Magisterarbeit, 2007
90 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Theoretische Diskussion über Transformationen im Parteiensystem
2.1.Die Generationen Uruguays
3. Besonderheiten des politischen Umgangs und historische Grundlage
3.1. Traditionsparteien und „Caudillismo“
3.2. Presidencialismo und co-participación
3.3. Batllismo
4. Wahlrecht und Wahlsystem
4.1. Das Wahlsystem vor 1996
4.2. Die Wahlrechtsreform von 1996
5. Merkmale und Strukturen des Parteiensystems Uruguays
5.1. Die Nationalen(Blancos)
5.2. Die Colorados
5.3. Kleinere Parteien
5.3.1. Die Entstehung der Linksparteien Uruguays
5.4. Zusammenfassung der politischen Situation
5.5. die Richtungswahlen von 1971
5.5.1. Frente Amplio
6. Wirtschaftsstruktur
6.1. Allgemeine Wirtschaftsgrunddaten
6.2. Das uruguayische Wirtschaftsmodell
6.3. Die wirtschaftliche Krisensituationen bis zur Installierung der Militärdiktatur 1973
7. Merkmale der uruguayischen Gesellschaft
8. Soziale Gruppen
8.1. Die Gewerkschaften
8.1.1. Die Entwicklung der Gewerkschaften bis 1966
8.1.2. Das Auftreten in den Krisenjahren
8.2. Die Studentenbewegung
8.3. Die Emigranten
8.4. Die MLN-T
9. Die wirtschaftliche Entwicklung nach der Diktatur
10. Die Linksparteien nach der Militärdiktatur
11.Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für den Wandel im uruguayischen Parteiensystem, insbesondere den Zerfall des klassischen Zweiparteiensystems durch die Entstehung einer neuen dritten politischen Kraft. Ziel ist es, den gesamtgesellschaftlichen Kontext und die ökonomischen sowie generationellen Faktoren zu analysieren, die diesen Transformationsprozess begünstigt haben, um die Veränderungen in der Parteienlandschaft fundiert zu erklären.
3.1. Traditionsparteien und „Caudillismo“
Am Anfang der politischen Tradition Uruguays steht der „Caudillo“, der charismatische Führer, hervorgegangen aus der Epoche der Provinzkriege und organisierten Viehdiebstähle. Das 19.Jh. ist geprägt von diesem Führertypus, welcher den Politiker und Amateurmilitärchef in einem darstellt. Ansehen und Einfluss gewann der Caudillo durch die Auflösung der Spannungen zwischen Landbewohnern und Bürgertum der Städte. Die Caudillos des 19. Jahrhunderts kennzeichnen sich aber vor allem durch die enge Verbundenheit mit der Entwicklung der beiden Traditionsparteien Uruguays. Bereits während der Guerra Grande (1836-1851) bildeten sich diese beiden Gruppen heraus.
Diese unterschieden sich aber nicht durch unterschiedliche Programme sondern lediglich nach unterschiedlicher Gefolgschaft für einen Anführer. Die Blancos sind dabei die Partei Oribes, Die Colorados die Partei Riveras. Die Anhänger dieser beiden charismatischen Anführer rekrutierten sich aus dem jeweiligen Umfeld. So kamen aus dem ländlichen Raum vorwiegend Sympathisanten Oribes, während sich die Anhänger Riveras aus dem städtischen Bürgertum zusammenstellten. Die parteipolitischen Konstellationen blieben in diesem Maße bis zum Auftreten neuer politische Kräfte bis ca. 1971 bestehen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Langlebigkeit des uruguayischen Parteiensystems ein und formuliert die Forschungsfrage nach den Ursachen für den Wandel durch die Entstehung einer dritten politischen Kraft.
2. Theoretische Diskussion über Transformationen im Parteiensystem: Das Kapitel erörtert theoretische Ansätze wie die Cleavage-Theorie und das Generationsmodell, um gesellschaftliche Umbrüche und Veränderungen im Parteiensystem erklärbar zu machen.
3. Besonderheiten des politischen Umgangs und historische Grundlage: Hier werden die historischen Ursprünge der uruguayischen Politik, insbesondere der Einfluss von Caudillismo und clientelistischen Strukturen, detailliert beleuchtet.
4. Wahlrecht und Wahlsystem: Dieses Kapitel analysiert das hochkomplexe Wahlsystem Uruguays (Ley de Lemas) und die Auswirkungen der entscheidenden Wahlrechtsreform von 1996.
5. Merkmale und Strukturen des Parteiensystems Uruguays: Die interne Organisation und die historische Entwicklung der Traditionsparteien Blancos und Colorados sowie die Anfänge linker Parteien werden hier untersucht.
6. Wirtschaftsstruktur: Das Kapitel beleuchtet die agrarische Basis, das Modell der Importsubstitution und die ökonomischen Krisen, die als Treiber für den politischen Wandel fungierten.
7. Merkmale der uruguayischen Gesellschaft: Die demografische Entwicklung und die soziale Schichtung bilden den Fokus, um den Kontext des Mittelschicht-orientierten Wohlfahrtsstaates zu verstehen.
8. Soziale Gruppen: Hier werden die Rollen von Gewerkschaften, Studentenbewegungen, Emigranten und der Stadtguerilla MLN-T als relevante Akteure des sozialen Wandels analysiert.
9. Die wirtschaftliche Entwicklung nach der Diktatur: Dieses Kapitel behandelt die ökonomische Situation nach dem Militärregime und die notwendigen neoliberalen Reformen der 80er Jahre.
10. Die Linksparteien nach der Militärdiktatur: Die konsolidierende Rolle der Linken und die Bildung von Bündnissen wie dem Encuentro Progresista werden als Antwort auf die neue politische Realität dargestellt.
11. Zusammenfassung: Das Fazit zieht eine Bilanz der Transformationsprozesse und bestätigt den "demografischen" Wandel des Wahlverhaltens zugunsten linker Parteien.
Uruguay, Parteiensystem, Transformation, Transformationprozess, Blancos, Colorados, Frente Amplio, Batllismo, Generationsmodell, politische Generationen, Wirtschaftsstruktur, Wahlsystem, Ley de Lemas, soziale Gruppen, Demokratisierung
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel des Parteiensystems in Uruguay, weg von einem traditionellen Zweiparteiensystem hin zu einer pluralistischeren Parteienlandschaft unter Einbeziehung der Linken.
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Traditionsparteien, die Besonderheiten des Wahlsystems, die sozioökonomischen Faktoren des Staates und der Aufstieg linker Gruppierungen.
Das Ziel ist die Identifizierung und Analyse der Ursachen, die zu einer tiefgreifenden Transformation der Parteienlandschaft in Uruguay geführt haben.
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die soziologische Modelle (wie die Generations-Theorie) auf den konkreten uruguayischen Kontext überträgt.
Der Hauptteil behandelt die historische Grundlage, das komplexe Wahlsystem, die Rolle relevanter sozialer Gruppen und die ökonomischen Bedingungen Uruguays, die den Wandel befeuert haben.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Transformation, Parteiensystem, Uruguay, Generationsmodell, Frente Amplio und Ley de Lemas charakterisiert.
Das System des "Ley de Lemas" und die Stimmenkumulation begünstigten lange Zeit die Dominanz der großen Parteien; erst durch Reformen und die strategische Bündnisbildung der Linken konnte dieses Privileg aufgebrochen werden.
Die "generación de los 60" war besonders stark von ökonomischen Krisen betroffen und entwickelte ein neues politisches Bewusstsein, das nicht mehr auf den traditionellen clientelistischen Strukturen basierte.
Die wirtschaftliche Stagnation ab den 1950er Jahren und die Krise des Modells der Importsubstitution führten dazu, dass sich neue politische Kräfte als Alternative zu den Traditionsparteien etablieren konnten.
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