Examensarbeit, 2008
74 Seiten, Note: 2,0
EINLEITUNG
1. DATENLAGE ZUR SCHULISCHEN BILDUNG IN DEUTSCHLAND
1.1. PISA und zentrale Befunde
1.2. Soziale Herkunft
1.3. PISA und SchülerInnen mit Migrationshintergrund
1.4. Bildungsgänge und Migration
2. WISSENSCHAFTLICHE ZUGÄNGE ZUR KLÄRUNG FÜR DIE SCHLECHTE BILDUNGSBILANZ BEI SCHÜLERINNEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
2.1. Systemimmanente Zugänge/ schulsystemische Ansätze Institution Schule
2.1.1. Institutionelle Diskriminierung
2.1.2. Der monolinguale Habitus
2.1.3. Selektivität des deutschen Schulsystems - soziale Selektion durch LehrerInnen
2.1.4. Dreigliedrigkeit des deutschen Schulsystems
2.2. Familiale sozialisationsbedingte Ansätze
2.2.1. Sozio- ökonomische Faktoren
2.2.2. Sozial- psychologische Zugänge
2.2.3. Kulturalistischer Zugang
2.3. Ressourcenorientierte Zugänge
2.4. Sozial- konstruktivistischerZugang
3. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Arbeit analysiert die ungleiche Bildungssituation von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem unter Einbeziehung der Geschlechterdimension, um aus der Fülle theoretischer Erklärungsansätze eine Systematik zu entwickeln und das komplexe Thema zu strukturieren.
2.1.1. Institutionelle Diskriminierung
Ein Beispiel für einen schulsystemischen Zugang bietet der Ansatz der institutionellen Diskriminierung, da Mechanismen der Diskriminierung in Institutionen bzw. in der Organisation Schule gesucht werden. Dabei sind nicht rassistische Sichtweisen und Gedankenstrukturen von einzelnen Akteuren bedeutend, sondern Diskriminierungen, die durch strukturelle Verankerungen in den Institutionen erzeugt werden.
Der Ursprung des Ansatzes der institutionalisierten Diskriminierung liegt in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen der sechziger Jahre. Hier sprachen Hamilton und Carmichael, zwei Protagonisten der Black- Power Bewegung, erstmalig von einem institutionellen Rassismus. Dabei beziehen sie sich auf eine statistische erwiesene überproportional höhere Säuglingssterblichkeit unter der schwarzen Bevölkerung im Vergleich zur Weißen. Die Ursachen für dieses demographische Phänomen wird von Hamilton und Carmichael mit struktureller Armut, unzureichender Ernährung, mangelhafter medizinischer Versorgung und der Entstehung von schwarzen Elendvierteln in Verbindung gebracht. Auch in Großbritannien wird der Ansatz seit den 1970er Jahren diskutiert, vorwiegend im Erziehungswesen im Rahmen der antirassistischen Erziehung. Der Ansatz des institutionellen Rassismus grenzt sich von den individualisierenden sozialpsychologischen Rassismuskonzepten und Defizitansätzen ab und schafft dadurch eine neue Perspektive. Zuvor werden die Ursachen sozialer Benachteiligungen von Minderheiten den Betroffenen zugesprochen. In Abgrenzung zu dieser einseitigen Perspektive wird nun der Fokus auf das organisatorische Handeln von gesellschaftlichen Institutionen gelenkt. Bei dem Untersuchungsansatz geht es darum, transparent zu machen wie Diskriminierungen erzeugt werden. Zur Überprüfung dieser Annahme werden statistische Vergleichswerte hinzugezogen, um zu veranschaulichen,
„dass bestimmte soziale Gruppen in spezifischen institutionellen Arrangements systematisch weniger Belohnungen (z.B. qualifizierte Schulabschlüsse oder berufliche Aufstiegsmöglichkeiten) erhalten, als klar identifizierbare Vergleichsgruppen.“
EINLEITUNG: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse durch die Reproduktion sozialer Disparitäten im Bildungssystem und das Ziel, eine Systematik für die Erklärungsansätze zu entwickeln.
1. DATENLAGE ZUR SCHULISCHEN BILDUNG IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel liefert eine empirische Grundlage mittels PISA-Ergebnissen, die den Zusammenhang zwischen Herkunft, Migration und Schulleistungen belegen.
2. WISSENSCHAFTLICHE ZUGÄNGE ZUR KLÄRUNG FÜR DIE SCHLECHTE BILDUNGSBILANZ BEI SCHÜLERINNEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: Dieses Kernkapitel diskutiert differenziert systemimmanente, familiale und konstruktivistische Erklärungsmodelle für die Bildungsbenachteiligung.
3. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit resümiert, dass die Ansätze monokausal sind und erst in einer interdisziplinären Zusammenschau ein vollständiges Bild der komplexen Bildungsrealität ermöglichen.
Migration, Bildung, Schule, Geschlecht, PISA, Institutionelle Diskriminierung, Monolingualer Habitus, Selektion, Sozialisation, Kulturelles Kapital, Bildungsaufstieg, Ethnisierung, Doing Gender, Adoleszenz, Biographieforschung
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die schlechte Bildungsbilanz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem unter Berücksichtigung des Geschlechts.
Zentral sind die schulischen Rahmenbedingungen, familiale Sozialisationsfaktoren sowie die Wechselwirkungen zwischen Herkunft, Migration und Bildungserfolg.
Das Ziel ist es, aus der Fülle vorhandener Erklärungsansätze eine Systematik zu entwickeln, um das komplexe Thema Migration, Schule und Geschlecht besser zu strukturieren.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung existierender empirischer Studien, PISA-Daten sowie qualitative biographische Forschungsansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in systemimmanente Zugänge (Schulstruktur), familiale Ansätze (Kapitalformen), ressourcenorientierte Perspektiven und sozial-konstruktivistische Konzepte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, kulturelles Kapital, Selektivität des Schulsystems und Doing Gender charakterisiert.
Im Gegensatz zu den meist defizitorientierten Modellen fokussiert dieser Zugang auf positive Faktoren und Kompetenzen, die trotz Migrationshintergrund zum Bildungserfolg führen.
Dieser Begriff beschreibt die habituelle Orientierung der Lehrerschaft, die deutsche Sprache als alleinige Bildungsvoraussetzung zu setzen und sprachliche Vielfalt als Abweichung statt als Potenzial zu behandeln.
Sie wird durch die Verfügbarkeit von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital sowie durch die Bildungsaspiration der Eltern und deren Stellung in der sozialen Hierarchie bestimmt.
Es dient dazu, Geschlechterzugehörigkeit nicht als statisches Merkmal zu betrachten, sondern als Prozess, in dem durch soziale Interaktionen im Schulalltag geschlechtsspezifische Stereotype konstruiert werden.
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