Bachelorarbeit, 2007
62 Seiten, Note: 4,5 (CH)
1. Tabu – Eine Begriffsdefinition
2. Sexuelle Ausbeutung an Jungen
2.1 Geschichtliches
2.2 Definitionen
2.3 Ausmass und Umstände
3. Jungensozialisation
3.1 Sozialisation und Männerrolle
3.2 Die Entwicklung vom Baby zum Jungen
3.2.1 Der Einfluss der Mütter
3.2.2 Der Einfluss der (fehlenden) Väter
3.2.3 Einfluss von Kindergarten / Schule / Spielzeug / Peergroup
3.3 Begünstigung der Sozialisation für die sexuelle Ausbeutung von Jungen
4. Täter und Täterinnen
4.1 Zahlen / Fakten / Daten
4.2 Strategien der Täter / Täterinnen
4.2.1 Exkurs: Geschlechtsspezifische Strategien von Täterinnen in Institutionen
4.3 Exkurs: Tabu Täterin
5. Folgen und Bewältigungsstrategien
5.1 Initialfolgen
5.2 Langzeitfolgen
5.3 Bewältigungsstrategien
6. Auswirkungen der Unsichtbarkeit der sexuellen Ausbeutung an Jungen auf die Soziale Arbeit
6.1 Das Schweigen der Jungen und der erwachsenen männlichen Opfer
6.2. Wahrnehmungsblockaden der Professionellen
7. Schlussfolgerungen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, warum sexuelle Ausbeutung an Jungen im deutschsprachigen Raum ein gesellschaftliches Tabu darstellt, und analysiert, wie geschlechtsspezifische Sozialisationsmuster männliche Betroffene zum Schweigen bringen sowie professionelle Hilfeangebote behindern.
3.1 Sozialisation und Männerrolle
Über Jahrtausende hat sich der Mann über seine Rolle als Eroberer und Ernährer definiert. Tugenden wie Kraft, Stärke, Autonomie wurden mit seiner Arbeit verbunden. Noch heute gilt das traditionelle Muster der Männlichkeit: ein Mann ist stark, kennt keine Schmerzen und erobert die Welt, zeigt möglichst keine Gefühle, denn das wäre ein Zeichen von Schwäche und diese wird negativ bewertet. Die Sozialisation zu solch einem «harten Mann» führt zu der Schwierigkeit oder gar Unfähigkeit, über Gefühle und sich selbst zu sprechen oder sich jemandem mit seinen Ängsten und Nöten anzuvertrauen. Ein Mann muss sich im Griff haben und seine Probleme mit sich selbst klären, was oft zur Einsamkeit führt, gepaart mit der Angst verlassen zu werden.
Bange & Enders (2000) beschreiben die Erwartungen unserer Gesellschaft an einen Jungen und einen Mann folgendermassen:
«Ein Junge sollte seinen Körper disziplinieren, sportlich und durchtrainiert sein, Schmerzen ertragen können, mutig sein, sich gegen körperliche Angriffe wehren, alles unter Kontrolle haben, etwas leisten, eine Arbeit haben, viel Geld verdienen, anderen überlegen sein (vor allem Frauen), sich gegen Konkurrenten durchsetzen können, unabhängig und autonom sein, mächtig sein, aktiv sein, risikobereit sein, seine Gefühle unter Kontrolle haben, sexuell potent und aktiv sein, Sexualität mit Frauen haben, viel Alkohol vertragen können, seiner Familie Ehre machen, rational und logisch handeln. Ein Junge darf keine Schmerzen zeigen, keine Angst haben, keine Probleme haben, nicht krank sein, nicht weinen, nicht zärtlich zu anderen Männern sein, sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sich nicht sexuell missbrauchen lassen, andere nicht um Hilfe bitten».
1. Tabu – Eine Begriffsdefinition: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Tabu“ soziologisch als Mechanismus zur Unterdrückung von Diskursen innerhalb von Bezugssystemen.
2. Sexuelle Ausbeutung an Jungen: Hier wird der historische Kontext sowie die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition beleuchtet und das Ausmaß anhand von Dunkelfeldstudien aufgezeigt.
3. Jungensozialisation: Dieses Kapitel erläutert, wie geschlechtsspezifische Erziehung und Rollenbilder (Männlichkeit) Jungen prägen und zu einer Tabuisierung ihrer Opferrolle beitragen.
4. Täter und Täterinnen: Das Kapitel analysiert die Strategien von Tätern und Täterinnen, wobei ein besonderer Fokus auf dem „Grooming“-Prozess und der geschlechtsspezifischen Täterschaft liegt.
5. Folgen und Bewältigungsstrategien: Es werden psychische und physische Folgen der sexuellen Ausbeutung sowie die oft defizitären Bewältigungsstrategien männlicher Opfer untersucht.
6. Auswirkungen der Unsichtbarkeit der sexuellen Ausbeutung an Jungen auf die Soziale Arbeit: Dieses Kapitel verdeutlicht, wie das Schweigen der Opfer und Wahrnehmungsblockaden bei Professionellen in einer negativen Wechselwirkung stehen.
7. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass ein Perspektivwechsel und eine politische Sensibilisierung notwendig sind, um Jungen als Opfer ernst zu nehmen und Hilfsangebote zu etablieren.
Sexuelle Ausbeutung, Jungensozialisation, Männlichkeit, Tabu, Täterstrategien, Opfer, Soziale Arbeit, Geschlechtsrollen, Traumatisierung, Wahrnehmungsblockade, Gewalt, Schweigen, Grooming, Identitätsbruch, Prävention.
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Tabuisierung von sexueller Ausbeutung an Jungen und die Konsequenzen dieser Tabuisierung für die betroffenen Männer und die Soziale Arbeit.
Die Schwerpunkte liegen auf der Jungensozialisation, der Psychologie von Tätern und Täterinnen, den Folgen für die Opfer sowie den Wahrnehmungsbarrieren innerhalb professioneller Hilfesysteme.
Das Ziel ist es, auf das oft übersehene Leiden männlicher Opfer aufmerksam zu machen und die Ursachen für das kollektive Wegsehen in Gesellschaft und Fachwelt zu ergründen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien (einschließlich Dunkelfeldstudien) und soziologischer Theorien zur Geschlechtersozialisation.
Der Hauptteil analysiert, wie das männliche Rollenbild Jungen daran hindert, ihre Opfererfahrungen zu äußern, und wie Täter dieses Wissen zur Isolation ihrer Opfer ausnutzen.
Zentrale Begriffe sind sexuelle Ausbeutung, Jungensozialisation, männliche Opfererfahrungen, Täterstrategien und Wahrnehmungsblockaden.
Dies liegt vor allem an der tief verwurzelten Vorstellung von Männlichkeit als Stärke, die nicht mit der Verletzlichkeit eines Opfers in Einklang gebracht werden kann.
Das Tabu um weibliche Täterinnen erschwert die Aufarbeitung zusätzlich, da sie oft maskiert als helfende Fachkraft agieren oder ihre Täteranteile durch Manipulation von Institutionen verschleiern.
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