Magisterarbeit, 2006
84 Seiten, Note: 2,0
1. EINLEITUNG
2. DER „TATORT“ IM SPIEGEL DER BUNDESREPUBLIKANISCHEN GESELLSCHAFT
2.1 DAS TATORT-KONZEPT
2.1.1 KULTURGESCHICHTLICHE BETRACHTUNGEN
2.1.2 ERMITTLERFIGUREN
2.1.3 KRIMINALITÄTSDARSTELLUNG
2.1.4 REGIONALE BESONDERHEITEN
2.1.5 MEDIENWISSENSCHAFTLICHE THEORIEN
2.2 ALLTAGSGESCHICHTE: BEGRIFF UND METHODE
2.3 ZEITGESCHICHTE: BEGRIFF UND METHODE
2.3.1 SOZIALE UND POLITISCHE STRUKTUREN IN DEUTSCHLAND VON 2000-2005
3. TATORT-ANALYSE
3.1 DER LUDWIGSHAFENER TATORT (SWR)
3.1.1 KRITERIUM DES MILIEUS: DIE ERMITTLERFIGUREN UND DIE REGIONALEN BESONDERHEITEN
3.1.2 ZEITGESCHICHTE
3.1.3 GEWALTFIEBER (SWR. ERSTAUSSTRAHLUNG: SONNTAG, 2. DEZEMBER 2001)
3.1.4 ANALYSE
3.1.4.1 Darstellung des Massakers
3.1.4.2 Fabian und Georg Lobentag
3.1.4.3 Paul Cordes
3.1.4.4 Chris Domnik
3.1.4.5 Der “Verein“
3.1.4.6 Kopper
3.1.4.7 Lena Odenthal
3.1.4.8 Zusammenfassung
3.2 DER LEIPZIGER TATORT (MDR)
3.2.1 KRITERIUM DES MILIEUS: DIE ERMITTLERFIGUREN UND DIE REGIONALEN BESONDERHEITEN
3.2.2 ZEITGESCHICHTE
3.2.3 TEUFELSKREIS (MDR. ERSTAUSSTRAHLUNG: SONNTAG, 31. OKTOBER 2004)
3.2.4 SEQUENZPROTOKOLL
3.2.5 ANALYSE
3.2.5.1 Die Polizei
3.2.5.2 Die Stadt Leipzig/MDR
3.2.5.3 Staatsanwältin Mitterer
3.2.5.4 Kommissar Kain
3.2.5.5 Hauptkommissar Ehrlicher
3.2.5.6 Die Pastorin Antje Lischinski
3.2.5.7 Der Verfassungsschutz
3.2.5.8 Die Rechtsextremen
3.2.5.9 Zusammenfassung
3.3 DER BREMER TATORT (RB)
3.3.1 KRITERIUM DES MILIEUS: DIE ERMITTLERFIGUREN UND DIE REGIONALEN BESONDERHEITEN
3.3.2 ZEITGESCHICHTE
3.3 4 SCHEHERAZADE (RB/WDR. ERSTAUSSTRAHLUNG: SONNTAG, 5. JUNI 2005)
3.4.5 ANALYSE DES TATORTS
3.4.5.1 Inga Lürsen
3.4.5.2 Nils Stedefreund
3.4.5.3 Manu
3.4.5.4 Zusammenfassung
4. FAZIT: ZEITGESCHICHTE IM TATORT
5. BIBLIOGRAPHIE
5.1 LITERATUR
5.2 PRINTMEDIEN
5.3 INTERNET
5.4 FILMOGRAFIE
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Krimireihe "Tatort" als Medium der Zeitgeschichtsschreibung fungiert, indem sie aktuelle gesellschaftliche Ereignisse und soziale Brennpunkte der Jahre 2000 bis 2005 in fiktive Handlungen einbindet. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie durch die Darstellung von "Alltagsgeschichte" ein Eindruck von Realität erzeugt wird, der historische Zusammenhänge für den Zuschauer erfahrbar macht.
3.1.2 Zeitgeschichte
Dass die Gewalt an Schulen drastisch zugenommen hat ist eine Tatsache; wobei Gründe dafür allerdings nicht eindeutig zuzuordnen sind: Zum einen existiert eine die durch die Medien wie TV, Internet und Computerspiele verbreitete Gewaltverherrlichung. Längst kann die Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen nicht mehr mit Fred Feuerstein oder Mickey Mouse-Klamauke gewonnen werden, vielmehr treiben die weitaus gewalttätigeren Manga Cartoons die Einschaltquoten hoch und bringen einen Boom, der sich bis in die Bücherregale zieht. Auch im TV-Programm und Kino nimmt die Darstellung von Gewalt zu; ebenso ist es sehr einfach, Gewaltvideos im Internet anzuschauen, oder sie auf Handys herunterzuladen. Daneben kann man in zahlreichen Computerspielen selber “aktiv“ werden.
Ein zweiter Punkt sind die zunehmend schwierigeren Familienverhältnisse: Alleinerziehende Mütter- oder Väter, berufstätige Eltern, getrennte Ehen haben das klassische Familienbild von der sorgenden Mutter und dem arbeitenden Vater ein für alle Mal abgelöst: Es ist schwierig, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Hinzu kommen Faktoren wie Arbeitslosigkeit und steigende Armut, Schwierigkeiten mit der Integration von Ausländern, sowie eine stetig wachsende Distanz zwischen einer kleinen Oberschicht und der großen Unterschicht. Welche Reaktionen ziehen nun solche ökonomischen, sozialen und kulturellen Veränderungen auf die Jugend nach sich?
Der TATORT Gewaltfieber thematisiert dieses Problem: Gewalt in der Schule, ausgelöst durch eben aufgezählte Faktoren wie schwierige Familienverhältnisse und Gewalt verherrlichende Computerspiele. Wo findet man Vorlagen in der Zeitgeschichte? Am 09. November 1999 dringt in Meißen/Sachsen ein 15jähriger Gymnasiast maskiert in ein Klassenzimmer ein und ersticht – nachdem er die Tat angekündigt hatte – seine Geschichtslehrerin mit 22 Messerstichen. Am 30. November 1999 nimmt die Polizei in Metten drei Jugendliche fest, die Mordpläne gegen ihre Schulleiterin und eine Lehrerin geschmiedet hatten; am 21. Februar 2000 wird eine Schülerin festgenommen, die ein Handgranaten-Massaker an ihrer Schule geplant haben soll.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die "Tatort"-Reihe als Form der Zeitgeschichtsschreibung zu analysieren und deren Integration von aktuellen gesellschaftlichen Realitäten zu verdeutlichen.
2. DER „TATORT“ IM SPIEGEL DER BUNDESREPUBLIKANISCHEN GESELLSCHAFT: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Sendung sowie die methodischen Grundlagen der Alltags- und Zeitgeschichte zur Untersuchung der fiktionalen Inhalte.
3. TATORT-ANALYSE: Der Hauptteil umfasst die detaillierte Untersuchung von drei Tatort-Folgen ("Gewaltfieber", "Teufelskreis", "Scheherazade") hinsichtlich ihrer Milieudarstellung, Zeitbezüge und filmischen Analysemittel.
4. FAZIT: ZEITGESCHICHTE IM TATORT: Das Fazit fasst zusammen, wie der "Tatort" durch die exemplarische Untersuchung sozialer Kontexte einen Beitrag zur "qualmenden" Zeitgeschichtsschreibung leistet und den Zuschauer zur kritischen Reflexion anregt.
5. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der verwendeten Literatur, Printmedien, Internetquellen und Filmografie.
Tatort, Zeitgeschichte, Alltagsgeschichte, Gesellschaft, Deutschland, Gewalt, Schule, Rechtsextremismus, Terrorismus, 11. September, Verschwörungstheorien, Medienwissenschaft, Sozialgeschichte, Fernsehen, Kriminalistik
Die Arbeit untersucht den "Tatort" nicht nur als Krimiserie, sondern als ein Archiv der bundesdeutschen Gegenwartsgeschichte, indem sie analysiert, wie aktuelle politische und soziale Themen in die fiktiven Fälle der Kommissare integriert werden.
Die Arbeit fokussiert sich auf drei spezifische gesellschaftliche Problemfelder: Gewalt an Schulen, das Erstarken des Rechtsradikalismus in den neuen Bundesländern sowie die globalen Auswirkungen des 11. Septembers auf die Gesellschaft und Außenpolitik.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das fiktionale Format "Tatort" trotz seiner Unterhaltungsfunktion zur dokumentarischen Aufarbeitung von Zeitgeschichte beiträgt und gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt.
Die Autorin kombiniert medienwissenschaftliche Analysemethoden, wie das Sequenzprotokoll, mit geschichtswissenschaftlichen Ansätzen der Alltagsgeschichte nach Alf Lüdtke, um die Verbindung zwischen fiktionalem Mord und realen gesellschaftlichen Strukturen zu untersuchen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Fallanalyse von drei ausgewählten Tatort-Folgen (Ludwigshafen, Leipzig, Bremen), inklusive Milieustudien, der Untersuchung von Zeitbezügen und einer sequenziellen Analyse der filmischen Umsetzung.
Wichtige Begriffe sind Zeitgeschichte, Alltagsgeschichte, Rechtsradikalismus, Gewaltprävention, gesellschaftlicher Wandel, mediale Authentizität und die Analyse der Kommissarsfiguren als Vermittler zwischen Fiktion und Realität.
Die Analyse der Folge "Teufelskreis" zeigt, wie der "Tatort" rechtsextreme Gruppierungen und die damit verbundene demagogische Ideologie sowie die Rolle des Verfassungsschutzes authentisch darstellt, um die Gefahren für die demokratische Gesellschaft offenzulegen.
Die Autorin schlussfolgert, dass der "Tatort" zwar kein allgemein gültiges Gesellschaftsbild zeichnen kann, aber als "Werkstattbericht von außen" einen wertvollen Beitrag zur kritischen Aufarbeitung aktueller Zeitgeschichte leistet, indem er beim Zuschauer Nachdenklichkeit erzeugt.
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