Wissenschaftliche Studie, 2005
23 Seiten
I. Einleitung
II. Die Philosophie Kants
1. Die Entstehung der Sittlichkeit
2. Die Divergenz von Pflicht und Neigung
3. Das Schöne
III. Anmut
1. Die bewegliche Schönheit
2. Freiheit und Grazie
3. Entstehung der schönen Seele
IV. Würde
V. Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung analysiert Friedrich Schillers Abhandlung "Über Anmut und Würde" von 1793 und beleuchtet dabei kritisch seine Auseinandersetzung mit der kantischen Moralphilosophie und Ästhetik. Ziel ist es, Schillers Konzept der schönen Seele und seine Versuche zu explizieren, das Verhältnis von sinnlichen und sittlichen Anreizen menschlichen Handelns sowie die Verbindung von Pflicht und Neigung neu zu bestimmen.
3. Entstehung der schönen Seele
Das Problem der Rivalität von Sinnlichkeit und Sittlichkeit erinnert Schiller an politische Regierungsformen. Herrscht der Geist uneingeschränkt, so unterdrückt er jeglichen sinnlichen Trieb, daraus resultiert der Gedanke an eine Monarchie. Eine Ochlokratie ist gegeben, wenn die Sinnlichkeit macht was sie will ohne eine Folgsamkeit gegenüber dem Geist an den Tag zu legen. Beide Herrschaftsformen sind abzulehnen, die Freiheit muss in die Mitte, also zwischen Gesetz und Anarchie dieser Auseinandersetzung treten. Es wird sehr schnell evident, was Schiller mit der „Freiheit in der Mitte“ im Auge hat:
Wenn nehmlich weder die über die Sinnlichkeit herrschende Vernunft, noch die über die Vernunft herrschende Sinnlichkeit sich mit Schönheit des Ausdrucks vertragen, so wird (denn es giebt keinen vierten Fall) so wird derjenige Zustand des Gemüths, wo Vernunft und Sinnlichkeit – Pflicht und Neigung – zusammenstimmen, die Bedingung seyn, unter der die Schönheit des Spiels erfolgt.
Nach dieser Formulierung kommt Schiller, im Zusammenhang mit dem Begriff der Neigung, auf die Moralphilosophie Kants zu sprechen. Der Wille soll immer nur in Übereinstimmung mit dem Gesetz und nicht durch den Trieb alleine bestimmen. Die Neigung muss dazu schweigen:
Denn da es beym Sittlichhandeln nicht auf die Gesetzmäßigkeit der Thaten, sondern einzig nur auf die Pflichtmäßigkeit der Gesinnungen ankommt, so legt man mit Recht keinen Wert auf die Betrachtung, daß es für die erste gewöhnlich vorteilhafter sey, wenn sich die Neigung auf seiten der Pflicht befindet.
I. Einleitung: Die Einleitung stellt Schillers philosophisches Werk, insbesondere die Abhandlung "Über Anmut und Würde", in den Kontext seiner Auseinandersetzung mit Kants Philosophie und dem Ziel einer ästhetischen Veredelung des Menschen.
II. Die Philosophie Kants: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der kantischen Philosophie, darunter die Entstehung der Sittlichkeit, den Dualismus von Pflicht und Neigung sowie die Konzepte des Schönen in der "Kritik der Urteilskraft".
III. Anmut: Hier werden Schillers Begriffe der beweglichen Schönheit, der Freiheit und Grazie sowie die Entwicklung zur schönen Seele analysiert, die als Synthese von Sinnlichkeit und Geist fungieren.
IV. Würde: Das Kapitel behandelt den Würdebegriff als erhabene Gesinnung und Ideal der Humanität, das dort greift, wo die Anmut der schönen Seele an ihre Grenzen stößt.
V. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert Schillers produktive, teils kritische Aneignung Kants und bewertet die Möglichkeit einer Vereinigung von Anmut und Würde als Idealbild menschlicher Freiheit.
Friedrich Schiller, Immanuel Kant, Anmut, Würde, schöne Seele, Philosophie, Freiheit, Pflicht, Neigung, Ästhetik, Moralphilosophie, Humanitätsideal, Vernunft, Sinnlichkeit, Kritische Philosophie.
Die Arbeit untersucht die philosophische Abhandlung "Über Anmut und Würde" von Friedrich Schiller und seine kritische Auseinandersetzung mit den Werken Immanuel Kants.
Zentrale Themen sind die Moral- und Geschichtsphilosophie, die Ästhetik, der Freiheitsbegriff sowie die psychologische Integration von Pflicht und Neigung im Menschen.
Das Ziel ist es, Schillers Freiheitsbegriff und sein Ideal der schönen Seele zu explizieren und aufzuzeigen, wie Schiller versucht, eine Verbindung zwischen Moral und Ästhetik zu begründen.
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Schillers Abhandlung primär anhand der kantischen Schriften (Kritiken) und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kantischen Philosophie als Ausgangspunkt, die Analyse von Anmut und Würde bei Schiller sowie die kritische Gegenüberstellung von Schillers Ideal und Kants Pflichtethik.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Anmut, Würde, schöne Seele, Freiheit, Pflichtethik, Rigorismus, ästhetische Autonomie und das Verhältnis von Natur und Vernunft.
Schiller befürchtet, dass Kants Strenge die menschliche Neigung unterdrückt und zu einer mönchischen Askese führen könnte, anstatt die volle menschliche Harmonie zu erreichen.
Während die architektonische Schönheit von der Natur vorgegeben ist, entsteht Anmut erst durch das freie Handeln des Menschen, bei dem sich der Geist in der Sinnenwelt ausdrückt.
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