Examensarbeit, 2007
153 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. EINLEITUNG
2. KINDER SCHREIBEN EIGENE TEXTE
2.1 HISTORISCHER ÜBERBLICK
2.1.1 Aufstieg und Verfall poetisch-produktiver Arbeiten im Schreibunterricht
2.1.2 Die Entstehung des freien Aufsatzes
2.1.3 Der freie Aufsatz in der Reformpädagogik
2.1.4 Der Aufsatzunterricht nach 1945
2.2 DIE BEGRIFFE FREIES SCHREIBEN UND KREATIVES SCHREIBEN
2.3 BEDEUTUNG DES KREATIVEN SCHREIBENS
2.3.1 Schriftsprache – ein Kulturgut
2.3.1.1 Wichtige Funktionen von Sprache
2.3.1.2 Die kulturelle und individuelle Bedeutung der Schriftsprache
2.3.2 Eigene Texte – Spiegelbild eigener Gedanken, Erfahrungen und Erinnerungen
2.3.3 Der persönliche Wert von Kindertexten
2.4 IMPULSE ZUM KREATIVEN SCHREIBEN
2.4.1 Wahrnehmung und Erfahrung als Voraussetzung kreativer Schreibprozesse
2.4.1.1 Ästhetische Erfahrung im Kontext kreativer Tätigkeiten
2.4.1.2 Ästhetische Erfahrung im Kontext kindlicher Bildung
2.4.1.3 Zehn Thesen zu einer basalen ästhetischen Bildung nach Schäfer
2.4.2 Schreibimpulse als auslösendes Moment
2.4.3 Möglichkeiten der Schreibanregung
3. EIN SCHREIBAUFRUF VON E.M. KOHL: DAS LIEBLINGSBUCH
3.1 VORBEMERKUNGEN ZUM SCHREIBAUFRUF
3.2 DER SCHREIBAUFRUF
3.3 UNTERSUCHUNG UND EINORDNUNG DES SCHREIBIMPULSES
3.3.1 Der Erzählrahmen im theoretischen Kontext
3.3.2 Zusammenfassende Analyse des Schreibaufrufes
4. ANALYSE DER KINDERTEXTE ZUM SCHREIBAUFRUF
4.1 EINLEITENDE BEMERKUNGEN
4.2 AUSWERTUNG UND ANALYSE DER KINDERTEXTE
4.2.1 Kriterien und Kategorien der Textauswertung
4.2.2 Quantitative Tendenzen der untersuchten Texte
4.2.3 Weiterführende Interpretationen an ausgewählten Beispielen
4.3 ZUSAMMENFASSUNG DER KINDERTEXTANALYSE
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht kreative Schreibprozesse von Grundschulkindern und analysiert, wie ein konkreter Erzählrahmen als Schreibimpuls genutzt werden kann, um die kindliche Phantasie und Identitätsentwicklung zu fördern.
3.2 Der Schreibaufruf
„Das Lieblingsbuch
Es war einmal ein Pferd, das las sehr gern. Eines Tages suchte es sein Lieblingsbuch. Es war verschwunden. Es suchte überall: im Regal, neben dem Bett, unter dem Sofa, in der Manteltasche, sogar im Kühlschrank. Aber nirgendwo war das Buch. Da erinnerte sich das Pferd, dass es das Buch verborgt hatte. Aber an wen? Es lief zum Maulwurf. Lieber Maulwurf, sagte das Pferd, habe ich dir zufällig mein Lieblingsbuch geborgt?
Ach Pferd, sagte der Maulwurf, du weißt doch, dass ich nicht zum Lesen komme. Höchstens mal den Sportteil in der Zeitung. Ich habe dein Buch nicht. Das Pferd lief zur Katze.
Liebe Katze, habe ich dir vielleicht mein Lieblingsbuch geborgt? Dein Lieblingsbuch, sagte die Katze, wie sah es denn aus? Es war außen blau mit weißer Schrift und ziemlich dick. Blau? Mit weißer Schrift? Nein, tut mir leid, so ein Buch habe ich nicht. Das Pferd lief zum Hund.
Lieber Hund, hast du zufällig mein Lieblingsbuch? Dein Lieblingsbuch? Was soll das denn sein? Ein Buch mit Geschichten? Oder mit Bildern? Beides, sagte das Pferd. Es hat sehr viele Bilder und eine spannende Geschichte. Tut mir leid, sagte der Hund, ich sammle nur Bücher mit Bildern. Ich habe dein Buch nicht. Das Pferd lief zum Hahn.
Lieber Hahn, habe ich dir vielleicht mein Lieblingsbuch geborgt? Was stand denn drin, sagte der Hahn. Was zum Lachen oder was zum Weinen? Beides, sagte das Pferd, erst war es ziemlich traurig, aber am Ende ging alles gut aus. War auch was von Hühnern drin? Nein, sagte das Pferd, leider nicht. Keine Liebesgeschichte? Fragte der Hahn noch mal. Doch, sagte das Pferd, deshalb war es ja mein Lieblingsbuch. Erzähl doch mal, sagte der Hahn, wie fing es denn an, dein Lieblingsbuch? Ach, sagte das Pferd, es fing an, wie viele Geschichten anfangen, aber dann wurde es plötzlich ganz besonders.
Erzähl doch bitte mal richtig, sagte der Hahn, bitte!
Da machte das Pferd die Augen zu und in seinem Inneren tauchte die Geschichte auf und war wieder da. Das Pferd begann zu erzählen:“
Eva Maria Kohl, 2006.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Stellenwert von Kreativität im Bildungsauftrag der Grundschule und führt in die Fragestellung ein, wie kreative Schreibimpulse kindliche Schreibprozesse beeinflussen.
2. KINDER SCHREIBEN EIGENE TEXTE: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick zur Schreibdidaktik und erörtert die Bedeutung der Schriftsprache sowie ästhetischer Bildung für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung.
3. EIN SCHREIBAUFRUF VON E.M. KOHL: DAS LIEBLINGSBUCH: Hier wird der konkrete Schreibaufruf von Eva Maria Kohl vorgestellt und theoretisch analysiert, um die Wirkmechanismen des Erzählrahmens als Schreibimpuls zu untersuchen.
4. ANALYSE DER KINDERTEXTE ZUM SCHREIBAUFRUF: In diesem Teil werden 40 ausgewählte Kindertexte qualitativ ausgewertet, um zu prüfen, inwieweit der Erzählrahmen von den Kindern als Identifikationsrahmen genutzt wurde.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die Bedeutung der Förderung kreativen Schreibens als nachhaltiges Ziel des Grundschulunterrichts unterstrichen wird.
Kreatives Schreiben, Freies Schreiben, Grundschule, Schreibimpulse, Ästhetische Erfahrung, Schriftspracherwerb, Erzählrahmen, Kindertexte, Schreibdidaktik, Persönlichkeitsentwicklung, Imagination, Literatur, Textanalyse, Schreibkompetenz, Phantasie.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den kreativen Schreibprozessen von Grundschulkindern und untersucht, wie ein spezieller Schreibimpuls („Das Lieblingsbuch“) Kinder dazu anregt, eigene Texte zu verfassen.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Schreibdidaktik, die Bedeutung der ästhetischen Erfahrung für die kindliche Bildung sowie die Analyse des Verhältnisses zwischen vorgegebenem Erzählrahmen und eigenem kreativem Ausdruck.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwieweit der Erzählrahmen von Eva Maria Kohl von Kindern als Schreibimpuls genutzt wird und welche Bedeutung diese kreativen Schreibprozesse für die kindliche Identitätsbildung haben.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit schreibdidaktischen Konzepten sowie eine qualitative Inhaltsanalyse von 40 exemplarisch ausgewählten Kindertexten.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung kreativer Schreibkonzepte, die detaillierte Analyse des gewählten Schreibaufrufs („Das Lieblingsbuch“) sowie die empirische Auswertung und Interpretation der von Kindern verfassten Geschichten.
Kreatives Schreiben, Ästhetische Bildung, Grundschule, Schreibimpulse, Identitätsentwicklung und Textanalyse sind die prägenden Begriffe.
Die Arbeit betrachtet beide Konzepte als eng miteinander verwoben und ordnet kreatives Schreiben als eine spezielle Form des freien Schreibens ein, bei der bewusste Schreibinszenierungen („Impulse“) zur Anregung genutzt werden.
Der Erzählrahmen fungiert als Identifikationsrahmen und „Brücke“ zur Phantasiewelt, die es den Kindern ermöglicht, eigene Themen, Probleme und Lebenserfahrungen in eine sichere, literarische Struktur einzubetten.
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