Bachelorarbeit, 2016
34 Seiten, Note: 1,0
Einleitung: Wer sind die Frösche des Teiches?
1. Piraten – Ein komplexes Wortfeld aus etymologisch-semasiologischer Sicht
2. Die Entwicklung der Piraterie im ägäischen Raum
2.1. Beginnende Eisenzeit – Erste Hinweise auf Piraterie im östlichen Mittelmeerraum
2.2. Archaik – Im Spannungsfeld von Handel und Krieg
2.3. Klassik – Von Skyros über den Delisch-Attischen Seebund zu Philipp II. von Makedonien
2.3.1. Die (Wieder-)Entdeckung eines Heros auf der Pirateninsel
2.3.2. Der Delisch-Attische Seebund als Vereinigung politisierter Piraten
2.4. Hellenismus – Von Gebundenheit über Selbstbegrenzung zur Freiheit
2.4.1. Antikes Freibeutertum
2.4.2. Selbstbegrenzung durch asylia-Vergabe
2.4.3. Freiheit
2.5. Zusammenfassung: Entwicklung der antiken Piraterie in der Ägäis
3. Die völkerkundliche und soziale Dimension der ägäischen Piraterie(n)
3.1. Plädoyer im Sinne der angeklagten Völker
3.2. Der ursprüngliche soziale Stand der antiken Piraten
3.3. Zusammenfassung: ethnos, Stand und „raid mentality“
Fazit: Die Frösche im Teich
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus, um nachzuweisen, dass dieses Phänomen nicht als von außen kommende Bedrohung, sondern als fester Bestandteil der griechischen Gesellschaftsstruktur anzusehen ist, die eng mit einer archaischen Kriegermentalität verknüpft bleibt.
Einleitung: Wer sind die Frösche des Teiches?
Aus Sicht des Aristokraten Platon scheint die Frage, wer die Welt beherrscht, müßig: Mit dem Gleichnis der um einem Teich sitzenden Frösche sind die von aristokratischen Familien politisch dominierten griechischen Städte als Zentren der Zivilisation gemeint. Vom Land aus beherrschen sie das Meer, nutzen es für ihre Zwecke, ohne jedoch selbst ein Teil davon zu sein. Platon betont in seiner Allegorie den räuberischen Landanteil der Lurche, die das Wasser für ihre Bedürfnisse nutzen und sich von ihrem trockenen Standort am Rande des Teiches aus darüber als Herrscher gebärden; dabei beachtet er nicht den verletzlicheren Wasseranteil dieser Tiere, welcher bei Amphibien aller Art der entscheidende ist: Im Wasser pflanzen sie sich fort, verbringen ihr Larvenstadium als Kaulquappen ausschließlich unter der Wasseroberfläche. Noch den erwachsenen Tieren ist das Wasser eine Notwendigkeit des Überlebens: Ohne dieses trocknen sie, schutzlos der Sonne ausgesetzt, aus.
Daher ist die Frosch-Metapher – mag sie noch so lyrisch sein – als propagandistisches Eigen-Bildnis des klassisch-platonischen Griechentums zu bewerten, und nicht als allgemein gültige Tatsächlichkeit. Obwohl die Angehörigen der griechischen Poleis auf dem Wasser Handel treiben und Kriege führen, sind sie auf diesem ihnen fremden Element einander und anderen Teilhabern ausgeliefert. Ihre einzige Sicherheit ist ihr Fahrzeug, das sie über der Wasseroberfläche hält; unterhalb dieser sind sie als Menschen nicht lebensfähig. Sie sind daher hier keineswegs als Herrscher anzusehen, sondern als von zwei unberechenbaren Elementen, dem Wasser und der Luft, Beherrschte.
1. Piraten – Ein komplexes Wortfeld aus etymologisch-semasiologischer Sicht: Definitorische Klärung der altgriechischen und englischen Begriffe, um das Phänomen des antiken Seeraubs präziser fassen zu können.
2. Die Entwicklung der Piraterie im ägäischen Raum: Chronologische Analyse der Piraterie von den Anfängen in der Eisenzeit über die Klassik bis hin zum Hellenismus, wobei die Einbindung der Piraten in militärische Strukturen hervorgehoben wird.
3. Die völkerkundliche und soziale Dimension der ägäischen Piraterie(n): Untersuchung der sozialen Herkunft der Akteure und der stigmatisierenden Wahrnehmung von Randvölkern in der antiken Historiographie.
Fazit: Die Frösche im Teich: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse unter Rückgriff auf die Metaphorik Platons, wobei Piraterie als Ausdruck einer fortdauernden archaischen Mentalität innerhalb der griechischen Gesellschaft gedeutet wird.
Antike Piraterie, Ägäis, Archaik, Hellenismus, raid mentality, etymologisch-semasiologische Definition, soziale Herkunft, Platon, Theseus, Delisch-Attischer Seebund, Kriegermentalität, Historiographie, Seeraub, Poleis, asylia.
Die Bachelorarbeit analysiert die Entwicklung der Piraterie im antiken Griechenland, von der Archaik bis in den Hellenismus, und hinterfragt dabei das Selbstbild griechischer Poleis gegenüber dem Phänomen des Seeraubs.
Zentrale Themen sind die Sprachgeschichte von Piraterie-Begriffen, die politische Instrumentalisierung von Piraten, die Rolle der sozialen Herkunft der Akteure sowie die Völkerkundliche Stigmatisierung von Randvölkern.
Ziel ist der Nachweis, dass die antike Piraterie kein singuläres Randphänomen, sondern eng mit der archaischen Kriegermentalität der sozialen Oberschicht der griechischen Städte verknüpft ist.
Die Arbeit nutzt einen diachronen Ansatz, verbindet linguistische Analysen mit historischer Quellenkritik und integriert modernere Theorien wie die "raid mentality" nach Gabrielsen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Begriffswelt, eine historische Entwicklungsdarstellung von der Bronzezeit bis zum Hellenismus sowie eine sozioökonomische Analyse der Akteure und deren Motivationen.
Wichtige Begriffe sind Piraterie, Ägäis, raid mentality, griechische Poleis, historische Entwicklung und die soziale Schichtung der Seeräuber.
Lefkandi wird als Beispiel für eine Phase der Blüte genutzt, in der die Piraterie als wesentliche Einnahmequelle diente, was sich insbesondere in der Gestaltung der Heroen-Gräber widerspiegelt.
Sie diente als selbstbeschränkende Politik der Ätolier, um das delphische Heiligtum als Ort panhellenischer Begegnungen zu sichern und Handelsschiffe vor Überfällen zu schützen.
Weil antike Historiographen den Begriff "Pirat" oft gezielt nutzten, um politische Gegner zu delegitimieren, während sie eigenes piratisches Verhalten in städtischen Strukturen kaschierten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

