Diplomarbeit, 2002
151 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Wurzeln und Hintergründe
2.1 Fachliche Wurzeln der Sozialraumorientierung
2.1.1 Die Wurzel der Gemeinwesenarbeit
2.1.2 Das Konzept der Lebensweltorientierung
2.1.3 Dienstleistungsorientierung
2.1.4 Die Diskussion um Flexibilisierung der Erziehungshilfen
2.2 Die Kostendiskussion
2.2.1 Die Entwicklung der kommunalen Haushalte
2.2.2 Die Kostenentwicklung in der Jugendhilfe
2.2.3 Verwaltungsmodernisierung und Neue Steuerung
3 Zielsetzungen und programmatischer Anspruch
3.1 Kostendämpfung
3.2 Steigerung von Effektivität, Effizienz und Qualität
3.3 Prävention statt Reaktion
3.4 Kooperation statt Konkurrenz
3.5 Vernetzung und Integration der Hilfen statt spezialisierte, „versäulte“ Hilfen
3.6 Lernende Organisationen statt verkrusteter Trägerstrukturen
3.7 Demokratisierung des Gemeinwesens statt professioneller Entmündigung
4 Finanzierungsinstrumente in der sozialen Arbeit
4.1 Zuwendungen/Förderfinanzierung
4.2 Pflege- und Kostensätze
4.3 Leistungsverträge
5 Analyse von Budgetierungsmodellen
5.1 Beschreibende Analyse
5.1.1 Die wesentlichen Bestimmungsmerkmale
5.1.2 Die Vorgabe: der KGSt-Bericht zum Kontraktmanagement
5.1.3 Vorstellung der Praxismodelle
5.1.3.1 Landkreis Tübingen
5.1.3.2 Das Neunkircher Modell
5.1.3.3 Das Stuttgarter Modell
5.1.4 Gegenüberstellung und Diskussion der Praxismodelle und des KGSt-Modells
5.2 Analyse und Diskussion von Budgetierungsmodellen aus verschiedenen Perspektiven
5.2.1 Analyse aus Sicht der Leistungsempfänger
5.2.1.1 Die rechtliche Dimension
5.2.1.2 Die fachliche Dimension
5.2.1.3 Zusammenfassung
5.2.2 Analyse aus Sicht der Träger
5.2.2.1 Die rechtliche Dimension
5.2.2.2 Das Wechselspiel zwischen fachlicher und wirtschaftlicher Dimension
5.2.3 Analyse aus Sicht der sozialpädagogischen Fachkräfte
5.2.4 Analyse aus Sicht des sozialen Raums
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken der Sozialraumbudgetierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Im Fokus steht die Frage, inwieweit neuartige Finanzierungs- und Organisationsmodelle, die auf sozialräumliche Orientierung setzen, die derzeitige Jugendhilfepraxis – insbesondere im Bereich der Erziehungshilfen – beeinflussen und ob diese Modelle zur Lösung bestehender Organisationsprobleme beitragen können, ohne dabei den fachlichen Anspruch an bedarfsgerechte Hilfe zu gefährden.
2.1.1 Die Wurzel der Gemeinwesenarbeit
Eine Begründungslinie wird in der Tradition der Gemeinwesenarbeit gesehen (vgl. bspw. Olk in JSB 2000, S. 12 f, Wolff in EREV 2000, S. 7 f) und verweist damit auf die Entstehungsgeschichte der Sozialen Arbeit. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in den armen Arbeitervierteln in England die settlements. Ausgangspunkt der settlements war die soziale Notlage breiter Bevölkerungsschichten, die durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden war. Ziel der settlements, die v.a. von Kirchen und Intellektuellen getragen wurden, war dem entsprechend, einerseits materielle und immaterielle Hilfsleistungen zu organisieren, andererseits aber auch Einfluß auf die entstehende Sozialgesetzgebung zu nehmen, um die Notlagen der Armen und Arbeiter nachhaltig zu verbessern (vgl. Wolff 2000, S. 7). Im Kontext von Sozialraumorientierung ist die Bewegung der settlements insofern bemerkenswert, als sie für eine Richtung innerhalb der Sozialen Arbeit steht, die den Hauptfokus nicht primär auf die Hilfe im Einzelfall legt, sondern in der durch bürgerschaftliches Engagement, Bildung und Einmischung in die Sozialpolitik, Reformen und sozialer Wandel im Sinne besserer Lebensverhältnisse erreicht werden sollte (vgl. Wendt 1995, S. 150 ff).
Dabei ging es der Bewegung auch um eine ethische Erneuerung im Sinne einer „moralischen Ökonomie“ und ausgleichenden Gerechtigkeit entgegen dem Egoismus einer schrankenlosen Wirtschaftsfreiheit und ihrer sozialen Folgen. Ein zentrales Merkmal der Konzeption ist im Kooperationsgedanken zu sehen: Kooperation bzw. die Erziehung zur Kooperation wurde als zentrales Prinzip des Ausgleichs innerhalb einer als gespalten erlebten Gesellschaft gesehen. Kulturelle Veranstaltungen, in denen Geselligkeit die zentrale Rolle spielte, wurden innerhalb der Armenviertel initiiert. Daneben wurden eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten gestartet, bspw. eine Gesellschaft für gefallene Mädchen gegründet, Spielplätze gebaut, Erholungsverschickungen initiiert, Jugendtreffs und eine Rechtsberatungsstelle eingerichtet. All diese Beispiele belegen den Ansatzpunkt der settlements, in der soziale Arbeit als Arbeit an einer sozialen und kulturellen Infrastruktur zu verstehen sei, die v.a. die Lebensverhältnisse und nicht ausschließlich den einzelnen Fall in den Blick nimmt.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Sozialraumbudgetierung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Darlegung der Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2 Wurzeln und Hintergründe: Darstellung der fachlichen Wurzeln (Gemeinwesenarbeit, Lebensweltorientierung, Dienstleistungsorientierung) und des finanziellen Kontextes der Kostendiskussion.
3 Zielsetzungen und programmatischer Anspruch: Analyse der mit der Sozialraumbudgetierung verknüpften Zielsetzungen, wie Kostendämpfung, Effizienzsteigerung und Vernetzung der Hilfen.
4 Finanzierungsinstrumente in der sozialen Arbeit: Überblick über traditionelle Finanzierungsformen und Diskussion der Fachleistungsstunde als steuerungstheoretisch relevantes Instrument.
5 Analyse von Budgetierungsmodellen: Kernkapitel mit detaillierter Beschreibung und Analyse der Praxismodelle Tübingen, Neunkirchen und Stuttgart sowie deren Diskussion aus verschiedenen Akteursperspektiven.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und vorsichtiger Ausblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Sozialraumbudgetierung.
Sozialraumorientierung, Sozialraumbudgetierung, Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfen, Neue Steuerung, Gemeinwesenarbeit, Lebensweltorientierung, Finanzierungsinstrumente, Dienstleistungsorientierung, Budgetmanagement, Jugendhilfeplanung, kommunale Haushalte, Praxismodelle, Trägerstruktur, Fallsteuerung
Die Arbeit analysiert die Einführung neuer Finanzierungs- und Organisationsmodelle in der Kinder- und Jugendhilfe, die unter dem Begriff der Sozialraumbudgetierung zusammengefasst werden. Es wird untersucht, wie sich diese Modelle auf die Praxis der Erziehungshilfen auswirken.
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Wurzeln der Sozialraumorientierung, die ökonomischen Hintergründe der kommunalen Kostendiskussion, die Anwendung von Management-Instrumenten (Neue Steuerung) sowie die Auswirkungen auf unterschiedliche Akteure wie Leistungsempfänger, freie Träger und pädagogische Fachkräfte.
Das Ziel ist die Beschreibung und kritische Analyse ausgewählter Praxismodelle der Sozialraumbudgetierung. Dabei soll geklärt werden, welche Folgen, Auswirkungen und Widersprüche sich aus der Verknüpfung von fachlicher Sozialraumorientierung und betriebswirtschaftlicher Budgetsteuerung für das System der Erziehungshilfen ergeben.
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse und einer vergleichenden Diskussion von Praxismodellen. Neben der Auswertung von Fachliteratur fließen Erkenntnisse aus eigenen Gesprächen und der Teilnahme an Gremiensitzungen (speziell im Modell Neunkirchen) in die Untersuchung ein.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Diskussion der Zielsetzungen und Finanzierungsinstrumente sowie die detaillierte Analyse der Praxisbeispiele (Tübingen, Neunkirchen, Stuttgart) unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven (rechtliche, fachliche und wirtschaftliche Dimensionen).
Die zentralen Begriffe sind Sozialraumorientierung, Sozialraumbudgetierung, Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfen, Neue Steuerung, Gemeinwesenarbeit und Leistungsverträge.
Die Modelle werden genutzt, um die Bandbreite möglicher Umsetzungsformen aufzuzeigen. Dabei unterscheiden sie sich insbesondere in Bezug auf die Trägerexklusivität, die Budgetzusammensetzung und die Einbindung in eine systematische Jugendhilfeplanung, was jeweils unterschiedliche Konsequenzen für die Beteiligten hat.
Der Autor stellt fest, dass die Modelle die Rechtsstellung der Adressaten (z.B. Wunsch- und Wahlrecht) gefährden können. Während rechtlich keine absolute Unvereinbarkeit vorliegt, bewegen sich die Modelle „hart am Rande“ der Unrechtmäßigkeit, da ökonomische Sparzwänge drohen, den Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung faktisch zu schwächen.
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