Bachelorarbeit, 2019
68 Seiten, Note: 5.25/6 (Schweiz)
1.Einleitung
1.1 Stand und Fokus der Forschung
1.2 Vorgang
2. Wichtige Definitionen und Konzepte rund um Food Waste
2.1 Food Waste
2.2 Food supply chain
2.3 Problemdefinition Food Waste
2.4 Prinzipien der Food Waste Handhabung
2.5 Governance und politische Maßnahmen im Bereich FLW
3. Theorie zur Politikformulierung
3.1 Policy Zyklus
3.2 Multiple Streams Ansatz
3.2.1 Annahmen
3.2.2 Die Verkopplung der drei Ströme
3.3 Adaptierung von Multiple Streams für untersuchte Policies
4. Methodik
4.1 Forschungsdesign
4.2 Fallauswahl
4.3 Forschungsfrage und Ziel dieser Arbeit
4.4 Datenerhebung
4.5 Besonderheiten und Grenzen der Methodik
5. Politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung in Frankreich
5.1 Policies für die Analyse
5.1.1 Pacte national de lutte contre le gaspillage alimentaire I und II
5.1.2 Gesetz gegen Food Waste 2016
5.2 Analyse dieser Policies mittels Multiple Streams Ansatz
5.2.1 Annahmen
5.2.2 Die Verkopplung der drei Ströme
5.3 Aktuelle und zukünftige Entwicklungen dieser Policies
6. Politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung in der Schweiz
6.1 Policies für die Analyse
6.1.1 Aktionsplan Grüne Wirtschaft und der Stakeholderdialog
6.1.2 Motion Hausammann
6.1.3 Postulat Chevalley
6.2 Analyse dieser Policies
6.2.1 Annahmen
6.2.2 Die Verkopplung der drei Ströme
6.3 Aktuelle und zukünftige Entwicklungen dieser Policies
7.Diskussion der Ergebnisse
7.1 Kritische Diskussion der Methodik und der Forschung
7.2 Diskussion ausgewählter Aspekte der analysierten Policies
7.3 Konstruktive Kritik an Maßnahmen
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für die unterschiedliche Politikformulierung im Bereich Food Waste in Frankreich und der Schweiz. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich diese Differenzen durch den politischen Kontext und die Akteurskonstellationen erklären lassen, wobei der Multiple-Streams-Ansatz als theoretisches Analyseinstrument dient.
3.2.2 Die Verkopplung der drei Ströme
Policyfenster stellen günstige Gelegenheiten dar, um die Ströme zu verkoppeln (Kingdon, 2003, S.166). Sie öffnen sich selten und nur für kurze Zeit (S.166) durch Veränderungen im Politikstrom oder durch das Auftauchen eines neuen Problems (S.168). Es ist allerdings nicht immer eindeutig erkennbar, ob ein Fenster gerade geöffnet ist (S.171). Lange bevor ein Fenster offensteht, halten Politikunternehmer ausgearbeitete Vorschläge bereit und warten laut Kingdon auf die günstige Gelegenheit, die drei Ströme miteinander zu verkoppeln (S.181). Wenn sich ein Fenster öffnet, sind sie bereit, ihre Ideen damit zu verknüpfen (S.182): „They hook solutions to problems, proposals to political momentum, and political events to policy problems.” (Kingdon, 2003, S,182).
Politikunternehmer weisen nach Kingdon drei wichtige Qualitäten auf (S.180-181): Zunächst sind sie Menschen, denen zugehört wird, sei es aufgrund ihrer Expertise; Vertretungsposition für andere; oder Position im Entscheidungsprozess. Außerdem verfügen sie über politische Beziehungen oder großes Verhandlungsgeschick Sie können von überall herkommen (S.179-180) – ob innerhalb oder ausserhalb der Regierung... Politikunternehmern kommt auch eine wichtige Rolle im Prozess des „Aufweichens“ (siehe Kapitel 3.2.1) zu.
Zahariadis (2008, S. 520-521) konnte aus Kingdons Ansatz vier Faktoren ausarbeiten, die die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Verkopplung der drei Ströme und damit die Annahme einer Policy vergrößern: 1. Die Eigenschaft des Politikunternehmers, hartnäckig zu sein. 2. Sinnvolles Framing. 3. Die Wahl der geeigneten Verhandlungsebene(n), was gerade in Mehrebenensystemen wichtig ist. 4. Die Wahl des geeigneten Governancemodus. Denn dieser beeinflusst, wie über die Idee abgestimmt wird und hat somit Auswirkungen auf die Erfolgsaussichten des Vorschlags.
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der weltweiten Lebensmittelverschwendung (Food Waste) ein und definiert das Forschungsinteresse sowie den methodischen Rahmen der vergleichenden Studie.
2. Wichtige Definitionen und Konzepte rund um Food Waste: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen wie Food Waste und Food Supply Chain und ordnet diese in eine Abfallhierarchie sowie Governance-Modelle ein.
3. Theorie zur Politikformulierung: Es wird der Multiple-Streams-Ansatz als theoretisches Grundgerüst dargelegt, welches zur Analyse der Politikformulierungsprozesse in Frankreich und der Schweiz herangezogen wird.
4. Methodik: Die methodische Vorgehensweise, basierend auf einer qualitativen Fallstudie und leitfadengestützten Experteninterviews, wird begründet und kritisch reflektiert.
5. Politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung in Frankreich: Der Hauptteil analysiert die französischen Policies, namentlich die Pakte gegen Food Waste und das entsprechende Gesetz von 2016, unter Anwendung des Multiple-Streams-Ansatzes.
6. Politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung in der Schweiz: Dieses Kapitel untersucht die Schweizer Maßnahmen wie den Stakeholderdialog und parlamentarische Vorstöße hinsichtlich ihrer Entstehung und Annahmechancen.
7.Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Resultate aus beiden Ländern direkt verglichen und die Bedeutung von Politikunternehmern, Framing und nationalem Kontext kritisch diskutiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Nullhypothese unter Berücksichtigung nationaler Kontextfaktoren und der zeitlichen Dimension.
Food Waste, Lebensmittelverschwendung, Multiple Streams Ansatz, Politikformulierung, Politikunternehmer, Governance, Frankreich, Schweiz, Fallstudie, Experteninterview, Abfallhierarchie, Nachhaltigkeit, Policy-Analyse, Politische Maßnahmen, Stakeholderdialog
Die Arbeit untersucht, warum in Frankreich und der Schweiz unterschiedliche politische Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung auf nationaler Ebene ergriffen wurden.
Im Zentrum stehen die politische Steuerung, der Umgang mit Food Waste entlang der Wertschöpfungskette sowie die Faktoren, die zur Annahme oder Ablehnung von Policies führen.
Ziel ist es, systematische Gründe für die Differenzen in der Politikformulierung beider Länder zu identifizieren und die Anwendbarkeit des Multiple-Streams-Ansatzes zu prüfen.
Es handelt sich um eine qualitative Fallstudie mit interstaatlichem Vergleich, die auf Experteninterviews, Literaturanalysen und offiziellen Protokollen basiert.
Der Hauptteil analysiert spezifische Maßnahmen in Frankreich (Pakte und Gesetz) sowie in der Schweiz (Stakeholderdialog und parlamentarische Vorstöße) anhand der vier Kriterien zur Verkopplung von Problem-, Policy- und Politikströmen.
Wichtige Begriffe sind Politikunternehmer, Policy-Fenster, Framing, Governance-Modus und die zeitliche Dimension von Reformprozessen.
Der Politikunternehmer Guillaume Garot nutzte seine Position als Minister und Abgeordneter gezielt, um durch Dialogprozesse (Pakte) einen Konsens für ein späteres Gesetz zu schaffen, was als entscheidender Erfolgsfaktor identifiziert wurde.
Die Schweizer Stakeholder bevorzugen aufgrund der direkten Demokratie und der liberalen Tradition freiwillige, dialogbasierte Ansätze, während in Frankreich regulatorische Gesetze schneller konsensfähig sind.
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