Magisterarbeit, 2008
127 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
I.1. Einleitende Bemerkungen
II. Die Vampirin – (literarische) Anatomie eines unsterblichen Mythos
II.1. Die untote Epidemie oder die Faszination des Außenseiters – Vampir/innen und Hexen als Verdammte der Jahrhunderte
II.2. Liebe bis(s) zum Tod - Die (schwarze) Romantik und der Vampir
II.3. Eros und Thanatos – Die schöne Leiche oder der erotische Tod
II.4. Der dämonische Liebhaber wird zur Liebhaberin – Wandlung des Totenbrautmotivs oder: Die vampirische Emanzipation
III. Die Sünde ist eine Frau – Dämonisierte Weiblichkeit und ängstliche Männlichkeit im 19. Jahrhundert
III.1. Fragile, fatale oder fonctionelle? Frauenbilder des 19. Jahrhunderts zwischen Wunsch- und Schreckensvorstellung
III.2. Sex sells: Vampirinnen, Rabenmütter und doppelmoralische Bürger als Stilmittel des 19. Jahrhunderts
III.3. Rollentausch und „gender-Konflikte“ – Die Vampirexistenz als drittes Geschlecht
III.4. Wenn du zum Weibe gehst, vergiss den Pfahle nicht – Phallische Hinrichtungen und die Herstellung der „alten Ordnung“
IV. Resümee und Schlussbemerkungen
IV.1. Resümee
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Figur der „Vampirin“ in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Entwicklung dieses Motivs als Ausdruck patriarchaler Ängste vor aktiver weiblicher Sexualität und Emanzipation zu analysieren, wobei die Vampirin als eine durch männliche Projektionen konstruierte Gegenfigur zum bürgerlichen Frauenideal verstanden wird.
II.1. Die untote Epidemie oder die Faszination des Außenseiters – Vampir/innen und Hexen als Verdammte der Jahrhunderte
Um die Vampirin in ihrer literarischen und folkloristischen Darstellung zu begreifen, müssen wir sie wiederholt als Code für unsere Ängste und tiefsten Abneigungen dechiffrieren: Die vampirische Mutation des weiblichen Körpers zu einem amoralischen „Ding“ kann stellvertretend für den Sozialkörper gelesen werden, die Gesellschaft. Als ein Code für die sexuelle Perversion und Inversion finden wir in der Vampirin als Stigmatisierte eine permanente Gefahr für die Konventionen des Alltags. Sie ist das Schmutzige, Aussätzige (in uns), was marginalisiert und isoliert werden muss, um seiner habhaft werden zu können. Die Kulturanthropologin Michaela Schäuble beruft sich hier auf Julia Kristevas Abjektionstheorie, nach welcher die Vampirin als direktes „Abjekt“, Schmutz, Dreck, angesehen werden kann, was vom Subjekt abgegrenzt werden muss, um weiterhin bestehen zu können. Die Vampirin wird nach dieser Theorie als eine Opposition benutzt, um die Grenzen einer Gemeinschaft oder des Subjekts zu stabilisieren und zu erhalten.
Die Abjektion, die durch die Vampirin personifiziert wird, könne als Erkennungszeichen eines längst vergangenen oder von uns verdrängten Begehrens verstanden werden; als die Lust an der eigenen Nicht-Existenz. Abjekte stecken uns also demnach mit ihrer „Unreinheit“ an, infizieren unsere saubere Gemeinschaft mit ihrer „Krankheit“ und müssen aus diesem Grund folglich sozial und gesellschaftlich exkludiert werden.
I. Einleitung: Einführung in das Thema der mythologischen und literarischen Erscheinung des weiblichen Vampirs sowie Darlegung der Forschungsabsicht.
II. Die Vampirin – (literarische) Anatomie eines unsterblichen Mythos: Analyse der historischen und literarischen Genese der Vampirin sowie ihrer Einbettung in schwarzromantische Diskurse.
III. Die Sünde ist eine Frau – Dämonisierte Weiblichkeit und ängstliche Männlichkeit im 19. Jahrhundert: Untersuchung der gesellschaftlichen Konstruktion von Weiblichkeit und der damit einhergehenden Dämonisierung und Marginalisierung der Frau.
IV. Resümee und Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Vampirmotivs und Ausblick auf die mediale Transformation der Vampirin.
Vampirin, 19. Jahrhundert, Weiblichkeit, schwarze Romantik, Sexualmoral, Patriarchat, Abjektion, Mythos, Geschlechterkonstruktion, Femme fatale, Dämonisierung, Literaturwissenschaft, Körperlichkeit, Sexualität, Untote.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des weiblichen Vampirs im 19. Jahrhundert und beleuchtet dessen Rolle als Spiegel gesellschaftlicher Ängste und Machtstrukturen.
Im Fokus stehen die Verknüpfung von Sexualität, Tod und Macht, die patriarchale Dämonisierung weiblicher Selbstbestimmung sowie die literarische Adaption volkskundlicher Motive.
Ziel ist es, die Vampirin als eine durch männliche Autoren konstruierte Figur zu entlarven, die patriarchale Herrschaftsverhältnisse festigt und die „normale“ Weiblichkeit kontrastiert.
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die kulturwissenschaftliche Theorien wie die Abjektionstheorie und geschlechtertheoretische Ansätze (u.a. Judith Butler) integriert.
Der Hauptteil analysiert die Verbindung von Weiblichkeit und Tod, das Phänomen der „schönen Leiche“ und die Rolle der Frau als „Sündenträgerin“ im viktorianischen und schwarzromantischen Kontext.
Zentrale Begriffe sind Vampirin, Weiblichkeit, schwarze Romantik, Patriarchat, Abjektion, Geschlechterkonstruktion und Femme fatale.
Während frühere Mythen oft existenzielle Ängste vor dem Tod thematisierten, wurde die literarische Vampirin im 19. Jahrhundert verstärkt mit zeitgenössischen Fragen der Moral, Syphilisangst und dem Aufkommen der „New Woman“ aufgeladen.
Die Autorin zeigt auf, dass oft eine dritte Instanz – meist eine sittenstrenge Mutter oder ein patriarchaler Ordnungshüter – interveniert, um die (vampirische) Frau zu disziplinieren und die moralische Ordnung wiederherzustellen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

