Examensarbeit, 2008
79 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Begriff Respekt – Definition, Bedeutung und Verständnisweisen
2.1. Der Forschungsstand: Respekt in der pädagogischen Fachliteratur
2.1.1. Gordon: Die Lehrer-Schüler-Konferenz
2.1.2. Exkurs: Respekt und Macht
2.1.3. Dichanz: Autorität, Ansehen und Respekt
2.1.4. Schweer: Gegenseitiges Vertrauen
2.1.5. Kowalczyk und Ottich: Respektvoller Umgang miteinander
2.2. Eine kritische Gesamtbetrachtung
2.3. Der Begriff
2.3.1. Feinberg: Respekt, Observantia und Referentia
2.3.2. Hudson: Evaluative, Obstacle, Directive und Institutional Respect
2.3.3. Darwall: Appraisal und Recognition Respect
2.3.4. Gleser: Respekt in der Lehrer-Schüler-Beziehung
2.3.5. Exkurs: Etikettenschwindel – Was Respekt nicht ist
2.4. Respekt und Autorität
2.4.1. Persönliche Autorität
2.4.2. Sachliche Autorität
2.4.3. Institutionelle Autorität
2.5. Eigene Definition: Unterrichtsrespekt
2.5.1. Persönlicher Unterrichtsrespekt
2.5.2. Sachlicher Unterrichtsrespekt
2.5.3. Institutioneller Unterrichtsrespekt
2.6. Zusammenfassung
3. Unterrichtsbeobachtung und Klassengespräche
3.1. Hintergründe und Durchführung
3.1.1. Gewinnung der Stichprobe
3.1.2. Vertretungsunterricht und Unterrichtsrespekt
3.1.3. Durchführung und Instrumentarium
3.2. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
3.2.1. »Der richtige Lehrer bewertet!«
3.2.2. Auswertung
3.2.3. »Keine Information und keine Zeit«
3.2.4. Auswertung
3.2.5. »Der Ausflug wird gestrichen!«
3.2.6. Auswertung
3.2.7. »Die Offenbarung«
3.2.8. Auswertung
3.2.9. »Überzeugende Kompetenz«
3.2.10. Auswertung
4. Schlussbetrachtung und Ausblick
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den vielschichtigen Begriff des Respekts im Kontext der Schüler-Lehrer-Beziehung, mit dem Ziel, den Begriff zu definieren, seine Entstehung zu analysieren und Konsequenzen für die pädagogische Praxis abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie "Unterrichtsrespekt" als prozesshafte, wechselseitige Beziehungsqualität verstanden werden kann, die über rein repressive Machtausübung hinausgeht.
2.3. Der Begriff
Ursprünglich geht der Begriff auf das lateinische Wort respectus zurück, womit zunächst das Zurückblicken, das Sichumsehen, sowie die Rücksicht gemeint sind (DROSDOWSKI 1989, S. 589). Das deutsche Substantiv Respekt wurde, wie auch das Verb respektieren, im ausgehenden sechzehnten Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden französischen Wort respect beziehungsweise respecter gebildet, was Achtung und Anerkennung bedeutet (DROSDOWSKI 1989, S. 589). Weitere sinnverwandte Wörter neben den genannten sind Ehrerbietung (GRIMM und GRIMM 1984, S. 819), Ehrfurcht (MACKENSEN und HOLLANDER 1989, S. 1053) und Scheu (SCHULZ und BASLER 1977, S. 370), beziehungsweise beobachten und rücksichtsvoll sein (MILLER 2006, S. 88).
Da für diese Arbeit eine bloße etymologische Herleitung allerdings wesentlich zu kurz greift, sind weitere Schritte auf dem Weg zu einer Aufstellung eines klaren und für uns fruchtbaren Respektbegriffes notwendig. Ehe dazu im Folgenden ein kurzer Blick auf verschiedene grundlegende Ansätze geworfen wird, die sich dem Begriff bereits aus unterschiedlichen Richtungen genähert haben, soll zunächst versucht werden, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden und eine vorläufige Minimaldefinition des Begriffes aufzustellen, da die erwähnten Ansätze ohne eine solche nicht angemessen verstanden werden können: Respekt beschreibt immer eine Beziehung zwischen einem Subjekt und einem Objekt, in welcher das Subjekt in geeigneter Art und Weise auf das Objekt reagiert (DILLON 2007, S. 203). Dieses Subjekt kann notwendigerweise nur ein vernunftbegabtes Wesen sein, das in der Lage ist, die Funktionsweise und den Sinn des Objektes zu erfassen, während als Objekt auch allerlei belebte oder unbelebte Gegenstände und Situationen in Frage kommen (DILLON 2003). Respekt basiert also auf der Beachtung und einer bestimmten Einschätzung von spezifischen Eigenschaften, Merkmalen oder Charakteristika des Objektes durch das jeweilige Subjekt, was dieses wiederum dazu veranlasst, das Objekt zu respektieren (FRANKENA 1986, S. 153).
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Respektbegriffs in der Schule unter Berücksichtigung des Wandels von autoritären zu neuen pädagogischen Anforderungen.
2. Der Begriff Respekt – Definition, Bedeutung und Verständnisweisen: Kritische Analyse bestehender Literatur und Herleitung einer eigenen, dreigliedrigen Definition von Unterrichtsrespekt (persönlich, sachlich, institutionell).
3. Unterrichtsbeobachtung und Klassengespräche: Empirische qualitative Untersuchung von Vertretungsstunden zur Analyse, wie Respekt in der konkreten Praxis entsteht oder versagt.
4. Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenführung der Ergebnisse mit dem Fazit, dass Respekt kein repressives Mittel sein darf, sondern ein Ausdruck von Mündigkeit in einer tragfähigen Schüler-Lehrer-Beziehung ist.
Unterrichtsrespekt, Schüler-Lehrer-Beziehung, pädagogische Autorität, Machtverhältnisse, persönliche Autorität, sachliche Autorität, institutionelle Autorität, Unterrichtsbeobachtung, Schultheorie, Anerkennung, Vertrauen, Motivation, Selbstbestimmung, Schulalltag, Bildungsauftrag.
Die Arbeit untersucht das Wesen, die Entstehung und die Auswirkungen von Respekt innerhalb der spezifischen Beziehungsdynamik zwischen Lehrern und Schülern im schulischen Alltag.
Zentrale Themen sind die theoretische Begriffsklärung von Respekt, das Spannungsfeld zwischen Autorität und Macht sowie die empirische Analyse von Respektprozessen im Unterricht.
Das Ziel ist es, den Begriff "Unterrichtsrespekt" klar abzugrenzen und zu definieren, um ihn als produktive Beziehungsqualität für eine funktionierende Schule nutzbar zu machen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer qualitativen empirischen Untersuchung, die auf Unterrichtsbeobachtungen und begleitenden Klassengesprächen basiert.
Der Hauptteil erarbeitet zunächst die theoretische Fundierung und unterteilt den Respekt in drei Formen (persönlich, sachlich, institutionell). Anschließend werden diese Kategorien anhand praktischer Beobachtungen validiert.
Wichtige Begriffe sind Unterrichtsrespekt, pädagogische Autorität, Anerkennung, Machtdynamik und die Schüler-Lehrer-Beziehung.
Während persönlicher Respekt auf der authentischen Persönlichkeit des Lehrers basiert und freiwillig vom Schüler gezollt wird, beruht institutioneller Respekt auf dem Amt und den damit verbundenen Machtmitteln des Lehrers, was oft eine repressive Note hat.
Eine rein auf institutionelle Macht gestützte Beziehung führt laut dem Autor langfristig zu einer Spirale aus Pression und Repression, die das eigentliche pädagogische Ziel – eine tragfähige, gegenseitige Beziehung – untergräbt.
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