Magisterarbeit, 2008
104 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Der spanische Schelmenroman
2.1 Definitionsversuch
2.1.1 Etymologie der Wörter „Pikaro“ und „Schelm“
2.1.2 Die Abgrenzung zur Novelle, zum Ritter- und Schäferroman
2.1.3 Gattungskonstitutive Charakteristika
2.1.3.1 Pseudoautobiographische Ich-Perspektive
2.1.3.2 Die Herkunft des Protagonisten aus den unteren Schichten
2.1.3.3 Desillusionierungserlebnis oder die Initiation des Pikaro
2.1.3.4 Fortuna oder die Beständigkeit der Unbeständigkeit
2.1.3.5 Die episodenhafte Struktur
2.1.3.6 Offener Schluss des Romans
2.1.3.7 Das Reisemotiv
2.1.3.8 Die Satire und das Lachen
2.2 Die gesellschaftliche Situation in Spanien: der Aufstieg und der Fall eines Imperiums
2.3 Die Entstehungsgeschichte des Schelmenromans
3. Die spanischen Schelmenromane
3.1 „Lazarillo de Tormes“
3.1.1 Die Struktur, der Inhalt und der Titel
3.1.2 Merkmale des pikarischen Romans im „Lazarillo de Tormes“
3.2 Variationen der Pikareske: „Rinconete und Cortadillo“ von Miguel de Cervantes
3.2.1 Der Autor, „Novelas ejemplares“, der Inhalt
3.2.2 „Rinconete und Cortadillo“, eine „Schelmennovelle“?
4. Schelmenroman in Deutschland
4.1 Der Aufbruch des Schelmenromans in Deutschland
4.2 Der sozial – politische Kontext
4.2.1 Deutschland zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges
4.2.2 Die deutsche Gesellschaft im 17. Jahrhundert
4.3 Versuch einer Abgrenzung zum Bildungsroman
5. Der deutsche Schelmenroman: „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Grimmelshausen
5.1 Der Autor und der Inhalt des Romans
5.2 „Simplicissimus“ und Schelmenroman
5.3 Der Übergang zum 20. Jahrhundert. Die Rezeption und Wirkungsgeschichte von „Simplicissimus Teutsch“
6. Zeitgenössische Variationen des Schelmenromans in Spanien und Deutschland
6.1 Die sozial-politische Situation in Spanien am Ende des 20. Jh.
6.2 „Das Geheimnis der verhexten Krypta“ von Eduardo Mendoza
6.2.1 Der Autor, der Inhalt
6.2.2 Ein „Schelmenkrimi“? Pikareske Merkmale bei Mendoza
6.3 Die sozial-politische Situation in Deutschland im 20. Jahrhundert
6.4 Jens Sparschuh „Der Zimmerspringbrunnen“
6.4.1 Der Autor und der Inhalt des Buches
6.4.2 Pikareske Elemente im „Wenderoman“ oder ein moderner Schelmenroman?
7. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die landesgrenzenüberschreitende Entwicklung des Schelmenromans von seinen spanischen Ursprüngen bis hin zu zeitgenössischen deutschen und spanischen Romanen zu untersuchen und zu analysieren, wie gesellschaftliche Krisen die Entstehung dieser Gattung begünstigen.
2.1.3.1 Pseudoautobiographische Ich-Perspektive
Diese Perspektive ist einer der wichtigsten Merkmale des pikarischen Romans. Der Schelm selbst wird hierbei zum Übermittler der eigenen Geschichte und erzählt sein Leben rückblickend. Zum einen entsteht dadurch eine dialogische Beziehung zwischen dem Erzähler und dem Leser, die einerseits der Unterhaltung des Lesers, andererseits aber auch als moralische Lehre dienen soll. Der Leser wird unmittelbar in das Geschehen miteinbezogen, oft auch direkt angesprochen und erhält einen Einblick in die pikarische Welt der menschlichen Doppelmoral und Gemeinheit.
Die Autobiographie definiert sich einerseits durch die zweifache Identität des Autors als Erzähler und Protagonist, anderseits durch die Schilderung einer zusammenhängenden Erzählung im Rückblick. In der fiktiven Autobiographie erzählt ein fiktiver Held seine Lebensgeschichte, wodurch der Bezug zum Autor aufgehoben wird. Anthony Zahareas hat in seiner Untersuchung über die Funktion der Autobiographie festgestellt, dass die Nacherzählung der Vergangenheit immer auch eine Interpretation enthält, denn der Erzähler versucht, durch gezielte Selektion biographischer und historischer Fakten sowie deren Interpretation dem Leser seine eigene Lesart seiner Vergangenheit aufzudrängen. Da zudem der Erzähler selbst auch der Welt der Betrüger entstammt sowie seine subjektive Einsicht vermittelt, wird der Leser mit dem Dilemma konfrontiert, ob er ihm überhaupt trauen kann, was von Literaturwissenschaftlern als „unzuverlässiges Erzählen“ beschrieben wurde. Die traditionelle Funktion des Ich-Erzählers ist es, die Glaubwürdigkeit des Erzählten zu gewährleisten. Dem Zweck, das Erzählte als Wahrheit zu bestätigen, soll auch die Wahl realer Schauplätze dienen, die ein weiteres Merkmal des Schelmenromans ist. Die Ortschaften, durch die der Schelm wandert, findet man tatsächlich auf der Landkarte und das Erzählte wird vom Ich-Erzähler als wahre Geschichte angekündigt. Jedoch ist all dies nichts anderes als ein Täuschungsmanöver: Im Schelmenroman wird die Funktion der Authentizitätsbestätigung durch den Ich-Erzähler parodiert, indem eine Person als Erzähler eingesetzt wird, die sich als unglaubwürdig oder gar als Lügner erweist.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die komparative Herangehensweise der Arbeit und definiert das Ziel, die Entwicklung des Schelmenromans im Kontext historisch-gesellschaftlicher Krisen zu beleuchten.
2. Der spanische Schelmenroman: Dieses Kapitel widmet sich der Definition des Genres durch die Etymologie, die Abgrenzung von anderen literarischen Gattungen und die Identifizierung konstitutiver Merkmale wie der Ich-Perspektive und dem Reisemotiv.
3. Die spanischen Schelmenromane: Hier werden zentrale Werke wie „Lazarillo de Tormes“ und Cervantes’ „Rinconete und Cortadillo“ analysiert, um ihre Bedeutung als Prototypen oder Variationen der Pikareske zu verdeutlichen.
4. Schelmenroman in Deutschland: Es wird der Aufbruch und die Rezeption des Schelmenromans im deutschen Raum untersucht, wobei insbesondere der Einfluss historischer Ereignisse wie des Dreißigjährigen Krieges beleuchtet wird.
5. Der deutsche Schelmenroman: „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Grimmelshausen: Dieses Kapitel stellt Grimmelshausens Werk als zentrales Beispiel des deutschen Barock vor und prüft dessen Nähe zur spanischen pikaresken Tradition.
6. Zeitgenössische Variationen des Schelmenromans in Spanien und Deutschland: Hier wird untersucht, wie zeitgenössische Autoren wie Mendoza und Sparschuh pikareske Elemente nutzen, um auf gesellschaftliche Umbrüche in der Post-Franco-Ära oder der deutschen Wendezeit zu reagieren.
7. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Schelmenromane als krisenreaktive Literaturform fungieren und ihre Struktur über Jahrhunderte hinweg an aktuelle gesellschaftliche Bedingungen angepasst wurde.
Schelmenroman, Pikareske, Pikaro, Lazarillo de Tormes, Simplicissimus, Grimmelshausen, Satire, Gesellschaftskritik, Pseudoautobiographie, Fortuna, Literaturgeschichte, Wende, Spanien, Deutschland, Identitätsverlust.
Die Arbeit untersucht die komparative Entwicklung des Schelmenromans vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wobei der Fokus auf dem Einfluss sozio-politischer Krisen auf die Gattung liegt.
Zentrale Themen sind die Gattungsdefinition, die Bedeutung der Ich-Perspektive, die gesellschaftliche Rolle des Außenseiters sowie die literarische Auseinandersetzung mit historisch bedingten Krisen.
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Schelmenroman als Modell für eine krisenreaktive Literaturform dient, die weit über den spanischen Kontext des „Siglo de oro“ hinaus Bestand hat.
Es wird ein komparativer Ansatz gewählt, der literarische Texte in ihren spezifischen historischen, politischen und gesellschaftlichen Kontext setzt, um Ähnlichkeiten und Modifikationen aufzuzeigen.
Der Hauptteil analysiert spanische Klassiker, deren Einfluss auf die deutsche Literatur am Beispiel von Grimmelshausen sowie die Adaption der Gattung in zeitgenössischen Romanen des 20. Jahrhunderts.
Die wichtigsten Begriffe sind Pikareske, Schelm, Fortuna, gesellschaftliche Krisen, Pseudoautobiographie und gesellschaftliche Satire.
Mendoza nutzt die Form des Krimis, unterläuft aber dessen Erwartungen durch groteske, absurde Elemente und einen Ich-Erzähler, der eher einem klassischen Pikaro als einem Detektiv gleicht.
Die Wende dient als Ausgangspunkt für die satirische Darstellung der Orientierungslosigkeit eines ostdeutschen Helden, der versucht, sich in einer ihm fremd gewordenen kapitalistischen Welt zurechtzufinden.
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