Magisterarbeit, 2004
104 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Die Entwicklung des Theaters in Griechenlands seit Beginn des 20. Jh.
1.1 Das Ende des 19. Jahrhunderts
1.2 Das 20. Jahrhundert
1.2.1 Der Naturalismus
1.2.2 Christomanos und die „Neue Bühne“
1.2.3 Das königliche Theater
1.2.4 Das Nationaltheater
1.2.5 Die Freie Szene
1.2.6 Diktatur, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit
2. Karolos Kouns Weg zum Theater
3. Das „Kunsttheater“
3.1 Die Gründung
3.2 Die Rolle der Öffentlichkeit
3.2.1 Die Nähe zu Bertolt Brecht
3.3 Der Schauspieler am „Kunsttheater“
3.3.1 Die Nähe zu Wachtangow
3.3.2 Die Nähe zu Konstantin Stanislawski
3.4 Die Rolle des Regisseurs
4. Die Ästhetik Kouns
4.1 Volkstümliche Elemente
4.1.1 Musik
4.1.2 Tanz
4.1.3 Nationalcharakter
5. Die Entwicklung des „Kunsttheaters“
6. Inszenierungen antiker Dramen
6.1 Die Verwendung von Masken
6.2 Die Behandlung des Chores
6.3 Aristophanes
6.3.1 „Die Vögel“
6.3.2 „Die Frösche“
6.3.3 „Der Frieden“
6.4 Sophokles „König Ödipus“
7. Inszenierungen fremdsprachlicher Dramen
7.1 Naturalistische Phase
7.1.1 Henrik Ibsen
7.1.2 George Bernhard Shaw
7.1.3 Luigi Pirandello
7.2 Realistische Dramen
7.2.1 Anton Tschechow
7.2.2 Tennessee Williams
7.2.3 Thornton Wilder
7.2.4 Eugen O´Neill
7.3 Episches, Absurdes und dokumentarisches Theater
7.3.1 Bertolt Brecht
7.3.2 Eugen Ionesco
7.4 William Shakespeare
8. Inszenierungen zeitgenössischer griechischer Dramatik
8.1 Jakobos Kambanellis
8.2 Loula Anagnostaki
8.3 Dimitrios Hatziaslanis
8.4 Dimitrios Kehaidis
9. Resümee
Die Arbeit untersucht das Wirken des Regisseurs Karolos Koun und seines „Kunsttheaters“ im Kontext der griechischen Theatergeschichte und der politischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, die ideologischen und ästhetischen Prinzipien von Kouns Regiearbeit herauszuarbeiten, seine Einflüsse aus der internationalen Theateravantgarde (wie Stanislawski und Brecht) zu analysieren und deren spezifische, volksnahe Transformation in die griechische Kulturlandschaft zu bewerten.
3.1 Die Gründung
Während seiner Arbeit am „Freien Theater“ machte sich Koun zunehmend Gedanken über die Gründung eines eigenen Ensembles. Beeinflusst durch das Vorbild Konstantin Stanislawskis, der 1898 das „Moskauer Künstlertheater“ gegründet hatte, wollte Koun ein Theater schaffen, dass auf gemeinschaftlicher Arbeit und der Verwirklichung gemeinsamer künstlerischer Ziele beruhen sollte. 1942 versammelte er Kollegen, die er bereits aus der Zeit der Volksbühne kannte und Schüler vom „Freien Theater“.
„Letztes Jahr im Juni, nach einer intensiven Probenarbeit mit den Schauspielschülern, hatten wir unser erstes Treffen mit neuen und alten Schülern sowie neuen Schauspielern vom professionellen Theater und legten die Grundsteine für die Arbeit am „Theater der Künste“.“ In seiner Rede „Die öffentliche Aufgabe und die ästhetischen Grundsätze des Kunsttheaters“, die er am 17. August 1943 vor der „Gesellschaft der Freunde des Kunsttheaters“ hielt, legt er ein gesellschaftspolitisches Konzept vor, wie es bereits Stanislawski 1898 getan hat: „Wir machen kein Theater um des Theaters willen. Wir machen kein Theater um zu leben. Wir machen Theater, um uns zu bereichern, eine Gemeinschaft zu bilden und gemeinsam dabei zu helfen, eine breite, geistlich reiche und vielfältige Kultur in unserem Land zu schaffen.“
Ein Grundstein des „Kunsttheaters“ war die Arbeit als gemeinschaftliches Handeln. Er betont immer wieder die Wichtigkeit der Überzeugung und des Glaubens jedes einzelnen Mitarbeiters für das „Projekt“, wie er die Gründung des „Kunsttheaters“ nennt. „Einzeln ist jeder von uns schwach und kann nichts bewirken. Zusammen konnten wir allerdings etwas erreichen. Das Theater bietet uns die Möglichkeit, uns zusammenzuschließen und etwas in Bewegung zu setzten [...] Das Kunsttheater ist ein Lebensgefühl, und ich will glauben, dass jeder Mitarbeiter sich mit dem gleichen Eifer diesem widmet, egal welche Aufgabe er bekleidet. Es kommt auf die emotionale Erfüllung und das soziale Bemühen an.“
Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Karolos Koun als zentrale Figur des neuzeitlichen griechischen Theaters und methodische Hürden der Arbeit.
1. Die Entwicklung des Theaters in Griechenlands seit Beginn des 20. Jh.: Analyse der theatergeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen, die die Entstehung moderner griechischer Theaterformen prägten.
2. Karolos Kouns Weg zum Theater: Darstellung der biographischen Anfänge Kouns, seiner Ausbildung und seiner frühen Regieversuche am College Athen.
3. Das „Kunsttheater“: Untersuchung der Gründungsideologie des „Kunsttheaters“, seiner gemeinschaftlichen Struktur und des Einflusses von Stanislawski und Brecht.
4. Die Ästhetik Kouns: Analyse der ästhetischen Grundsätze Kouns, insbesondere der Verbindung von Realismus und volkstümlichen griechischen Elementen.
5. Die Entwicklung des „Kunsttheaters“: Chronologischer Abriss der Entwicklung und internationalen Anerkennung des Ensembles sowie dessen Wandel ab den 1970er Jahren.
6. Inszenierungen antiker Dramen: Dokumentation der Arbeit an antiken Stücken unter Verwendung von Masken, Choreographie und modernem Verständnis.
7. Inszenierungen fremdsprachlicher Dramen: Untersuchung von Kouns Interpretationen internationaler Dramatiker (Ibsen, Shaw, Williams, Brecht, Ionesco) und deren Anpassung an griechische Kontexte.
8. Inszenierungen zeitgenössischer griechischer Dramatik: Würdigung der Rolle Kouns bei der Förderung bedeutender moderner griechischer Dramatiker und der thematischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen.
9. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung von Kouns Bedeutung als Avantgardist und „Theater der Gemeinschaft“-Begründer.
Karolos Koun, Kunsttheater, griechisches Theater, Theatergeschichte, Antike Inszenierungen, Bertolt Brecht, Konstantin Stanislawski, Realismus, griechische Kultur, Volkstheater, Theateravantgarde, Regiearbeit, zeitgenössisches griechisches Drama, politische Komödie, Theaterästhetik.
Die Arbeit beleuchtet das Leben und das künstlerische Schaffen des bedeutenden griechischen Regisseurs Karolos Koun und die Gründung sowie Entwicklung seines „Kunsttheaters“ in Athen.
Die zentralen Felder sind die Geschichte des griechischen Theaters im 20. Jahrhundert, die Inszenierungstechnik antiker und moderner Dramen, die Theorie und Praxis von Kouns Regiestil sowie die Einflüsse internationaler Theatergrößen auf sein Werk.
Ziel ist es, die ideologischen und ästhetischen Prinzipien, die Kouns Arbeit zugrunde liegen, systematisch zu erfassen, zu analysieren und in den Kontext der griechischen Geschichte und Kultur zu setzen.
Die Arbeit nutzt eine theaterwissenschaftliche Analyse, die biographische Daten, theoretische Manifeste, Kritiken, Zeitzeugnisse und eine detaillierte Untersuchung der Inszenierungskonzeptionen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kouns Anfängen, die Etablierung des „Kunsttheaters“, seine ästhetischen Prinzipien sowie die Analyse spezifischer Inszenierungen antiker, internationaler und zeitgenössisch griechischer Dramen.
Koun, Kunsttheater, Theater der Gemeinschaft, griechische Kultur, Brecht-Rezeption und moderne griechische Dramaturgie sind prägend für den Inhalt.
Koun unterschied sich vor allem durch die konsequente Verbindung von internationaler Theatertheorie (Stanislawski, Brecht) mit griechischen volkstümlichen Traditionen und seinem Ziel, das Theater als „Lebensgefühl“ und gemeinschaftlichen Prozess zu etablieren.
Die politischen Rahmenbedingungen – von der Monarchie über Diktaturen bis hin zum Bürgerkrieg – prägten Kouns Spielplangestaltung maßgeblich, wobei er das Theater häufig als Mittel für indirekten sozialen und politischen Widerstand nutzte.
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