Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008
22 Seiten
1. Organisationale Entscheidung und Rationalität
1.1. Einführung – Organisation als lernendes Entscheidungssystem
1.2. Ausgangspunkt – Rationalitätsaxiome des Entscheidungsmodells
1.3. Modifikation – Adaptive organisationale Rationalität
1.4. Organisationales Lernen und Erfahrung
1.5. Zwischenergebnis
2. Individuelles und organisationales Lernen
2.1. „The missing link“
2.2. Schnittmengen individuellen und organisationalen Lernens
2.3. Lerntheorie nach Kim
2.4. Zwischenergebnis
3. Transfermechanismus: Geteilte Mental-Modelle
3.1. „What is an organization that it may learn?“
3.2. Organisation als Verhaltenssystem
3.3. Vom individuellen zum organisationalen Lernen
4. Abschließende Betrachtung
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen individuellem und organisationalem Lernen sowie die daraus resultierende adaptive Rationalität von Unternehmen im Kontext von Change-Management-Prozessen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Psychologie organisationalen Entscheidungsverhaltens und wie durch geteilte mentale Modelle ein Transfer von individuellem Erfahrungswissen auf die Organisationsebene stattfindet.
1.1. Einführung – Organisation als lernendes Entscheidungssystem
Simon (2000) zufolge sind alle Beteiligte eines Unternehmens bzw. einer Organisation in Prozesse des Wandels einzubeziehen. Folgt man dieser Prämisse, ist die entscheidungstheoretische Analyse des Verhaltens von Organisationen zu modifizieren: Relevant ist nicht nur die Entscheidung als primärer Output von Organisationen, die angesichts von zu erreichenden Zielen, Nebenbedingungen und Erwartungen getroffen werden. Darüber hinaus ist auch zu verstehen, wie Entscheidungen in Organisationen zu Stande kommen. Die korrespondierende Frage ist: Welche Mechanismen wirken in komplexen Mensch-Systemen, um Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen?
Erweitert man die Auffassung von Organisationen als Informationsverarbeitungssysteme zu einem Verständnis von Organisationen als Entscheidungssysteme mit Wahlverhalten, sind die kognitiven Vorgänge der Organisationsmitglieder zu berücksichtigen. Zielsetzungen, Annahmen über Nebenbedingungen und Erwartungen sowie Entscheidungen von Organisationen lassen sich hierdurch tiefer gehend erklären. Cyert und March (1963) sprechen in diesem Zusammenhang von der Psychologie organisationalen Wahlverhaltens. Die zentrale Grundannahme ist, „dass eine Theorie organisatorischen Entscheidungsverhaltens auf Annahmen über menschliches Verhalten aufbauen muß“ (ebd., 360). Sie weisen in ihrer „behavioristischen Theorie der Unternehmung“ darauf hin, dass zur Untersuchung des Entscheidungsverhaltens von Organisationen auf Annahmen über menschliches Verhalten zurückzugreifen ist. Wenn es als angemessen erscheint, eine Organisation als ein Entscheidungssystem zu betrachten, das eine Wahl bezüglich ihres Verhaltens treffen kann, erscheint es unabdingbar, die zentralen Mechanismen zu verstehen, die aus der Kognition der Organisationsmitglieder das resultierende Entscheidungsverhalten entstehen lassen. Gelingt ein Blick auf die Mechanismen dieser organisationalen Psychologie, lassen sich Erkenntnisse über Entscheidungsprozesse unter den Bedingungen von Change-Situationen ableiten. In Anlehnung an Cyert und March lässt sich folglich die Notwendigkeit einer verhaltenswissenschaftlichen Theorie begründen, um entscheidungs- und verhaltensrelevante Mechanismen in Prozessen organisationalen Wandels zu analysieren.
1. Organisationale Entscheidung und Rationalität: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Organisation als Entscheidungssystem und modifiziert klassische Rationalitätsaxiome durch verhaltenswissenschaftliche Ansätze wie die adaptive Rationalität.
2. Individuelles und organisationales Lernen: Hier wird die Lerntheorie nach Kim eingeführt, um den Zusammenhang zwischen individuellem Erfahrungswissen und organisationalen Lernprozessen mittels mentaler Modelle zu verdeutlichen.
3. Transfermechanismus: Geteilte Mental-Modelle: Das Kapitel analysiert, wie durch geteilte mentale Modelle („shared models“) individuelle Kognitionen in organisationale Routinen überführt werden und welche Rolle dies für das Verhalten in Wandelsituationen spielt.
4. Abschließende Betrachtung: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse über die Adaption von Zielbildung, Beobachtung und Suchverhalten zusammen und reflektiert die Diskrepanz zwischen individuellem und organisationalem Handeln.
Management of Change, deskriptive Entscheidungstheorie, organisationale Rationalität, organisationales Lernen, individuelle Lernprozesse, mentale Modelle, geteilte Modelle, Entscheidungsverhalten, Zielanpassung, adaptive Systeme, Wissensspeicherung, Verhaltenssysteme, Change Management, kognitive Prozesse, Organisationsgedächtnis
Die Arbeit analysiert, wie Organisationen auf Basis der Entscheidungs- und Lerntheorie als adaptive Systeme verstanden werden können, die durch das Lernen ihrer Mitglieder ihr eigenes Verhalten verändern.
Die Schwerpunkte liegen auf der Verknüpfung von individuellen kognitiven Prozessen mit organisationalen Entscheidungsstrukturen, insbesondere unter dem Aspekt des Wandels.
Das Ziel ist es, den „Missing Link“ zwischen individuellem Lernen und organisationalem Handeln durch das Konzept mentaler Modelle zu erklären und aufzuzeigen, wie dies die adaptive Rationalität von Organisationen bestimmt.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf verhaltenswissenschaftlichen Theorien wie denen von Cyert, March und Kim aufbaut, um organisationale Mechanismen zu deduzieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des organisationalen Entscheidungsverhaltens, die Lerntheorie nach Kim sowie die Mechanismen des Transfers von individuellem Wissen in geteilte mentale Modelle.
Wichtige Begriffe sind Management of Change, adaptive Rationalität, mentale Modelle, organisationales Lernen und Entscheidungssysteme.
Operationales Lernen entspricht dem Know-how zur Ausführung von Aktionen, während konzeptionelles Lernen das Know-why umfasst, also die Fähigkeit, Erfahrungen zu verstehen und zu artikulieren.
Sie können zwar die Effizienz durch Routinen (SOPs) steigern, aber bei radikalem Wandel auch hemmend wirken, indem sie notwendige Suchprozesse blockieren oder die Wahrnehmung von Alternativen einschränken.
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