Bachelorarbeit, 2007
49 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das mittelhochdeutsche Tagelied
3. Die Dichter
3.1 Wolfram von Eschenbach
3.2 Der Marner
4. Die Tagelieder des Marners
4.1 Ton II
4.1.1 Formanalyse
4.1.2 Interpretation
4.2 Ton III / Guot wahter wis
4.2.1 Formanalyse
4.2.2 Interpretation
5. Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach
5.1 Den morgenblic
5.1.1 Formanalyse
5.1.2 Interpretation
5.2 Ez ist nu tac
5.2.1 Formanalyse
5.2.2 Interpretation
5.3 Sine klawen
5.3.1 Formanalyse
5.3.2 Interpretation
6. Vergleichende Betrachtung der Lieder
7. Abschluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Form, Intention und der Funktion der Wächterfigur innerhalb dieses literarischen Genres zu identifizieren.
4.1.2 Interpretation
Zwei Tagelieder werden dem Marner zugesprochen, „von denen das erste von wunderbarer Anmuth ist, das schönste, was Marner gedichtet“17, so Philipp Strauch. Aber was ist das Besondere, das Schöne an diesem Lied, das doch sowohl Wachinger als auch Backes als eher konventionell beschreiben?18 Auf den ersten Blick haben wir es mit dem traditionellen Stoff eines Tageliedes zu tun. Die erste Strophe beginnt mit der Verkündung, der Tag werde bald anbrechen, einer der eindeutigen Voraussetzungen eines Tageliedes nach Behr.19 Interessant scheint jedoch in diesem Fall die Frage, wer den nahenden Morgen verkündet.
Genauer gesagt gibt es zwei Möglichkeiten, entweder der Wächter, von dem es im weiteren Verlauf der Strophe noch heißt, „der wahter sprach in sorgen“ (II, V.14, S.83), beginnt hier seine Rede mit den Worten „Ich künde in dem done“ (II, V.1, S.83), oder aber es handelt sich um ein Sprecher-Ich, welches durch diese Einleitung den Beginn eines Liedes markieren will. Wenn auch die Variante des Wächter-Ichs plausibler erscheint, da es zahlreiche Tagelieder gibt, die mit eben solchen Versen des Wächters beginnen, so gibt es auch Gründe, die für die These des Sprecher-Ichs stehen. Zum einen wird im Abgesang, wie eben zitiert, die einsetzende Rede des Wächters eindeutig als solche ausgewiesen. Es wäre also durchaus logisch, dass in den vorangegangenen Versen ein anderer Redner aktiv war. Zum anderen könnte man den ersten Vers auch als einen Verweis auf ein bestimmtes Tonschema verstehen.
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich Gemeinsamkeiten, Unterschieden und der Rolle des Wächters.
2. Das mittelhochdeutsche Tagelied: Einführung in die gattungstypische Ausgangssituation, das Personal und die Funktion des Tagelieds im höfischen Kontext.
3. Die Dichter: Ein kurzer Überblick über die Lebensumstände und Schaffensperioden von Wolfram von Eschenbach und dem Marner.
4. Die Tagelieder des Marners: Analyse der beiden Lieder des Marners (Ton II und Ton III), ihrer formalen Struktur und inhaltlichen Besonderheiten.
5. Das Tagelied bei Wolfram von Eschenbach: Detaillierte Untersuchung von Wolframs Tagelied-Zyklus, insbesondere der Lieder Den morgenblic, Ez ist nu tac und Sine klawen.
6. Vergleichende Betrachtung der Lieder: Synthese der Ergebnisse, in der die formale Treue zum Kanzonenschema und die unterschiedliche Ausgestaltung des Wächter-Motivs bei beiden Autoren gegenübergestellt werden.
7. Abschluss: Fazit zur Frage nach intertextuellen Bezügen und der Entwicklung der Gattung im Werk beider Dichter.
Tagelied, Wolfram von Eschenbach, Der Marner, Minnesang, Wächter, Minnereflexion, Tageliedzyklus, Kanzonenschema, höfische Dichtung, Tagesanbruch, Konvention, Variation, Intertextualität, mittelhochdeutsche Lyrik, Liebespaar.
Die Arbeit analysiert die Tagelieder von Wolfram von Eschenbach und dem Marner hinsichtlich ihrer formalen Struktur und inhaltlichen Ausgestaltung.
Untersucht werden die fünf Tagelieder Wolframs von Eschenbach sowie die zwei überlieferten Tagelieder (Ton II und III) des Sangspruchdichters Der Marner.
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Tagelieddichtung beider Autoren aufzuzeigen und insbesondere die Entwicklung der Wächterfigur und die Frage nach intertextuellen Bezügen zu klären.
Die Arbeit nutzt eine gattungsorientierte literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl Formanalysen (Metrik, Reim) als auch inhaltliche Interpretationen einzelner Strophen umfasst.
Neben der formalen Bestimmung der Lieder liegt der Fokus auf der Gesprächskonstellation, der Funktion des Wächters, dem Motiv des Tageshasses und der Rolle der Dame.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Minne, Wächter, Tagesanbruch, Kanzonenschema, Literarisierung und die spezifische Motivik von Tag und Nacht.
In "Ton II" verleugnet die Dame den Tagesanbruch und bezichtigt den Wächter der Lüge, was eine starke Abweichung vom konventionellen Tagelied darstellt.
Das Lied zeichnet sich durch eine melancholische Schwere, zahlreiche Waisenverse und eine starke religiöse Kontrafaktur aus, die es vom Rest seines Zyklus abhebt.
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