Examensarbeit, 2009
95 Seiten, Note: 1.0
1 „Leben und Zugrundegehen“
2 Allgemeine Überlegungen zur Todesthematik im Werk von Anna Seghers
3 Werkanalyse
3.1 Frühwerk – Die Flucht aus dem gewöhnlichen Leben
3.1.1 Grubetsch – „Gewöhnliche Tode“
3.1.1.1 Anna
3.1.1.2 Grubetsch
3.1.2 Aufstand der Fischer von St. Barbara – Selbstverwirklichung im Moment des Todes
3.1.2.1 Kedennek
3.1.2.2 Andreas Bruyn
3.1.2.3 Marie
3.1.3 Die Gefährten – Tod als Märtyrer
3.1.3.1 Märtyrer
3.2 Exilwerk – „Der eiserne Bestand“
3.2.1 Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok – Tod und Freiheit
3.2.2 Das siebte Kreuz – Der Tod als Prüfstein humaner Werte
3.2.2.1 Bachmann und Wallau
3.3 Spätwerk – Die Suche nach der Identität
3.3.1 Der Prophet – Selbstbehauptung im Tod
3.3.2 Überfahrt – Tod durch Identitätsverlust
4 Die zukunftsweisende Funktion des Todesmotivs im Werk von Anna Seghers
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Todesmotivs im Werk von Anna Seghers und analysiert, wie die Autorin den Todesmoment nutzt, um das Innere ihrer Figuren sowie ihre humanistischen und sozialistischen Ideale darzustellen und weiterzuentwickeln.
3.1.1 Grubetsch – „Gewöhnliche Tode“
„Ein böser Hof, und in dem Hof ein Mann, der es versteht, die geheimen Wünsche der Menschen nach Zugrundegehen zu erraten und jedem in seiner Weise zu erfüllen.“ Mit diesen Worten beschreibt Anna Seghers ihre erste Erzählung, die sie 1927 veröffentlichte. Die Erzählung handelt von einem verwahrlosten Hof, dessen Bewohner in Armut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt am Rande des sozialen Abgrundes leben. Die Menschen im Hof verbringen ihren Alltag in Trägheit, Abgestumpftheit und Langeweile. Sie gehen keiner sinnvollen Beschäftigung nach und es fehlt ihnen jegliche Perspektive auf eine Besserung ihrer Lebenssituation.
Einmal im Jahr kehrt ein Mann namens Grubetsch zur Überwinterung in den Hof zurück, da er die restliche Zeit als Flößer auf dem nahegelegenen Fluss arbeitet. Die jährliche Rückkehr des Fremden bedeutet für die Bewohner des Hofes stets etwas Außergewöhnliches in ihrem trostlosen Alltag, dessen einzige Abwechslung der Besuch von „Munks Schenke“ ist. Obwohl Grubetsch als ein „blasser, unansehnlicher“ und alles andere als ein groß gewachsener Mann bezeichnet wird, übt er eine große Anziehungskraft auf jeden der Bewohner aus. Die Hofbewohner verbringen ihre Zeit mit Herumlungern, Langeweile und Warten auf einen ersehnten Umschwung, der eine Veränderung der gegebenen Zustände zur Folge hätte. Im Gegensatz zu späteren Werken begreift Anna Seghers in dieser Sehnsucht nach Veränderung der Verhältnisse jedoch nicht den Gedanken der sozialen Revolte, sondern eine rein menschlich motivierte Flucht aus dem gewöhnlichen Leben.
1 „Leben und Zugrundegehen“: Einleitende Betrachtung von Seghers' Verständnis von Dasein, das zwischen Schattenhaftigkeit in hoffnungslosen Zeiten und der vollen Möglichkeit der menschlichen Entfaltung in revolutionären Zeiten unterscheidet.
2 Allgemeine Überlegungen zur Todesthematik im Werk von Anna Seghers: Theoretische Grundlegung der Untersuchung, die Todesszenen als entscheidende Indikatoren für das Menschenbild und die marxistisch geprägte Weltanschauung der Autorin identifiziert.
3 Werkanalyse: Detaillierte Untersuchung ausgewählter Werke aus den verschiedenen Schaffensphasen Seghers' zur Verifizierung der Thesen bezüglich der Funktion des Todesmotivs.
4 Die zukunftsweisende Funktion des Todesmotivs im Werk von Anna Seghers: Synthese der Ergebnisse, die den Tod als Moment der Bewährung und als Mittel zur Stärkung eines humanistischen Optimismus im Kampf gegen Unterdrückung darstellt.
Anna Seghers, Todesmotiv, Humanismus, Sozialismus, Selbstverwirklichung, Identität, Exilwerk, Frühwerk, Existenzphilosophie, Bewährung, Widerstand, Unterdrückung, Literaturanalyse, Märtyrertod, Menschenbild.
Die Arbeit analysiert die spezifische Bedeutung und Funktion des Todesmotivs in den literarischen Werken von Anna Seghers, um Einblicke in ihr Menschenbild und ihre politische Philosophie zu gewinnen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der menschlichen Selbstbehauptung im Angesicht des Todes, das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft sowie der Einfluss politischer und philosophischer Strömungen auf das Schreiben der Autorin.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Seghers durch die literarische Gestaltung des Todes die innere Stärke und den "festen Kern" ihrer Figuren als Basis für sozialen Widerstand darstellt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse durchgeführt, die biographische Kontexte sowie existenzphilosophische und marxistische Deutungsansätze in die Interpretation einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Analyse des Frühwerks, der Exilwerke und des Spätwerks, wobei die Sterbemomente der Protagonisten als Schlüsselszenen für ihre individuelle Identitätsfindung fungieren.
Die wichtigsten Begriffe sind Todesmotiv, Humanismus, marxistische Todesdeutung, Identität, Widerstandskraft und Seghers' spezifische Ästhetik des Todes.
Der "eiserne Bestand" beschreibt die unzerstörbaren menschlichen Grundwerte, die den Individuen in Krisenzeiten die moralische Kraft verleihen, nicht an Unterdrückung zu zerbrechen.
Im Frühwerk dient der Tod als drastische Zäsur, um die Leere und Sinnlosigkeit eines Lebens ohne echte Perspektive oder Widerstandskraft offenzulegen.
Im Spätwerk wird der Tod stärker mit der Frage der Identitätsbehauptung und der individuellen Bewältigung von gesellschaftlichen Umbrüchen in der DDR-Gegenwart verknüpft.
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