Bachelorarbeit, 2008
46 Seiten, Note: Gut
1 Einleitung
2 „Demaskierung des Bewusstseins“
2.1 Haupt- und Nebentexte
2.1.1 Der Dialog
2.1.2 Die Stille
2.2 Bildungsjargon
2.3 Kitsch
2.4 Bemühen um Individualität
3 „Demaskierung“ in der Komödie Zur Schönen Aussicht
3.1 Realistische Vorbilder, soziale Problematik und Thematik
3.2 Titel, Szenentexte und Handlungsanweisungen
3.3 Figurenanalyse
3.3.1 Ada, Freifrau von Stetten
3.3.2 Strasser
3.3.3 Christine
3.3.4 Müller
3.3.5 Karl
3.3.6 Max
3.3.7 Emanuel, Freiherr von Stetten
3.4 Bildungsjargon
3.4.1 Bildungszitate
3.4.2 Bildungssprachlicher Pathos
3.4.3 Fremdwörter
3.4.4 Klischee
3.4.5 Floskeln und Sprichwörter
3.4.6 Lyrismen
3.5 Kitsch
3.6 Auf der Suche nach Identität
4 „Demaskierung“ im Volksstück Italienische Nacht
4.1 Soziale Problematik und geschichtlicher Hintergrund
4.2 Titel, Szenentexte und Handlungsanweisungen
4.3 Figurenanalyse
4.3.1 Martin
4.3.2 Stadtrat Ammetsberger
4.3.3 Karl
4.3.4 Anna
4.4 Bildungsjargon
4.4.1 Bildungszitate
4.4.2 Bildungssprachlicher Pathos
4.4.3 Fremdwörter und Idiome
4.4.4 Klischee
4.4.5 Floskeln
4.4.6 Kalauer
4.4.7 Intertexte
4.5 Kitsch
4.6 Unterdrückung der Frau
4.7 „Homo homini lupus“ – Freud im Volksstück Italienische Nacht
5 Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht die frühen Werke Ödön von Horváths, "Zur schönen Aussicht" und "Italienische Nacht", im Hinblick auf den Prozess der „Demaskierung des Bewusstseins“. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Figuren, der Sprache und der dramaturgischen Mittel aufzuzeigen, wie Horváth die Diskrepanz zwischen dem Schein einer bürgerlichen Fassade und der Wirklichkeit des triebgesteuerten Massenmenschen demaskiert.
3.3.1 Ada, Freifrau von Stetten
Ada, ist eine Mittfünfzigerin, die von ihrer Angst vor Einsamkeit dazu getrieben wird, sich die Männer im Hotel quasi als Sklaven zu halten. Durch ihre begünstigte finanzielle Lage schafft sie es die Geschlechterverhältnisse ihrer Zeit umzukehren – sie macht die männlichen Figuren zu Objekten, zu „Gegenständen“ (ZsA, 195), die sich für sie prostituieren. Dargestellt wird sie von Horváth als „aufgebügeltes, verdorrtes, weibliches Wesen mit Torschlußpanik“ (ZsA, 141), das unbedingt als begehrenswert wahrgenommen werden will – sie verleugnet also ihre wahre Identität. Außerdem versucht sie die Welt um sich herum ihrem Stand anzupassen. Der Müller wird zum Generaldirektor, der schlampige Kellner Max zum Ober in Frack, etc. Ada verkörpert nicht Horváths naive Fräuleingestalt, von Männern, sowohl finanziell als auch emotional abhängig, sondern wohl eher das lüsterne Weib. Sie ist in gewisser Weise als Antagonistin Christines zu sehen. Allerdings ist Gamper der Ansicht, dass „Ada, wie sie im geisterhaften Gespräch um Mitternacht schlicht und unverstellt hervortritt, sogar als einzige reale Person das begriffen [hat], wofür Christine im überpersonalen Bezugssystem einsteht“:
ADA […] Ich huste ja meine Seele hinaus – Sag: liebst du mich?
KARL rülpst: Ja.
ADA Aber nicht nur meinen Leib, meine Reize – auch meine Seele, nicht?
KARL Auch deine Seele. […]
ADA reißt sich los von Karl: Pfui! Jetzt war ich wieder sentimental, was?
KARL Das ist die Liebe, Gretchen.
ADA Ich schäme mich. Ich schäme mich! Nein! Das muß ich vergessen! Komm! Ich habe Durst! (ZsA, 157f.)
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Demaskierung bei Horváth ein und erläutert die methodische Herangehensweise anhand von Dialogtechnik, Kitsch und Bildungsjargon.
2 „Demaskierung des Bewusstseins“: Es werden die theoretischen Grundlagen des Bewusstseinskampfes bei Horváth, die Bedeutung von Haupt- und Nebentexten sowie die Rolle von Bildungsjargon und Kitsch erläutert.
3 „Demaskierung“ in der Komödie Zur Schönen Aussicht: Dieses Kapitel widmet sich der Figurenanalyse, der Bedeutung von Sprachmitteln und der Identitätsproblematik im spezifischen Kontext der Komödie.
4 „Demaskierung“ im Volksstück Italienische Nacht: Hier liegt der Fokus auf der Analyse der politischen Dynamik, der Frauenrollen und der psychologischen Einflüsse (Freud) im Volksstück.
5 Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden synthetisiert und verdeutlichen Horváths realistische, jedoch satirisch überzeichnete Darstellung der menschlichen Triebhaftigkeit.
Demaskierung des Bewusstseins, Ödön von Horváth, Volksstück, Komödie, Bildungsjargon, Kitsch, Identitätsverlust, Triebhaftigkeit, Sprachkomik, Fassadendramaturgie, Kleinbürgertum, Freud, Psychoanalyse, Zur schönen Aussicht, Italienische Nacht
Die Arbeit untersucht, wie Ödön von Horváth in seinen Stücken "Zur schönen Aussicht" und "Italienische Nacht" das Bewusstsein seiner Figuren demaskiert, um die Lücke zwischen deren Anspruch und der Wirklichkeit aufzudecken.
Die zentralen Themen sind Sprachkritik, Identitätssuche, Geschlechterverhältnisse, politischer Opportunismus und die Darstellung des Kleinbürgertums im Kontext der Zwischenkriegszeit.
Das Ziel ist es, die Mittel der „Demaskierung“ – wie Dialogführung, den Einsatz von Kitsch und den Bildungsjargon – systematisch zu analysieren und Parallelen in der Figurenkonstellation beider Dramen aufzuzeigen.
Die Autorin nutzt eine textnahe Analyse, die auf literaturwissenschaftlichen Werken über Horváth basiert und zusätzlich psychologische Aspekte, insbesondere Freuds Kulturtheorie, miteinbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine theoretische Einleitung und zwei werkspezifische Analyseblöcke, die jeweils Titel, Handlungsanweisungen, Figurenanalyse und sprachliche Stilmittel (Jargon, Klischee, Pathos) untersuchen.
Neben dem zentralen Begriff der "Demaskierung" prägen Begriffe wie "Fassadendramaturgie", "Sprachlosigkeit", "Identitätsschwäche" und die "Synthese aus Realismus und Ironie" die Arbeit.
Die Figuren leiden unter einer Identitätsunsicherheit und versuchen, diese durch Rollenspiele oder Maskeraden zu kaschieren, was das leitmotivische "Eigentlich bin ich ganz anders" verdeutlicht.
Die Arbeit zeigt auf, dass Horváth die Sozialisten in "Italienische Nacht" nicht positiv hervorhebt, sondern deren Ohnmacht, politische Hohlheit und die Unfähigkeit, Theorie und Praxis zu vereinen, demaskiert.
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