Magisterarbeit, 1998
95 Seiten, Note: 2,5
1. Einleitung
2. Gesellschaftspolitischer Abriß: Italien und Frankreich von 1945-1960
2.1. Italien
2.2. Frankreich
3. Neorealistische Entwicklungen im italienischen Film
3.1. Kurze Rekonstruktion der Entstehung
3.2. Blüte und Niedergang des Neorealismus in Stichworten
3.3. Die Auswirkungen des Neorealismus im Spiegel der deutsch-französischen Filmkritik
3.4. Rossellini: Vom Kollektiv zum Individuum
3.4.1. Stromboli: Der Norden trifft auf den Süden
3.4.2. Reise in Italien: Zu zweit und doch allein
3.5. Exkurs: Rocco und seine Brüder: Zurück zum Kollektiv
4. Frühe Phase der französischen Nouvelle Vague
4.1. Kurze Rekonstruktion der Entstehung
4.2. Die individuellen Helden
4.2.1. Sie küßten und sie schlugen ihn: Kritik an den Institutionen
4.2.2. Außer Atem: Hommage an Hollywood
5. Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den filmischen Entwicklungsprozess vom Kollektiv, das im italienischen Neorealismus zentral war, hin zur Betonung des Individuums, wie sie die frühe französische Nouvelle Vague prägte. Es soll aufgezeigt werden, wie Regisseure diese gesellschaftlichen Wandlungen filmästhetisch und inhaltlich verarbeiteten.
3.4.1. Stromboli: Der Norden trifft auf den Süden
Frühjahr 1948: die aus Litauen stammende Karin (Ingrid Bergman) befindet sich in einem italienischen Internierungslager. Nebenan liegt ein Soldatencamp. Am Stacheldrahtzaun, der die beiden Lager trennt, trifft Karin sich mit ihrem Verehrer Antonio. Er macht ihr einen Heiratsantrag, aber erst als ihr Antrag auf Ausreise nach Argentinien abgelehnt wird, willigt Karin in die Heirat ein. Gemeinsam fährt das frischvermählte Paar nach Stromboli. Kaum dort angekommen, zeigt Karin sich entsetzt über die primitiven Lebensbedingungen und die Kargheit der Landschaft. Sie ist nicht gewillt, den Rest ihres Lebens dort zu verbringen. Die Bewohner des Dorfes meiden sie; vor allem die Frauen wollen nichts mit ihr zu tun haben, weil sie sie für schamlos halten. Karin wird schwanger und scheint entschlossen, für sich und Antonio ein gemeinsames Leben aufzubauen. Aber ihre Bemühungen, den Bewohnern der Insel näher zu kommen, scheitern. Nach einem Vulkanausbruch steht Karins Entschluß, Stromboli alleine zu verlassen, fest. Um an das fehlende Geld zu kommen, schläft sie mit dem Leuchtturmwärter (was nicht gezeigt wird). Voller Zuversicht macht sie sich auf den Weg über den Vulkan hinweg zu einem Dorf auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, von wo sie ein Boot auf das Festland nehmen kann. Je länger der Anstieg dauert, desto mehr hadert sie mit sich und ihrem Schicksal. Als sie sich der Verantwortung für das Kind in ihrem Leib bewußt wird, fleht sie Gott um Hilfe an.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Hypothese einer kontinuierlichen Entwicklung vom Kollektiv zum Individuum im Film und steckt den Untersuchungsrahmen ab.
2. Gesellschaftspolitischer Abriß: Italien und Frankreich von 1945-1960: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext der beiden Länder, der die gesellschaftliche Basis für die Filmströmungen bildete.
3. Neorealistische Entwicklungen im italienischen Film: Das Kapitel analysiert den Aufstieg, die Blüte und den Niedergang des Neorealismus, geprägt durch Regisseure wie Rossellini, De Sica und Visconti.
4. Frühe Phase der französischen Nouvelle Vague: Hier wird der Bruch der jungen Filmemacher mit der "Tradition der Qualität" und die Hinwendung zum individuellen Ausdruck ("Politique des Auteurs") beleuchtet.
5. Schlußbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Hypothese der zunehmenden Individualisierung als Spiegel einer sich wandelnden europäischen Gesellschaft.
Italienischer Neorealismus, Französische Nouvelle Vague, Kollektiv, Individuum, Roberto Rossellini, Luchino Visconti, François Truffaut, Jean-Luc Godard, Filmästhetik, Gesellschaftswandel, Nachkriegszeit, Filmkritik, Individualisierung, Gesellschaftsspiegel, Filmgeschichte
Die Arbeit untersucht den Wandel filmischer Ausdrucksformen, die sich in den Nachkriegsjahren von der Darstellung kollektiver Erfahrungen hin zur Fokussierung auf das Individuum entwickeln.
Im Zentrum stehen der italienische Neorealismus und die französische Nouvelle Vague als Filmströmungen, deren soziale Verwurzelung und filmästhetische Neuerungen.
Das Ziel ist die Verifizierung der Hypothese, dass die Filme der untersuchten Regisseure eine kontinuierliche Entwicklung vom Kollektiv hin zur zunehmenden Individualisierung als Spiegel der Gesellschaft abbilden.
Es handelt sich um eine filminterpretatorische Vergleichsanalyse, die sowohl historische Fakten als auch filmästhetische Merkmale in einen Zusammenhang setzt.
Der Hauptteil analysiert spezifische Filme wie Stromboli, Reise in Italien, Rocco und seine Brüder, Sie küßten und sie schlugen ihn sowie Außer Atem.
Schlüsselbegriffe sind Kollektiv, Individuum, Neorealismus, Nouvelle Vague, Filmgeschichte und Gesellschaftswandel.
Die Frau, exemplarisch dargestellt durch Karin in Stromboli, fungiert als Individuum, das mit archaischen Strukturen und einem erstarrten Kollektiv in Konflikt gerät.
Während der Neorealismus den Fokus auf eine dokumentarisch anmutende, soziale Realität legte, forderte die Nouvelle Vague die individuelle Handschrift und den persönlichen Ausdruck des Filmemachers.
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