Magisterarbeit, 2008
154 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Quellenlage
1.3. Feldforschung und Methodik
2. Kultur und Ethnizität im Prozess der Globalisierung
3. Die Kulturarbeit der UNESCO – Wege zum Schutz des immateriellen Kulturerbes
3.1. Gründung, Aufbau und Ziele der UNESCO
3.2. Von der Welterbekonvention zum Schutz immateriellen Kulturerbes
3.2.1. Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (1972)
3.2.2. Unterscheidung zwischen materiellem und immateriellen Kulturerbe
3.2.3. Empfehlung zur Wahrung des kulturellen Erbes in Volkskunst und Brauchtum (1989)
3.2.4. Weitere Programme, Aktivitäten und Projekte der UNESCO im Bereich des immateriellen Kulturerbes
3.3. Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes (2003)
3.3.1. Begriffsbestimmungen und Grundsätze der Konvention
3.3.2. Schutzmaßnahmen
3.3.3. Die aktuelle Situation
3.3.4. Kritische Betrachtung der Konvention
4. Belize und seine kulturelle Vielfalt
4.1. Geographie und Wirtschaft
4.2. Geschichte und Globalisierung
4.3. Ethnischer Pluralismus
4.4. Förderung einer nationalen Identität
5. Geschichte und Entwicklung der Garinagu
5.1. Ethnogenese auf St. Vincent
5.2. Deportation nach Roatan und Verbreitung in Zentralamerika
5.3. Migration und kulturelle Erosion
6. Kultur und Ethnizität der Garinagu in Belize im Prozess der Globalisierung
6.1. Bildung einer ethnischen Identität
6.2. Elemente der ethnischen Identität
6.2.1. Wirtschaftsweise und Esskultur
6.2.2. Sprache
6.2.3. Sozialorganisation und Religion
6.2.4. Musik und Tanz
6.3. Strategien zur Stärkung der ethnischen Identität
6.3.1. Der „Garifuna Settlement Day“
6.3.2. Die Garifuna Flagge
6.3.3. Entwicklung des „Punta Rock“
6.3.4. Eigenrepräsentation im Gulisi Garifuna Museum in Dangriga
6.3.5. Von T.V. Ramos zum National Garifuna Council (NGC)
6.3.6. Andere Organisationen zur Unterstützung der Garinagu in Zentralamerika
7. Die Ernennung von Sprache, Musik und Tanz der Garinagu zum „Meisterwerk des mündlich überlieferten und immateriellen Erbes der Menschheit“ durch die UNESCO
7.1. Entstehung der Bewerbung
7.2. Auswirkungen der Proklamation
8. UNESCO Kulturerbe – Globalisierung – Kultureller Wandel bei den Garinagu: Eine Reflexion
Die Arbeit untersucht, wie sich lebendige Kulturelemente der Garinagu in Belize unter dem Einfluss der Globalisierung verändern und analysiert kritisch die Rolle sowie die Auswirkungen der UNESCO-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes auf diese Identitätsprozesse.
1.1. Hinführung zum Thema
Wie entwickeln sich lebendige Kulturelemente unter dem Einfluss von Globalisierungsprozessen? Müssen - und können - sie geschützt werden und was für Folgen hätte solch ein Schutz? Mit diesen Fragen hat sich die UNESCO in den letzten 30 Jahren befasst, bevor sie 2003 eine „Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes“1 verabschiedete. Die Diskussion ist hiermit aber längst nicht zu Ende. Das Dokument ist das weltweit erste multinationale Instrument zum Schutz gelebter Kultur und kollektiven Wissens und ist daher von großer Bedeutung. Bisher ist es jedoch wenig bekannt. Die Reaktionen auf die Konvention fallen sehr unterschiedlich aus. Sie haben einen Diskurs entfacht, an dem ich mich mit dieser Arbeit beteiligen möchte. Am Beispiel der Garinagu2 in Belize werde ich zeigen, wie sich Einflüsse globaler Vernetzungen auf kulturelle Aktivitäten auswirken können. Außerdem werde ich analysieren, welche Prozesse der „Schutz“ bestimmter Elemente ihrer Kultur durch die UNESCO ausgelöst hat. Da es noch kaum Literatur zu diesen Fragen gibt, habe ich 2006/2007 eine viermonatige Feldforschung in Zentralamerika durchgeführt, um mir ein eigenes Bild der Situation zu machen.
Mit den Garinagu kam ich zum ersten Mal auf einer zehnmonatigen Reise durch Lateinamerika 2001/2002 in Kontakt, im Zuge derer ich verschiedene Garifuna Dörfer in Guatemala, Honduras und Nicaragua besuchte. In Triunfo de la Cruz/ Honduras freundete ich mich mit einer Gruppe junger Musiker und Tänzer an, die mich an ihren Proben teilhaben ließen und meine Faszination für ihre Kultur3 weckten. Auf das UNESCO Programm zum Schutz des immateriellen Kulturerbes, das allein schon ein interessantes Thema für Ethnologen4 darstellt, wurde ich zwei Jahre später aufmerksam. Dies geschah im Rahmen eines Seminars von Professor Dr. Werner Mezger zu den Kulturkonzepten der UNESCO im Wintersemester 2003/2004 am Institut für Europäische Ethnologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Als ich erfuhr, dass Sprache, Musik und Tanz der Garinagu von der UNESCO zum „Meisterwerk“ (siehe unten) erklärt worden waren, formte sich das Thema für diese Magisterarbeit.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfragen zu Globalisierungseffekten auf Kulturen und die Rolle der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe ein, basierend auf einer Feldforschung bei den Garinagu.
2. Kultur und Ethnizität im Prozess der Globalisierung: Das Kapitel diskutiert den Wandel ethnischer Identität und die komplexen Auswirkungen der Globalisierung, von der Gefahr kultureller Vereinheitlichung bis zur Rückbesinnung auf lokale Traditionen.
3. Die Kulturarbeit der UNESCO – Wege zum Schutz des immateriellen Kulturerbes: Es wird die Geschichte und Ausrichtung der UNESCO beleuchtet, einschließlich der Welterbekonvention sowie der wegweisenden, aber kritisch hinterfragten Programme zum Schutz immaterieller Ausdrucksformen.
4. Belize und seine kulturelle Vielfalt: Dieses Kapitel skizziert die komplexe ethnische Zusammensetzung Belizes, die Geschichte der kolonialen Einwanderung und die Herausforderungen bei der Schaffung einer nationalen Identität.
5. Geschichte und Entwicklung der Garinagu: Die Ethnogenese der Garinagu als Mischkultur aus afrikanischen und amerindischen Wurzeln auf St. Vincent sowie ihre spätere Deportation und Migration nach Zentralamerika werden historisch aufgearbeitet.
6. Kultur und Ethnizität der Garinagu in Belize im Prozess der Globalisierung: Hier wird der kulturelle Aktivismus der Garinagu in Belize analysiert, insbesondere die Bedeutung von Sprache, Musik, Religion und sozialen Organisationen als Identitätsmerkmale.
7. Die Ernennung von Sprache, Musik und Tanz der Garinagu zum „Meisterwerk des mündlich überlieferten und immateriellen Erbes der Menschheit“ durch die UNESCO: Das Kapitel detailliert den Bewerbungsprozess für den UNESCO-Status sowie die konkreten, teils ambivalenten Auswirkungen dieser Ernennung in den verschiedenen betroffenen Ländern.
8. UNESCO Kulturerbe – Globalisierung – Kultureller Wandel bei den Garinagu: Eine Reflexion: In der abschließenden Reflexion wird das UNESCO-Programm kritisch bewertet und betont, dass der Schutz von Kultur nicht zur Musealisierung führen darf, sondern dynamische Anpassungsprozesse unterstützen muss.
Garinagu, Garifuna, Belize, UNESCO, immaterielles Kulturerbe, Globalisierung, Ethnizität, kulturelle Identität, Meisterwerk, Feldforschung, Migration, kultureller Wandel, Revitalisierung, indigene Gruppen, Identitätspolitik.
Die Magisterarbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der Bewahrung traditioneller Kulturelemente und den beschleunigten Globalisierungsprozessen am Beispiel der Garinagu in Belize.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Garinagu, die Ethnizitätsdiskussion im Kontext der Globalisierung sowie die kritische Analyse der UNESCO-Kulturarbeit.
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie Einflüsse globaler Vernetzung auf die Garifuna-Kultur wirken und welche Rolle der offizielle „Schutz“ durch die UNESCO für diese Prozesse spielt.
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literaturrecherche mit einer viermonatigen Feldforschung (2006/2007) in Belize, Guatemala und Honduras, gestützt auf teilnehmende Beobachtung und Leitfadeninterviews.
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte der Garinagu, ihre heutigen Identitätsstrategien (wie den „Garifuna Settlement Day“ oder den „Punta Rock“) und die Konsequenzen der UNESCO-Proklamation.
Wichtige Begriffe sind Garinagu, UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe, ethnische Identität, Globalisierung und kulturelle Erosion.
Dieser Tag, an dem die Ankunft der Vorfahren gefeiert wird, wurde von einem kulturellen Fest zu einem nationalen Feiertag in Belize und dient heute als zentraler Ankerpunkt für das ethnische Bewusstsein der Gruppe.
Die Reaktionen sind gemischt; viele sehen darin eine ideelle Aufwertung, bedauern jedoch das Ausbleiben direkter finanzieller Unterstützung und fürchten eine mögliche Kommerzialisierung ihrer Traditionen.
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