Bachelorarbeit, 2007
48 Seiten, Note: 1
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1. Einleitung
2. Theorie der Partizipation
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Wozu Partizipation?
2.3. Partizipationsformen
2.4. Rahmenbedingungen eines Partizipationsprozesses
2.5. Nutzen der Partizipation
2.6. Grenzen der BürgerInnenbeteiligung
3. Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an der Armutsbekämpfung
3.1 Partizipation der „Armen“
3.2 Weshalb Bolivien?
3.3 Lebenssituation in einem Barrio am Beispiel El Alto
3.4 Partizipative Maßnahmen zur Armutsreduzierung
3.5 Die beteiligten Akteure
3.6 Zwischenergebnisse
3.7 Resümee des partizipatorischen Armutsbekämpfungsprogramms
4. BürgerInnenbeteiligung in Wien Alsergrund
4.1 Organisation, Struktur und Akteure des LA-21 Prozesses
4.2 Welche BürgerInnen beteiligen sich in Alsergrund?
4.2.1 Wo bleiben die benachteiligten Menschen?
4.2.2 Weshalb beteiligen sich Menschen am LA-21 Prozess?
4.3 Die Partizipation beeinflussende Faktoren in Alsergund
4.3.1 Finanzierung
4.3.2 Organisation und Struktur
4.3.3 Politik und Verwaltung
4.3.4 BürgerInnen
4.4 Resümee des LA-21 Prozesses Wien Alsergrund
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das demokratiepolitische Grundprinzip der Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen, wobei das primäre Ziel darin besteht, Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung zu identifizieren und die Vor- sowie Nachteile verschiedener Beteiligungsformen in unterschiedlichen sozioökonomischen Kontexten zu analysieren.
3.3. Lebenssituation in einem Barrio am Beispiel El Alto
El Alto ist ein slumähnlicher Stadtteil von La Paz, der größten Stadt Boliviens (1,5 Mio. Einwohner) Das Durchschnittsalter liegt bei 12 Jahren, 38 % verfügen über keinen Stromanschluss, 46% keine Wasserversorgung, 86% keine Abwasserentsorgung, 67% verfügen über kein Abfallsammelsystem und 95 % keine befestigte Strassen. Die BewohnerInnen eines barrios immigrierten vom Land, meist sogar von denselben Dörfern, zu denen sie auch noch regelmäßige Verbindung aufrechterhalten. Oft werden dort noch Felder bearbeitet, zum Säen und Ernten, zu Festen oder Verwandtschaftsbesuchen kehrt man wieder zurück.
Barrios erwecken oft den Eindruck eines in städtische Umgebung verpflanzten Dorfes. Kulturelle Traditionen werden weitergelebt. Jedes Barrio, egal wie groß, beansprucht eine eigene Schule, ein eigenes Gesundheitsversorgungszentrum oder Versammlungszentrum. Versuche von NGOs aus Kosteneffizienzgründen mehrere barrios gemeinsam zum abgestimmten Aufbau von Versorgungsinfrastruktur zu gewinnen, scheiterte am Widerstand der VertreterInnen. Menschen beteiligen sich zwar an Aktivitäten für das Barrio, wie Baumpflanzungen, Straßenverbesserungen, Müll einsammeln, die Solidarität reicht aber nicht über die kulturell homogene Barriogrenze hinaus. Die BewohnerInnen sind schlecht, meist gar nicht ausgebildet, haben daher kaum Zugang zum offiziellen städtischen Arbeitsmarkt. 90% besitzen ein eigenes Haus oder Grundstück, als wichtigstes Vermögen „asset“. Die Unterkunft wird teilweise weitervermietet oder als Werkstätte für ein Kleinstunternehmen genutzt (Nijenhuis 2002 und Schalkwijk 2002).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die weite Verbreitung von Partizipationsansätzen ein und stellt die Forschungsfrage nach den Voraussetzungen, Vor- und Nachteilen von Beteiligungsprozessen.
2. Theorie der Partizipation: Das Kapitel definiert Partizipation als Teil des Demokratisierungsprozesses, beleuchtet Gründe für die Anwendung sowie formale und informale Beteiligungsformen und diskutiert den Nutzen sowie die Grenzen der Bürgerbeteiligung.
3. Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an der Armutsbekämpfung: Es wird analysiert, wie in Bolivien durch Gesetze wie das „LPP“ Partizipation institutionalisiert wurde, um Armut zu bekämpfen, wobei strukturelle Hindernisse und die Rolle der Akteure kritisch reflektiert werden.
4. BürgerInnenbeteiligung in Wien Alsergrund: Dieses Kapitel wertet den LA-21 Prozess im 9. Wiener Gemeindebezirk aus, untersucht die Organisationsstrukturen sowie Faktoren, die die Partizipation fördern oder hemmen, und bewertet die Erfahrungen aus Sicht der beteiligten BürgerInnen.
5. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung vergleicht die zwei Pilotbeispiele, betont die Notwendigkeit flexibler Partizipationsmodelle und unterstreicht die Relevanz der BürgerInnenbeteiligung für eine effektivere Politikgestaltung trotz bestehender Herausforderungen.
Partizipation, Bürgerbeteiligung, Demokratisierung, Armutsbekämpfung, Bolivien, Wien Alsergrund, Empowerment, Lokale Agenda 21, Planungs- und Entwicklungsprozesse, Sozialkapital, Zivilgesellschaft, Dezentralisierung, Good Governance, Projektmanagement, Mitsprache.
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen und untersucht diese anhand zweier unterschiedlicher Praxisbeispiele.
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Partizipation, deren Rolle bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern sowie die Praxis der BürgerInnenbeteiligung bei der nachhaltigen Stadtentwicklung in Wien.
Das Ziel ist es, notwendige Bedingungen für eine erfolgreiche Implementierung von Partizipationsprozessen zu diskutieren und zu analysieren, wie Beteiligung zur Lösung sozioökonomischer Herausforderungen beitragen kann.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die vergleichende Untersuchung und Auswertung bestehender Evaluationsergebnisse von Partizipationsprojekten in Bolivien und Wien.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische fundierte Einordnung von Partizipationsformen sowie die detaillierte empirische Betrachtung der bolivianischen Armutsbekämpfung und des LA-21 Prozesses in Wien.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Partizipation, Empowerment, Zivilgesellschaft, Demokratisierung, Planungsprozesse und Bürgerbeteiligung charakterisiert.
Bolivien wird gewählt, da es ein radikales und institutionalisiertes Modell zur Partizipation in einem ökonomisch schwierigen Umfeld darstellt, was einen starken Kontrast zur Situation in Industrieländern bietet.
Die OTBs (Organizaciones Territoriales de Base) fungieren als gesetzlich verankerte basisdemokratische Vereinigungen, die den direkten Kontakt zwischen der Bevölkerung und der Kommunalverwaltung ermöglichen und somit zur Transparenz beitragen.
Es zeigt sich, dass Prozessstrukturen durch offene Projektgruppen und eine gleichberechtigte Kommunikation institutionalisiert werden können, wobei die soziale Selektivität der Beteiligung weiterhin eine Herausforderung darstellt.
Während in Wien der Fokus auf der Partnerschaft und nachhaltigen Stadtentwicklung liegt, vollzieht sich die Partizipation in Bolivien stärker auf einer Ebene der existenziellen Mitverantwortung und der direkten Mitsprache bei der Ressourcenverteilung.
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