Diplomarbeit, 2006
142 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Ziele, Fragestellung, Hypothesen
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Individuelle Darstellungen in der alpinen Gegenwartsliteratur
2.1 Die Diskursanalyse
2.1.1 Der Begriff ‚Diskurs’
2.1.2 Der Diskursbegriff Foucaults
2.1.3 Die Wissenssoziologische Diskursanalyse
2.1.4 Methodische Umsetzung
2.2 Ziele und Fragestellung der Untersuchung
2.3 Datenkorpus
2.3.1 Reinhold Messner – Eroberer des Nutzlosen
2.3.2 Hans Kammerlander – Der Bergsüchtige
2.3.3 Helga Hengge – Die Erlebnisbergsteigerin
2.3.4 Jon Krakauer – Der Besessene
2.3.5 Kurt Diemberger – Auf der Suche nach dem Ungewissen
2.4 Datenauswertung
2.4.1 Erlebnissuche und Abenteuer in einer Gegenwelt
2.4.2 Herausforderung und Grenzsuche
2.4.3 Identität durch Sinngebung
2.4.4 Angst, Risiko und Lust
2.4.5 Leistungsorientierung, Konkurrenz, Prestige
2.4.6 Körpererleben
2.4.7 Verhältnis zur Natur
2.5 Verdichtung und Thesenbildung
3. Alpinismus als modernes Phänomen
3.1 Die Entwicklung
3.1.1 Der Präalpinismus
3.1.2 Der frühe Alpinismus
3.1.3 Der klassische Alpinismus
3.1.4 Der Alpinismus des 20. Jahrhunderts
3.1.5 Zusammenfassung
3.2 Höhenbergsteigen als Phänomen der Moderne
3.2.1 Kennzeichen von Moderne und Modernisierung
3.2.2 Folgen der Moderne
3.2.2.1 Funktionale Differenzierung
3.2.2.2 Dynamik
3.2.2.3 Individualisierung
3.2.3 Höhenbergsteigen als Antwort auf die Moderne
3.2.3.1 Lebendigkeit im Abenteuer
3.2.3.2 Selbstermächtigung und Subjektaufwertung
3.2.3.3 Fluchtpunkt Gesellschaftsumwelt
3.2.3.4 Die Herstellung von Individualität und Distinktion
3.2.3.5 Inszenierte Körperlichkeit
3.2.3.6 Eindeutiges und evidentes Handeln
3.2.3.7 Wiederaneignung der Zwischenräume
3.2.3.8 Rückeroberung der Gegenwart
3.2.4 Zusammenfassung
4. Zwischenfazit
5. Interviews mit aktiven Höhenbergsteigern
5.1 Methodendarlegung
5.1.1 Erhebungsinstrument - Narratives Interview
5.1.2 Auswahl und Kontaktaufnahme
5.1.3 Fragenkatalog
5.1.4 Transkriptionsverfahren
5.1.5 Interpretationsverfahren – Qualitative Inhaltsanalyse
5.2 Interviewauswertung
5.2.1 Allgemeine Angaben
5.2.2 Auswertung: Bedeutung alpinistischer Literatur
5.2.3 Auswertung: Erlebnissuche und Abenteuer
5.2.4 Auswertung: Herausforderung und Grenzsuche
5.2.5 Auswertung: Identität durch Sinngebung
5.2.6 Auswertung: Angst und Risiko
5.2.7 Auswertung: Leistungsorientierung, Konkurrenz, Prestige
5.2.8 Auswertung: Körpererleben
5.2.9 Auswertung: Verhältnis zur Natur
6. Diskussion
7. Resümee
Die Arbeit untersucht das Phänomen des extremen Höhenbergsteigens vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Moderne. Ziel ist es zu ergründen, warum Menschen sich der Gefahr des Bergsteigens aussetzen und ob dies als Reaktion auf Defiziterfahrungen im modernen Alltag verstanden werden kann.
2.3.1 Reinhold Messner – Eroberer des Nutzlosen
Messner bezeichnet seine Unternehmungen als Grenzgänge. Diese definiert er „...als die Kunst, in möglichst großen Schwierigkeiten zu überleben. Es muss schwierig sein, es muss anstrengend sein, und gefährlich. Ich muss ausgesetzt sein – sonst bin ich im Als-ob Gefahrenraum.“ Die Kunst im Grenzgang besteht für Messner darin, anstrengende, ausgesetzte und lebensgefährliche Situationen zu überleben, im Umgang mit Ungewissem Selbstgewissheit zu erlangen, das Unmögliche zu ermöglichen, Abschied vom Leben nehmen zu können, um an diesem Umkehrpunkt sein Leben neu zu erfinden. Deshalb ist für ihn das Ziel, den Gipfel zu erreichen, sekundär. „Wenn ich aus einem Grenzgang heil heraus komme, habe ich Erfolg gehabt.“ Für den Grenzgang wird eine möglichst ursprüngliche Natur mit all ihren Gefahren benötigt und aufgesucht. Um diese Wildnis zu erhalten und um aus dem Überleben als Kunst kein Spiel werden zu lassen, versagt sich Messner bestimmte Technologien, wie etwa das Anbringen von Bohrhaken oder das Benutzen von Sauerstoffmasken. Im Grenzgang wird daher Risiko durch Verzicht inszeniert, um den Reiz einer ekstatischen Existenz zurückzugewinnen.
„Da mit Hilfe der Technologie heute jeder Winkel der Erde zugänglich ist, heißt es beim Grenzgang mehr und mehr auf technologische Hilfen zu verzichten.“ Die eingegangenen Risiken sollen durch die extremen menschlichen Anstrengungen sichtbar werden. Dabei wird jedoch nicht jeglicher Technik entsagt, sondern andere Techniken werden wieder entdeckt. Diese Techniken und Technologien stehen im Zusammenhang mit der Neuerfindung des Selbsttechnischen im Bereich der menschlichen Höchstleistung. Nach Caysa und Schmid ist damit eine Rückkehr zu Techniken verbunden, die ein Subjekt auf sich und sein eigenes Leben wenden kann, um Lebenskunst zu verwirklichen. Extreme Risikopraktiken sind derartige Selbsttechnologien, die darauf basieren, dass die Angst vor dem Tod, die Angst vor der Angst selbst als Reiz oder Lust behandelt wird, um die Überwindung der Grenzen zu ermöglichen.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des extremen Bergsteigens, die Ziele der Arbeit sowie die Fragestellungen.
2. Individuelle Darstellungen in der alpinen Gegenwartsliteratur: Analyse der Motive und Konzepte von Alpinisten mittels Diskursanalyse populärer Literatur.
3. Alpinismus als modernes Phänomen: Historische Entwicklung des Alpinismus und Einordnung in den Kontext von Moderne und Modernisierungsprozessen.
4. Zwischenfazit: Zusammenführung der bisherigen diskursanalytischen Erkenntnisse zu einem Leitbild des Höhenbergsteigens.
5. Interviews mit aktiven Höhenbergsteigern: Empirische Überprüfung der theoretischen Erkenntnisse durch narrative Interviews mit aktiven Bergsteigern.
6. Diskussion: Vergleich der Interviewergebnisse mit den theoretisch erarbeiteten Motiven der Protagonisten.
7. Resümee: Zusammenfassendes Fazit über das Bergsteigen als Produkt der Moderne und Ausdruck privater Sinnsuche.
Alpinismus, Höhenbergsteigen, Moderne, Diskursanalyse, Abenteuer, Risiko, Wagnis, Identität, Selbstermächtigung, Sinngebung, Körpererleben, Distinktion, Entbettung, Individualisierung, Gegenwelt.
Die Diplomarbeit untersucht die soziologischen Hintergründe des extremen Höhenbergsteigens. Dabei wird analysiert, inwiefern dieses Handeln eine Reaktion auf gesellschaftliche Bedingungen der Moderne darstellt.
Die zentralen Felder umfassen die Diskursanalyse alpinistischer Literatur, die historische Genese des Alpinismus sowie soziologische Konzepte zur Moderne, wie Inklusion/Exklusion, Individualisierung und Entbettung.
Das primäre Ziel ist es, die Motive des extremen Bergsteigens zu verstehen und herauszufinden, ob dieses Handeln als eine Form der Sinnsuche oder Gegenwelt zur modernen Gesellschaft interpretiert werden kann.
Die Arbeit nutzt die wissenssoziologische Diskursanalyse zur Auswertung populärer Bergliteratur und die qualitative Inhaltsanalyse (nach Mayring) für die Auswertung narrativer Interviews.
Der Hauptteil analysiert zum einen die Motive bekannter Protagonisten (Messner, Kammerlander etc.) und prüft diese Ergebnisse anschließend durch empirische Interviews mit aktiven Bergsteigern.
Schlüsselbegriffe sind Alpinismus, Abenteuer, Risiko, Identität, Individualisierung und Moderne.
Die Arbeit zeigt, dass Bergsteiger das extreme Handeln nutzen, um in einer zunehmend durch Routine und Sicherheit geprägten Gesellschaft durch „Grenzgänge“ ein Gefühl von Lebendigkeit, Selbstwirksamkeit und Identität zu erzeugen.
Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Bergsteigen kein radikaler Protest gegen die Moderne ist, sondern eine Praxis innerhalb der Moderne, die deren Bedingungen nutzt, um kurzfristig aus deren Zwängen auszubrechen.
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