Examensarbeit, 2008
123 Seiten, Note: 1,7
0 Einleitung
1 Zur Bedeutung von Schulbüchern
1.1 Zur Bedeutung von Schulgeschichtsbüchern für die Unterrichtspraxis
1.2 Zur Bedeutung von Schulgeschichtsbüchern für das Geschichtsbewusstsein der SchülerInnen
1.3 Zur Bedeutung von Schulbüchern für den öffentlichen Bildungsdiskurs und die internationalen Beziehungen
2 Genese von Schulbuchinhalten: Zwischen Fachwissenschaft und öffentlichem Diskurs
2.1 Zum Forschungsstand
2.2 Zum öffentlichen Diskurs
2.3 Zur Darstellung von Wehrmachtsverbrechen in Schulgeschichtsbüchern
3 Zur Untersuchungsmethode
3.1 Zur Notwendigkeit des Einbezugs fachdidaktischer Überlegungen in die Schulbuchanalyse
3.2 Entwicklung eines fachdidaktischen Analyserasters – Allgemeine fachdidaktische Anforderungen an Schulbuchdarstellungen
3.3 Entwicklung eines fachdidaktischen Analyserasters – Anforderungen im Hinblick auf die Darstellung von Wehrmacht und NS-Kriegsverbrechen
3.4 Entwicklung eines fachwissenschaftlichen Analyserasters
4 Einzelanalysen der aktuell in NRW zugelassenen Schulbücher
4.1 Durchblick – Hauptschule
4.2 Entdecken und Verstehen - Hauptschule
4.3 Entdecken und Verstehen - Realschule
4.4 Forum Geschichte - Gymnasium
4.5 Gemeinschaften - Förderschule
4.6 Geschichte konkret - Realschule
4.7 Geschichte Real - Realschule
4.8 Geschichte und Gegenwart - Realschule
4.9 Geschichte - Geschehen - Gymnasium
4.10 Stark in Gesellschaftslehre - Förderschule
4.11 Zeit für Geschichte – Gymnasium
4.12 Zeiten – Förderschule
4.13 Zeiten und Menschen - Gymnasium
4.14 Zeitreise 3 – Gesamtschule/Realschule
5 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern aktuelle Schulgeschichtsbücher für die Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen eine angemessene Darstellung der Mitverantwortung der Wehrmacht für NS-Kriegsverbrechen vermitteln. Dabei wird geprüft, ob die Debatten um die "Wehrmachtsausstellung" inhaltliche Veränderungen in den Lehrmedien bewirkt haben.
2.1 Zum Forschungsstand
„1.) Der Krieg ist nur weiterzuführen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. 2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“
Dieses Zitat aus dem Protokoll einer Staatssekretärssitzung vom 21. Mai 1941 stellt eines der unzähligen Beweisstücke dar, mit denen bereits in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die Verantwortung der Wehrmacht für Völkermord und Kriegsverbrechen eindeutig nachgewiesen werden konnte. „Generalplan Ost“, „Kommissarbefehl“, das beabsichtigte Massensterben von Kriegsgefangenen, die Politik der „verbrannten Erde“, Geiselmorde, Zwangsdeportationen und nicht zuletzt die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden - dass all dies unter eindeutiger Beteiligung, zum Teil sogar alleiniger Verantwortung der Wehrmacht geschah, war spätestens seit 1949 prinzipiell bekannt. Da es im Ergebnis der bedingungslosen Kapitulation auf deutscher Seite keine gesperrten Archive gab, waren zudem die wichtigsten Quellen zur Beurteilung der Wehrmacht zugänglich. Dennoch wurde der Komplex der Wehrmachtsverbrechen von der deutschen wissenschaftlichen Forschung lange Zeit nicht näher untersucht. Statt dessen „dominierten […] die traditionell militärgeschichtlichen, nicht eben selten auch apologetischen Darstellungen des Kriegsverlaufs“ - was allerdings nur wenig verwundert, stammte ein großer Teil dieser Werke doch aus der Feder ehemaliger Wehrmachtsbefehlshaber.
0 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die fortdauernde gesellschaftliche Relevanz der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und leitet zur Fragestellung der Arbeit über.
1 Zur Bedeutung von Schulbüchern: Dieses Kapitel erläutert die zentrale Rolle des Schulbuches als Leitmedium im Geschichtsunterricht und für die Formierung des Geschichtsbewusstseins.
2 Genese von Schulbuchinhalten: Zwischen Fachwissenschaft und öffentlichem Diskurs: Hier werden die Einflussfaktoren auf Schulbuchinhalte untersucht, wobei der öffentliche Diskurs als prägend hervorgehoben wird.
3 Zur Untersuchungsmethode: Das Kapitel legt die methodische Vorgehensweise offen und begründet die Wahl des deskriptiv-hermeneutischen Verfahrens.
4 Einzelanalysen der aktuell in NRW zugelassenen Schulbücher: In diesem Hauptteil werden die ausgewählten Schulbücher detailliert nach fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Kriterien analysiert.
5 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Trend in der Schulbuchdarstellung.
Wehrmacht, NS-Kriegsverbrechen, Geschichtsunterricht, Schulbuchanalyse, Vernichtungskrieg, Nationalsozialismus, Wehrmachtsausstellung, Geschichtsbewusstsein, Fachdidaktik, Tätersprache, Holocaust, Kriegsgefangene, Partisanenkrieg, Zwangsarbeit, Erinnerungskultur
Die Arbeit analysiert, wie in aktuellen nordrhein-westfälischen Schulgeschichtsbüchern die Mitverantwortung der Wehrmacht für Kriegsverbrechen während des Nationalsozialismus dargestellt wird.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Kriegsplanung, das Massensterben von Kriegsgefangenen, Partisanenbekämpfung, die Beteiligung am Holocaust sowie das System der Zwangsarbeit.
Ziel ist es zu prüfen, ob die Darstellungen in den Schulbüchern dem aktuellen wissenschaftlichen Konsens entsprechen oder ob weiterhin Mythen, wie der von der "sauberen Wehrmacht", perpetuiert werden.
Die Arbeit nutzt ein deskriptiv-hermeneutisches Verfahren, um fachdidaktische und fachwissenschaftliche Anforderungen an die Schulbuchtexte zu evaluieren.
Der Hauptteil beinhaltet detaillierte Einzelanalysen von 13 verschiedenen Schulbüchern, die für den 9. und 10. Jahrgang in NRW zugelassen sind.
Die wichtigsten Schlagworte sind Wehrmachtsverbrechen, Fachdidaktik, Schulbuchanalyse, Geschichtsbewusstsein und der "Mythos der sauberen Wehrmacht".
Da die Forschung seit den 1960er Jahren belegt, dass die Wehrmacht aktiv am Völkermord und an Kriegsverbrechen beteiligt war, widerspricht eine Darstellung als unpolitische Organisation dem aktuellen Erkenntnisstand.
Der Autor kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Keines der untersuchten Bücher erreicht eine in jeder Hinsicht angemessene Darstellung der Wehrmachtsverbrechen, wobei deutliche Defizite in der Vermittlung der aktiven Täterrolle bestehen.
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