übt und mit didaktischem Anspruch korrupte Strukturen und Moralverfall thematisiert.
8. WERKANALYSE: LA FEMME DU BOULANGER: Die Analyse verdeutlicht die subtile Botschaft des Films über Menschlichkeit, Vergebung und Nächstenliebe, verpackt in eine provenzalische Komödie.
9. WERKANALYSE: L'EAU DES COLLINES: Abschließend wird aufgezeigt, wie Pagnol durch universelle Mythen wie Wasser und Schuld eine tiefere menschliche Problematik anspricht, die über regionale Aspekte hinausgeht.
10. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst zusammen, dass die Pagnol-Kritik durch ihre Destruktivität und mangelnde Objektivität eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinem Werk verhinderte und eine Neuevaluierung zwingend macht.
Marcel Pagnol, Pierre Bourdieu, Feldtheorie, Literatursoziologie, Boulevardtheater, Rezeption, Ästhetik, Regionalismus, Universalität, Moral, Gesellschaftskritik, Filmtheorie, Tonfilm, Katharsis, Nächstenliebe.
Die Arbeit untersucht, warum Marcel Pagnol in der französischen Literaturgeschichte trotz seines enormen Publikumserfolgs lange Zeit als "Boulevardautor" oder anspruchsloser Autor abgewertet wurde und wie diese Rezeption zu hinterfragen ist.
Die Arbeit befasst sich mit der literatursoziologischen Analyse nach Pierre Bourdieu, den Konkurrenzverhältnissen zwischen Theater und Kino in den 1930er Jahren sowie der exemplarischen Interpretation ausgewählter Pagnol-Werke.
Die Hauptfrage ist, wie die kritische Ablehnung Pagnols durch die damalige Intelligentsia theoretisch begründet und als "Kampfinstrument" im literarischen Feld entlarvt werden kann, um sein Werk neu zu bewerten.
Die Arbeit nutzt die Feldtheorie von Pierre Bourdieu, insbesondere das Konzept des literarischen Feldes, um die strategischen Positionierungen und die Machtverhältnisse zwischen verschiedenen Akteuren der Literaturwelt zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Feldanalyse, die Untersuchung der spezifischen Kritikpunkte (z.B. Boulevardtheater vs. Avantgarde, Tonfilm vs. Stummfilm) und die werkimmanente Analyse von Topaze, La femme du boulanger und L'Eau des collines.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Literatursoziologie, Feldtheorie, Boulevardautor, Rezeptionsgeschichte, Ästhetik und Gesellschaftskritik beschreiben.
Pagnol dient als Paradebeispiel für einen Künstler, dessen Erfolg am Markt ihm innerhalb eines auf "reine Kunst" fokussierten Feldes zum Nachteil gereichte, da er gegen die dort geltenden Spielregeln der ökonomischen Interesselosigkeit verstieß.
Die Arbeit zeigt, dass die Kritiker Pagnols Humor und Komik fälschlicherweise als Beweis für inhaltliche Oberflächlichkeit und anspruchslose Unterhaltung gewertet haben, anstatt deren tiefergehende Funktion als kathartisches Element für den Menschen zu erkennen.
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