Magisterarbeit, 2005
88 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Begriffsklärungen
2.1 Tradition und Modernität
2.1.1 Tradition
2.1.2 Modernität
2.2 Identität und Kleidung
2.2.1 Identität
2.2.1.1 Personale und kollektive Identität
2.2.1.1.1 Personale Identität (Ich-Identität)
2.2.1.1.2 Kollektive Identität (Wir-Identität)
2.2.2 Kleidung
2.2.2.1 Definition
2.2.2.2 Kleidung und Identität
2.3 Kleidung im islamischen Kontext
2.3.1 Hijab
2.3.2 Verschleierung im Koran
2.3.3 Sphärentrennung
3 Orientalismus
4 Türkei
4.1 Historischer Kontext
4.1.1 Das Osmanische Reich
4.1.2 Die Türkische Republik
4.2 Kleidungsreformen
4.2.1 Kleidungsreformen im Osmanischen Reich
4.2.2 Kleidungsreformen in der Türkischen Republik
4.2.2.1 Kopftucherlässe für Hochschulen
4.2.2.1 Terminologie
5 Symbolik des Kopftuchs in der Türkei
5.1 Die muslimische Bewegung
5.1.1 Entstehung und heutige Ausprägung
5.1.2 Charakterisierung der Gruppe
5.1.3 Interpretationen der Verschleierung
5.2 Zusammenfassung und kritische Analyse
6 Fazit
Diese Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung des Kopftuchs in der Türkei im Spannungsfeld zwischen Identitätskonstruktion, kulturellen Traditionen und modernem gesellschaftlichem Wandel. Das primäre Ziel ist es, die gängigen westlichen Vorurteile über das Kopftuch als reines Symbol der Unterdrückung zu hinterfragen und die komplexen, internen Diskurse der türkischen Gesellschaft sowie die Rolle der Kleidung in diesem Kontext detailliert aufzuzeigen.
Die muslimische Bewegung
Seit der Gründung der Türkischen Republik wurde die Diversität der Bürger stets zugunsten einer idealisierten Fantasie der türkischen Bevölkerung als people-as-one verleugnet (Robins 1996:71). Doch trotz aller säkularer Reformen bildete der Islam weiterhin den moralischen Rahmen des täglichen Lebens (White 1999:78), und die Mehrheit der Bevölkerung schaffte im Alltag hybride Formen ihres Verhaltens. Es herrschte somit eine radikale Diskontinuität zwischen der traditionellen Selbstdefinition der Bevölkerung und den westlichen Konstrukten derer aus Sicht der säkularen Regierung vor (Göle 1997:86).
Bereits seit der Einführung des Mehrparteiensystems in den fünfziger Jahren ließ sich ein zunehmender Einfluss islamischer Parteien und eine fortschreitende Instrumentalisierung des Islams beobachten (Steinbach 2002d:25). Bis in die siebziger Jahre hatten jedoch islamische Aktivisten gesellschaftlich nur eine marginale Position inne (White 1999:80).
Die achtziger Jahre sollten einen Wendepunkt in der Geschichte der Türkischen Republik und der Säkularisierung des Landes darstellen. Robins (1996:72) spricht in diesem Zusammenhang von der ‚Rückkehr der Unterdrückten’, und einer damit einhergehenden zunehmenden Einflussnahme islamischer Aktivisten, einem Umstand, der aus Sicht des Westens fälschlicherweise auch gerne als das Zusammenbrechen der Modernität und Rückkehr zum islamistischen Fundamentalismus interpretiert wurde und wird.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Kopftuchsymbolik in der Türkei und Darlegung der zentralen Fragestellung sowie des methodischen Vorgehens.
2 Begriffsklärungen: Theoretische Auseinandersetzung mit den zentralen ethnologischen Begriffen Tradition, Modernität, Identität und Kleidung.
3 Orientalismus: Analyse des westlichen Konstrukts des ‚Orients’ und dessen Einfluss auf die Fremd- und Selbstwahrnehmung innerhalb islamischer Gesellschaften.
4 Türkei: Untersuchung des historischen Kontextes, von der Gründung der Republik bis zu den modernen politischen Umbrüchen und den damit verbundenen Kleidungsreformen.
5 Symbolik des Kopftuchs in der Türkei: Detaillierte Darstellung der muslimischen Bewegung, ihrer Charakterisierung und der unterschiedlichen Interpretationen der Verschleierung durch verschiedene Akteure.
6 Fazit: Zusammenfassende kritische Analyse der gewonnenen Erkenntnisse über die symbolische Bedeutung des Kopftuchs im urbanen Kontext der Türkei.
Türkei, Kopftuch, Identität, Islam, Modernität, Tradition, Verschleierung, Symbolik, Orientalismus, Säkularisierung, Kleidungsreformen, Muslimische Bewegung, Urbaner Kontext, Identitätspolitik, Empowerment.
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Symbolik des Kopftuchs in der türkischen Gesellschaft, insbesondere im städtischen Umfeld, und untersucht, wie dieses Kleidungsstück als Ausdruck von Identität und als Reaktion auf Modernisierungsprozesse dient.
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen zu Identität und Kleidung, historische Hintergründe der Türkei (insbesondere Reformen unter Atatürk), Orientalismus sowie die soziopolitische Analyse der modernen muslimischen Bewegung.
Das Ziel ist die Dekonstruktion des westlichen Bildes, das das Kopftuch pauschal mit Unterdrückung gleichsetzt. Stattdessen soll das Kopftuch als komplexes, auch selbstbestimmtes und politisch aufgeladenes Symbol der Identität in einer modernisierenden Gesellschaft dargestellt werden.
Es handelt sich um eine ethnologische Magisterarbeit, die primär auf der Auswertung und kritischen Auseinandersetzung mit einschlägiger Literatur (Monographien) und vorliegenden Quellen basiert, um städtische Diskurse zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, einen historischen Überblick über den Wandel der Türkei und eine vertiefende Analyse der aktuellen muslimischen Bewegung, einschließlich der Kommodifikation islamischer Kleidung.
Zu den Kernbegriffen zählen Identität, Türkei, Kopftuch, Säkularisierung, Moderne, Tradition, islamische Bewegung und symbolische Kommunikation.
Während basörtüsü traditionell als neutrales Kopftuch des ländlichen Raums gilt, wird der Begriff türban im städtischen Diskurs der achtziger Jahre verwendet, um eine neue, oft politisch oder elitär konnotierte Form der Verschleierung zu kennzeichnen, die von jungen Musliminnen als Ausdruck von Bildung und Modernität genutzt wird.
Die marktwirtschaftliche Öffnung und der Aufstieg islamischer Firmen haben dazu geführt, dass islamische Kleidung zum Konsumgut wurde. Diese Kommodifikation ermöglicht es Frauen, soziale Identität und religiöse Zugehörigkeit über den Markt zu repräsentieren, was den sozialen Aufstieg muslimischer Gruppen unterstützt.
Die Autorin erkennt, dass junge, gebildete Frauen das Kopftuch nutzen, um ihre Partizipation an der modernen Gesellschaft zu legitimieren und sich von traditionellen Rollenbildern abzugrenzen, merkt aber an, dass die zugrunde liegenden patriarchalischen Strukturen in den islamischen Parteien weiterhin bestehen.
Nein. Die Autorin argumentiert, dass das moderne Kopftuch vielmehr ein Ausdruck einer "alternativen Moderne" ist, die sich weder einfach als Rückkehr zur Tradition noch als bloße Anpassung an westliche Standards interpretieren lässt.
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