Diplomarbeit, 1992
156 Seiten, Note: Sehr gut
1 EINLEITUNG
1.1 Fragestellung und Forschungsstand
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.3 DIE WELT und die Frankfurter Rundschau
2 APO UND MEDIEN
2.1 Exkurs: Entfaltung und aktueller Stand der Wirkungsforschung
2.2 Theoretische Vordenker der APO
2.3 Medienkritik der APO
2.4 Der Springer-Konzern
2.5 Ziele der APO
2.6 Unterstützung der APO durch eigene und fremde Medien
2.7 Der Verlauf der Anti-Springer-Kampagne
3 DER 2. JUNI 1967
3.1 Zur Vorgeschichte des Schah-Besuchs
3.2 Stationen des Schah-Besuchs
3.3 Das Geschehen in Berlin
3.4 Bewertung des polizeilichen Vorgehens
3.5 Reaktionen in Berlin
3.6 Reaktionen in Westdeutschland
3.7 Die Beisetzung von Ohnesorg und der Kongress in Hannover
3.8 Folgen des 2. Juni
4 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG NACH DEM 2. JUNI
4.1 Überblick
4.2 Darstellung in der WELT und der Frankfurter Rundschau
4.2.1 Ergebnisse der Quantifizierenden Inhaltsanalyse
4.2.2 Der Schah-Besuch
4.2.3 Die Aufarbeitung des 2. Juni
4.2.4 Bewertung der staatlichen Reaktionen
4.2.5 Bewertung der studentischen Aktivitäten
4.2.6 Die Beisetzung von Ohnesorg und der Kongress in Hannover
4.2.7 Folgen des 2. Juni
4.2.8 Exkurs: Darstellung und Deutung der APO
4.2.9 Zusammenfassung der Presseauswertung
5 DIE OSTERUNRUHEN
5.1 Das Attentat
5.2 Die Osterfeiertage in Berlin
5.3 Die Osterfeiertage in Westdeutschland
5.4 Staatliche Reaktionen
5.5 Folgen der Osterunruhen für die APO
5.6 Linksradikalismus und Rechtsradikalismus
6 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG NACH DEN OSTERUNRUHEN
6.1 Überblick
6.2 Darstellung in der WELT und der Frankfurter Rundschau
6.2.1 Ergebnisse der Quantifizierenden Inhaltsanalyse
6.2.2 Rudi Dutschke
6.2.3 Zum Ablauf der Osterunruhen
6.2.4 Die Gewaltdebatte
6.2.5 Ursachen und Hintergründe
6.2.6 Bewertung der Osterunruhen
6.2.7 Die Bundestagsdebatten
6.2.8 Linksradikalismus und Rechtsradikalismus
6.2.9 Zusammenfassung der Presseauswertung
7 DIE NOTSTANDSGESETZE
7.1 Die Auseinandersetzung um die Notstandsgesetze bis 1967
7.2 Die Protagonisten der Notstandsdebatte
7.3 Die Auseinandersetzung um die Notstandsgesetze bis 1968
7.4 Konfliktpunkte
7.5 Die Proteste vor der zweiten Lesung im Bundestag
7.6 Die Proteste vor der dritten Lesung im Bundestag
7.7 Die Verabschiedung der Notstandsgesetze
8 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE ENDPHASE DER NOTSTANDSDEBATTE
8.1 Überblick
8.2 Darstellung in der WELT und der Frankfurter Rundschau
8.2.1 Ergebnisse der Quantifizierenden Inhaltsanalyse
8.2.2 Bewertung der Gesetze
8.2.3 Der Sternmarsch
8.2.4 Die zweite Lesung
8.2.5 Die dritte Lesung
8.2.6 Ausblick
8.2.7 Zusammenfassung der Presseauswertung
9 FAZIT
10 ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das konfliktreiche und gestörte Verhältnis zwischen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und den Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1967 und 1968, wobei sie primär die mediale Berichterstattung der Zeitungen "DIE WELT" und "Frankfurter Rundschau" als Fallbeispiele heranzieht, um die Hypothese einer medialen Manipulation bzw. Integration zu prüfen.
2.2 Theoretische Vordenker der APO
Der Abscheu über das Dritte Reich mitsamt seinem erfolgreichen Propagandaapparat und die Konfrontation mit den mächtigen Kommunikationssystemen des nordamerikanischen Exils schärfen in der Frankfurter Schule die Kritik an den als Kulturindustrie ettiketierten Medien.50) Losgelöst von der empirisch-positivistischen Wirkungsforschung halten die Emigranten am Kanon starker Medien fest. In ihren von tiefem Kulturpessimismus getränkten Arbeiten lassen sie in den vierziger Jahren das Theorem der omnipotenten Presse wieder aufleben. Die Frankfurter Schule verfällt jedoch keineswegs einer reinen Repristination überkommener Theorien. Sie ergänzt die Wirkungsforschung um psychologische und soziologische Komponenten. Neue Perspektiven gewinnen an Gewicht. Das Interesse verlagert sich von der individuellen Warte auf die gesamtgesellschaftliche Ebene.
Für die beiden führenden Köpfe der Frankfurter Schule, Max Horkheimer und Theodor Adorno, verwischen Unterschiede zwischen den Medien: "Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit. Film, Radio, Magazine machen ein System aus. Jede Sparte ist einstimmig in sich und alle zusammen."51) Die Vereinheitlichung ist kein Zufall sondern Wegbereiter der Herrschaft: "Die rücksichtslose Einheit der Kulturindustrie bezeugt die heraufziehende der Politik."52) Die nivellierten Medien verführen durch nie einzulösende Verheißungen. "Die permanente Versagung, die Zivilisation auferlegt, wird den Erfaßten unmißverständlich in jeder Schaustellung der Kulturindustrie nochmals zugefügt und demonstriert. Ihnen etwas bieten und sie darum bringen ist dasselbe."53) Letztlich präpariere die Bewusstseinsindustrie das Subjekt im Sinne des Regimes. "Darum, nicht wegen der 'Verdummung' der Massen, die deren Feinde betreiben und deren philanthropische Freunde beklagen, ist die Massenkultur so unwiderstehlich."54)
1 EINLEITUNG: Stellt die Forschungsfrage nach dem gestörten Verhältnis von APO und Medien sowie die methodische Vorgehensweise anhand der Analyse von DIE WELT und der Frankfurter Rundschau vor.
2 APO UND MEDIEN: Beleuchtet die theoretischen Hintergründe der Medienkritik der APO, insbesondere durch Einflüsse der Frankfurter Schule und die Auseinandersetzung mit dem Springer-Konzern.
3 DER 2. JUNI 1967: Dokumentiert die Ereignisse um den Schah-Besuch, insbesondere die Polizeigewalt am 2. Juni, den Tod Benno Ohnesorgs und die unmittelbaren Reaktionen darauf.
4 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG NACH DEM 2. JUNI: Analysiert vergleichend, wie DIE WELT und die Frankfurter Rundschau über die Ereignisse vom 2. Juni und deren gesellschaftliche Folgen berichteten.
5 DIE OSTERUNRUHEN: Beschreibt das Attentat auf Rudi Dutschke und die darauffolgenden bundesweiten Unruhen sowie die Gewalteskalation über Ostern 1968.
6 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG NACH DEN OSTERUNRUHEN: Untersucht die Berichterstattung zu den Osterunruhen, wobei die diametralen Positionen der beiden untersuchten Zeitungen hinsichtlich der Schuldfrage und Gewaltbewertung hervortreten.
7 DIE NOTSTANDSGESETZE: Zeichnet die Genese und die politische Auseinandersetzung um die Notstandsgesetze bis zu deren Verabschiedung im Mai 1968 nach.
8 DIE PRESSEBERICHTERSTATTUNG ÜBER DIE ENDPHASE DER NOTSTANDSDEBATTE: Wertet die Berichterstattung der beiden Zeitungen in der letzten Phase der Notstandsdebatte sowie zum Sternmarsch aus.
9 FAZIT: Zieht eine kritische Bilanz über das Verhältnis von APO und Presse und bewertet die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der studentischen Protestbewegung.
10 ZUSAMMENFASSUNG: Fasst die Kernergebnisse der Arbeit zur Wechselwirkung von außerparlamentarischer Opposition und Massenmedien zusammen.
APO, Studentenbewegung, Massenmedien, Springer-Konzern, 2. Juni 1967, Benno Ohnesorg, Osterunruhen, Rudi Dutschke, Notstandsgesetze, Presseberichterstattung, Inhaltsanalyse, DIE WELT, Frankfurter Rundschau, SDS, Politische Kommunikation
Die Arbeit untersucht das konfliktreiche Wechselverhältnis zwischen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und den westdeutschen Massenmedien in den Jahren 1967 und 1968.
Im Fokus stehen die Wahrnehmung der Medien durch die Studentenrevolte, die Rolle des Springer-Konzerns als Ziel der Kritik sowie die mediale Darstellung studentischer Aktionen bei Schlüsselereignissen wie dem Schah-Besuch, den Osterunruhen und der Notstandsdebatte.
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen studentischer Kritik an der "Manipulation" durch die Presse und der tatsächlichen medialen Berichterstattung in dieser Zeit anhand von zwei gegensätzlichen Qualitätszeitungen wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten.
Zur Anwendung kommt eine duale Vorgehensweise: Eine geschichtliche Rekapitulation der wichtigsten Phasen der Studentenbewegung wird mit einer quantitativen und einer qualitativen Inhaltsanalyse der Zeitungen "DIE WELT" und "Frankfurter Rundschau" verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Analysen der großen Protestphasen (2. Juni 1967, Osterunruhen 1968, Notstandsdebatte) und untersucht jeweils, wie die ausgewählten Medien über diese Ereignisse bzw. über die APO berichteten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie APO, Springer-Konzern, Notstandsgesetze, Inhaltsanalyse, Rudi Dutschke und die spezifischen Konflikte der Jahre 1967/68 markiert.
DIE WELT nimmt in der Regel einen ablehnenden Standpunkt gegenüber der studentischen Protestbewegung ein und interpretiert die Ereignisse aus einer konservativen, staatstragenden Perspektive, während die linksliberale Frankfurter Rundschau Verständnis für studentische Anliegen zeigt, wenngleich sie gegen Ende der Debatte auch kritisch auf studentische Protestformen reagiert.
Der Springer-Konzern fungierte als primäres Feindbild und Zielscheibe der APO-Kampagnen ("Anti-Springer-Kampagne"). Die APO sah im Konzern die Verkörperung eines manipulativen, dem System dienenden Mediensystems, das es durch Enteignung und Entflechtung zu bekämpfen galt.
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