Magisterarbeit, 2005
65 Seiten, Note: 3,0
I. Einleitung
II. Historiographische Darstellung
1. Südfrankreich im 12. Jahrhundert
1.1 Geographische und politische Lage
1.2 Die wichtigsten Akteure
2. Der Kreuzzug gegen die Katharer
2.1 Das III. Laterankonzil und seine Folgen
2.2 Die Kreuzzugspolitik unter Papst Innozenz III. bis 1215
2.3 Der Albigenserkreuzzug ab 1209
2.3.1 Béziers
2.3.2 Carcassonne
2.3.3 Der Aufstieg Simons von Montfort
2.4 Peter II. von Aragón und seine Rolle während des Albigenserkreuzzuges
2.4.1 Die Schlacht von Muret
2.5 Das IV. Laterankonzil
2.5.1 Die Konsequenzen der Konzilsbestimmungen, der Tod Simons von Montfort und dessen Auswirkungen auf das Kreuzzugsunternehmen
2.6 Die Albigenserpolitik des kapetingischen Königtums
2.7 Das Ende des Territorialkriegs
2.7.1 Der Friedensvertrag von Paris
2.7.2 Das Konzil von Toulouse
2.8 Der Fall Montségurs als Ende der Katharerverfolgung
III. Die „literarische“ Darstellung der Katharerverfolgung
1. Einleitung
1.1 Das sirventes
2. Roger-Raimund Trencavel, Béziers und Carcassonne
3. Peter II. von Aragón und sein Tod
4. Die Rückeroberungskampagne Raimunds VII.
4.1 Beaucaire
4.2 Die 2. Belagerung von Toulouse 1217
4.3 Avignon
5. Der Friedensvertrag
5.1 Okzitanische Reaktion auf den Friedensvertrag von Paris
5.2 Kampf gegen den Friedensvertrag
6. Darstellung der Inquisition
IV. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Albigenserkreuzzug im 13. Jahrhundert durch eine vergleichende Analyse von zeitgenössischer Historiographie und der literarischen Gattung der sirventes. Ziel ist es aufzuzeigen, wie politisch und religiös motivierte Berichterstattung die Wahrnehmung dieses Konflikts prägte und inwiefern sich die offizielle kirchliche Darstellung von der kritischen, oft pro-okzitanischen Perspektive der zeitgenössischen Poeten unterschied.
2. 3. 1 Béziers
VAUX-DE-CERNAY beschreibt in genugtuender Weise, wie schnell und überaus brutal die Stadt Béziers von den Kreuzfahrern eingenommen wurde, da sich die Bewohner der Stadt nicht bereit erklärten, die unter Verdacht stehenden Häretiker herauszugeben. „Die unverzüglich Eindringenden töteten fast alle, von den Jüngsten bis zu den Ältesten, und steckten anschliessend die Stadt in Brand.“ Es ist anzunehmen, dass nicht nur als Häretiker bekannte Stadtbewohner gefordert wurden, sondern auch solche, welche über Reichtum und Einfluss verfügten, da der Antrieb der Kreuzfahrer nicht nur aus einem totalen Sündenerlass bestehen konnte. Vielmehr dürfte dabei die materielle Entschädigung eine wichtige Rolle gespielt haben.
Dieser Gedanke sollte auf alle Fälle nicht vernachlässigt werden und wird deshalb in Kapitel 3.2 nochmals aufgegriffen.
Fast ein Monat nach Kreuzzugsbeginn, am 22. Juli 1209, fiel die Stadt Béziers. Während VAUX-DE-CERNAY das Massaker an der Bevölkerung als gerechte Strafe Gottes bezeichnet, beklagt TUDELA, „rien ne put les sauver […]; pas un, je crois, n‘échappa. Dieu reçoive leurs âmes, s‘il lui plaît, dans son paradis! Je ne crois pas que jamais si sauvage tuerie ait été résolue ni accomplie depuis le temps des Sarrasins“ und kritisiert somit das Vorgehen der Kreuzfahrer als ungerecht.
Schenkt man Tudela Glauben, so vernichteten die Kreuzfahrer nicht nur die gesamte Stadt, sondern auch ihre gesamte Bevölkerung. LAMBERT weist darauf hin, dass „kaum mehr als 10 % der Bevölkerung entweder Häretiker oder Sympathisanten waren,“ was von unzureichend informierten Fußsoldaten zeugt, welche davon ausgingen, eine Hochburg der Häresie zu erobern.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Albigenserkreuzzugs ein und erläutert die methodische Zweiteilung der Arbeit in eine Analyse historiographischer Quellen und lyrischer Troubadour-Dichtungen.
II. Historiographische Darstellung: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die politischen und religiösen Hintergründe des Kreuzzugs, von der Machtpolitik der Grafen von Toulouse bis hin zum IV. Laterankonzil und den rechtlichen Folgen für die Region.
III. Die „literarische“ Darstellung der Katharerverfolgung: Hier wird untersucht, wie zeitgenössische sirventes als politisches Sprachrohr dienten, um den Widerstand gegen die Kreuzfahrer zu thematisieren und Ereignisse wie die Belagerung von Beaucaire oder den Tod Simons von Montfort zu verarbeiten.
IV. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit resümiert die Unterschiede zwischen den kirchlich orientierten Chroniken und der kritischen Dichtung der Troubadoure hinsichtlich der Wahrnehmung und Rechtfertigung des Konflikts.
Albigenserkreuzzug, Katharer, Languedoc, Troubadoure, Sirventes, Grafschaft Toulouse, Simon von Montfort, Innozenz III., Laterankonzil, Okzitanien, Häresie, Inquisition, Mittelalter, Territorialkrieg, Peter II. von Aragón
Die Arbeit analysiert den Albigenserkreuzzug des 13. Jahrhunderts, wobei sie insbesondere untersucht, wie dieses Ereignis sowohl in kirchlich geprägten Chroniken als auch in der satirischen Lyrik der Troubadoure, den sogenannten sirventes, dargestellt und reflektiert wurde.
Zentrale Themen sind die machtpolitischen Konflikte im mittelalterlichen Südfrankreich, der Gegensatz zwischen religiöser Verfolgung und territorialer Eroberung sowie die literarische Auseinandersetzung mit diesen historischen Umbrüchen.
Das Ziel ist es, den Unterschied in der Quellendarstellung aufzuzeigen: Während kirchliche Quellen das Vorgehen als rechtmäßigen Kampf gegen Häresie legitimierten, spiegeln die sirventes den Widerstand der okzitanischen Bevölkerung wider, die den Kreuzzug als illegitimen Eroberungskrieg betrachtete.
Der Autor verwendet eine komparative Methode, bei der historische Berichte (z.B. von Peter von Vaux de Cernay) direkt mit zeitgenössischen lyrischen Quellen verglichen werden, um Perspektivenunterschiede und parteiische Darstellungen offenzulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte historiographische Darstellung der Ereignisse (z.B. Konzile, Belagerungen) und einen literaturwissenschaftlichen Teil, der spezifische sirventes analysiert, die sich auf zentrale Schlachten und politische Wendepunkte beziehen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Albigenserkreuzzug, Katharismus, Okzitanien, sirventes, Grafschaft Toulouse und die politischen Spannungen zwischen den südfranzösischen Adligen, der Kirche und den nordfranzösischen Invasoren charakterisiert.
Das sirventes dient als wichtiges literarisches Zeugnis, da es die Stimmung der lokalen Bevölkerung und Troubadoure einfängt und eine alternative Sichtweise zur offiziellen kirchlichen Geschichtsschreibung bietet.
Der Autor zeigt auf, wie Simon von Montfort in der historiographischen Darstellung einerseits als Held der Kirche, in der zeitgenössischen Dichtung hingegen als machthungriger Invasor und Feind des okzitanischen Adels wahrgenommen wurde.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

