Diplomarbeit, 2006
73 Seiten, Note: 1,3
1. DIE BEGINENBEWEGUNG
1.0 Vorgeschichte und historischer Rahmen
1.0.1 Der Investiturstreit
1.0.2 Cluny – der Idealtyp eines „reichsfreien“ Klosters
1.0.3 Die Armutsbewegung des 12. und 13. Jahrhunderts
1.0.4 Das 4. Laterankonzil (1215)
1.1 Herkunft des Namens „Beginen“
1.1.1 Die drei Stifterthesen
1.1.1.1 Erste Stifterthese: Königin Beatrix von Böhmen
1.1.1.2 Zweite Stifterthese: Heilige Begga
1.1.1.3 Dritte Stifterthese: Lambert le Bégue
1.1.2 Zahlreiche andere Thesen
1.2 Entstehung der Beginenbewegung
1.2.1 Das Beginentum als Folge eines gesteigerten Interesses an monastischer Lebensform angesichts überfüllter Klöster
1.2.1.1 Die Zwitterstellung des Beginentums
1.2.2 Beginenhäuser als Versorgungsanstalten alleinstehender Frauen
1.2.3 Feministische Erklärungsansätze
1.2.4 Beginengemeinschaften als genossenschaftliche Organisationen der Selbsthilfe
1.2.5 Anmerkung zu den vier aufgezeigten Entstehungsvarianten
1.2.6 Die Überinterpretation des Beginentums durch die Unterlegung mit neuzeitlichem Gedankengut
2. DIE TÄTIGKEITEN DER BEGINEN
2.1 Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Beginen
2.2 Die Bildungsarbeit der Beginen
2.3 Krankenpflege und Sorge um Sterbende und Tote
2.3.1 Die Krankenpflege
2.3.2 Sorge um Sterbende und Dienste im Bereich Bestattung
2.4 Die Armenpflege
2.5 Das Wirken der Beginen als frühe Form christlich motivierter Sozialer Arbeit
3. DIE FINANZIELLE GRUNDLAGE DER BEGINENKONVENTE
3.1 Das Eigenvermögen der Bewohnerinnen
3.2 Das Einkommen aus eigener Tätigkeit
3.3 Die Konvente als Stiftungen
4. DIE LEBENSREGELN DER BEGINEN
4.1 Der Tagesablauf
4.2 Die Hierarchie
4.3 Das Gelübde
5. BEZIEHUNGEN DER BEGINEN ZU KIRCHLICHEN UND WELTLICHEN INSTITUTIONEN UND SOZIALEN GRUPPEN
5.1 Beziehungen zu Bischöfen und dem Pfarrklerus
5.2 Beziehungen zu Ordensgemeinschaften
5.3 Beziehungen zu Bürgerschaften und Stadträten
6. ZWEI BEISPIELHAFTE BEGINENVITEN
6.1 Maria von Oignies – Askese und Sorge um Arme und Kranke
6.2 Marguerite Porète – Autorin und Predigerin
7. DIE WIEDERENTDECKUNG DES BEGINENTUMS IN DER GEGENWART
7.1 Die Kölner Beginen
7.2 Weitere Beispiele: Beginen in Rostock, Thüringen und Tübingen
Die Diplomarbeit untersucht das historische Phänomen der Beginen als eine frühe, christlich motivierte Form der Sozialen Arbeit. Dabei wird analysiert, wie diese Frauengemeinschaften zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert sozioökonomische Nöte linderten und welche Parallelen sowie Unterschiede zu modernen Beginenbewegungen der Gegenwart bestehen.
1.0.1 Der Investiturstreit
Im 11. Jahrhundert war es nicht unüblich, dass ein Landesherr, der in finanziellen Nöten war, Bistümer, die sich in seinem Herrschaftsgebiet befanden, an den Meistbietenden versteigerte. Adelige hatten so die Möglichkeit, für Mitglieder ihrer Familien ein oder sogar mehrere Bischofswürden zu erwerben. Auch Prälaturen, Dekanate, Pfarreien und Klöster wurden zum Verkauf angeboten. Geistliche Würden verkamen so nicht selten zu wirtschaftlichen und politischen Gütern. Auch das Weitervererben von kirchlichen Ämtern und Gütern, die auf solche Weise erworben waren, an die Söhne der Geistlichen war keine Seltenheit.
Papst Leo IX. (Papst von 1048 bis 1054) widersetzte sich dem Zeitgeist und verurteilte Simonie (den Handel mit kirchlichen Ämtern) und Priesterehen aufs Schärfste. Damit löste er eine Bewegung aus, die sich für eine Erneuerung der Kirche und einen größeren Einfluss des Papsttums stark machte.
Humbert von Silva Candida verfasste ganz in diesem Sinne im Jahre 1058 die leidenschaftliche Kampfschrift Adversus Simoniacos. Er definierte diejenigen als Simonisten, die für ein geistliches Amt Geld nahmen oder ein solches mit ihrem Geld erwarben und verurteilte mit aller Härte die Praxis, dass Laien über die Besetzung kirchlicher Stellen mitbestimmten oder diese sogar eigenmächtig vergaben. Seine Forderung war eindeutig: die Kirche müsse von der Welt geschieden, von Macht und Einflussnahme der Laien befreit werden. Dabei befürwortete er eine eindeutige Subordination – kirchliche Gewalt müsse über weltlicher Gewalt stehen! Priester hätten sich ganz ihrer Braut, der ihr anvertrauten Gemeinde, zu widmen – eine Priesterehe sei deshalb in der Kirche Christi undenkbar!
1. DIE BEGINENBEWEGUNG: Beleuchtet den historischen Kontext, die Entstehungstheorien und den Ursprung der Beginenbewegung.
2. DIE TÄTIGKEITEN DER BEGINEN: Analysiert die wirtschaftlichen und sozialen Aufgabenfelder, wie Krankenpflege, Bildung und Armenhilfe.
3. DIE FINANZIELLE GRUNDLAGE DER BEGINENKONVENTE: Untersucht die ökonomischen Säulen, bestehend aus Eigenvermögen, Erwerbseinkünften und Stiftungen.
4. DIE LEBENSREGELN DER BEGINEN: Beschreibt die tägliche Struktur, die hierarchische Ordnung und das Verständnis des Gelübdes innerhalb der Konvente.
5. BEZIEHUNGEN DER BEGINEN ZU KIRCHLICHEN UND WELTLICHEN INSTITUTIONEN UND SOZIALEN GRUPPEN: Diskutiert die ambivalente Stellung der Beginen zwischen päpstlichem Schutz und kirchlicher Verfolgung sowie die Kooperation mit Städten.
6. ZWEI BEISPIELHAFTE BEGINENVITEN: Veranschaulicht anhand von Maria von Oignies und Marguerite Porète die Vielfalt beginischer Lebensläufe.
7. DIE WIEDERENTDECKUNG DES BEGINENTUMS IN DER GEGENWART: Setzt das historische Beginentum in Beziehung zu modernen Frauenprojekten und bewertet deren Gemeinsamkeiten.
Beginen, Diakonie, Soziale Arbeit, Mittelalter, Beginenkonvente, Armenfürsorge, Stiftungen, Frauenbewegung, Beginenhof, Marguerite Porète, Maria von Oignies, Investiturstreit, Gemeinschaft, Bildung, Seelsorge
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Beginen im Mittelalter als eine frühe, eigenständige Form christlich motivierter Sozialer Arbeit und deren Rezeption in der Gegenwart.
Die Themen umfassen historische Rahmenbedingungen, sozioökonomische Grundlagen der Konvente, Tätigkeitsbereiche wie Krankenpflege und Bildung sowie die gesellschaftliche Position der Beginen.
Das Ziel ist es, das Wirken der Beginen historisch einzuordnen und aufzuzeigen, wie sie als frühe Form der Diakonie fungierten, während gleichzeitig ein Vergleich zu modernen Beginengemeinschaften gezogen wird.
Es handelt sich um eine diakoniehistorische Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur, Stiftungsurkunden und biographischen Viten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Tätigkeiten, Finanzierungsformen, Lebensregeln und die institutionellen Beziehungen der Beginen sowie die Betrachtung konkreter Lebensläufe.
Kernbegriffe sind Beginen, Diakonie, Soziale Arbeit, Mittelalter, Armenfürsorge, Konvente und Frauenbewegung.
Während der Fokus mittelalterlicher Beginen stark auf christlicher Spiritualität und diakonischem Wirken lag, betonen moderne Beginenhöfe stärker gesellschaftliche Emanzipation und Schutzräume für Frauen.
Der Autor bezeichnet sie so, da sie Aufgaben der sozialen Daseinsvorsorge übernahmen, die weder durch die Kirche noch durch staatliche Stellen in ausreichendem Maße abgedeckt wurden.
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