Diplomarbeit, 2008
95 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung und Überblick
1.1 Problemfeld
1.2 Forschungsstand und Erkenntnisinteresse
1.3 Fragestellungen und Aufbau
2 Der Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft als Triebkraft der Verunsicherung
2.1 Der Verlust von Grenze und Norm in der Arbeitsgesellschaft
2.1.1 Die Ungleichzeitigkeit der Globalisierung
2.1.2 Die Abwälzung der Unternehmensrisiken
2.1.3 Subjektivierung - der Zugriff auf die Innenwelt
2.1.4 Von der Arbeit zur permanenten Aktivität
2.1.5 Arbeitslosigkeit, Unterbietungskonkurrenz, Tertiarisierung
2.2 Die Situation in Deutschland
2.2.1 Deutschland im Wohlfahrtsstaatsvergleich
2.2.2 Europäische Arbeitsmarktpolitik
2.2.3 Nationale Reformprojekte
2.3 Lebensweltliche Aspekte
2.3.1 Neue Risiken, neue Unsicherheiten
2.3.2 Zeit und Zeitsouveränität
2.3.3 Diversivizierung von Beziehungsstrukturen
2.3.4 Der arbeitende Konsument
3 Prekäre Beschäftigung
3.1 Genese und Ursachen
3.2 Begriffliche Vielfalt und Abgrenzung
3.3 Begriffsdefinitionen und deren Vor- und Nachteile
3.4 Neue Differenzierung- proletarisches und akademisches Prekariat
3.5 Der Lehrbeauftragte als Prototyp des akademischen Prekariats
3.5.1 Vorstellung der Studie
3.5.2 Die materielle Dimension
3.5.3 Die rechtliche Dimension
3.5.4 Die betriebliche Dimension
3.5.5 Die Anerkennungs- und Sinndimension
3.5.6 Die lebensweltliche Dimension
4 Ansätze für eine integrative Arbeits- und Sozialpolitik
4.1 Individualisierte und egalitäre Sozialversicherung
4.2 Politik der Entprekarisierung
4.3 Entkopplung von Erwerbsarbeit und Einkommen
4.4 Modelle einer integrativen Arbeits- und Sozialpolitik
4.5 Grundsicherung und Grundeinkommen
4.6 Flexibilisierte und globalisierte Interessenvertretung
4.7 Lösungsansätze für die Betroffenen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft und die daraus resultierende Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse, mit einem besonderen Fokus auf das "akademische Prekariat" am Beispiel von Lehrbeauftragten. Ziel ist es, die Notwendigkeit einer neuen, integrativen Arbeits- und Sozialpolitik aufzuzeigen, die über traditionelle Lösungsansätze hinausgeht und die veränderten Erwerbsbiografien adäquat berücksichtigt.
2.1.2 Die Abwälzung der Unternehmensrisiken
Die Unternehmen reagieren auf die verschärften Wettbewerbsbedingungen mit Dezentralisierungsstrategien und der Umgestaltung innerbetrieblicher Beziehungen. Die veränderte Situation führt auf Unternehmensebene zu Rationalisierungen, Mobilität bei der Standortwahl, Privatisierungen, Ausgliederungen von Organisations- und Produktionsbereichen. Zumindest die Spitzen der Unternehmen können auf dem Weltmarkt beliebig akquiriert werden und auch die Belegschaft und der Produktionsstandort sind variabel geworden. Hierarchische Strukturen, Untergliederung der Arbeitsabläufe, Kontrolle und extrinsische Motivierung, wie für die fordistisch-tayloristische Produktionsweise charakteristisch, werden als hinderlich begriffen. An Stelle dessen treten Auftragsbeziehungen. Hierarchische Kontrollmechanismen werden abgebaut und mit einer Öffnung zum Markt verbunden.
„Mit der Internationalisierung der Produktion bieten sich also den Unternehmen mindestens zwei strategische Vorteile: Es wird eine globale Konkurrenz zwischen teuren und billigen Arbeitskräften hergestellt, und die Steuerkonditionen und Steuerkontrollen der Staaten können gegeneinander ausgespielt werden.“ Diese Entwicklung geht einher mit der Lockerung von Kündigungsfristen, der Ausdehnung von Probezeiten, der Aufweichung von Flächentarifverträgen, der Zunahme von Scheinselbständigkeit und Ausnahmeregelungen für bestimmte Personengruppen, z.B. Neueingestellte, Ältere. Vormals unternehmerische Aufgaben werden verstärkt den Arbeitnehmern überantwortet. Der Betrieb als sozialer Bezugsort geht verloren und eine institutionelle Integration wird durch wechselnde Arbeitskontexte und Teambesetzungen erschwert. „Das flexible Unternehmen beutet gewissermaßen ganz bewusst eine von Unsicherheit geprägte Situation aus, die von ihm noch verschärft wird“.
1 Einleitung und Überblick: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Entgrenzung von Arbeit ein, definiert das Problemfeld der Prekarisierung und stellt das Erkenntnisinteresse sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Der Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft als Triebkraft der Verunsicherung: Hier werden die makroökonomischen und gesellschaftlichen Ursachen der Verunsicherung analysiert, insbesondere die Auswirkungen von Globalisierung, Technisierung und dem Wandel der wohlfahrtsstaatlichen Rahmenbedingungen.
3 Prekäre Beschäftigung: Dieses Kapitel widmet sich der Definition und Genese prekärer Arbeit und fokussiert als Fallstudie auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Lehrbeauftragten als Prototyp des akademischen Prekariats.
4 Ansätze für eine integrative Arbeits- und Sozialpolitik: Der abschließende Teil diskutiert notwendige sozialpolitische Reformen, alternative Absicherungskonzepte wie das Grundeinkommen und Strategien für eine modernisierte Interessenvertretung.
Prekarisierung, Arbeitsgesellschaft, Strukturwandel, Akademisches Prekariat, Lehrbeauftragte, Arbeits- und Sozialpolitik, Soziale Sicherheit, Subjektivierung, Flexibilisierung, Grundeinkommen, Interessenvertretung, Normalarbeitsverhältnis, Prekäre Beschäftigung, Lebenswelt, Existenzsicherung.
Die Arbeit analysiert den Strukturwandel der Arbeitswelt und den damit einhergehenden Anstieg unsicherer, prekärer Beschäftigungsverhältnisse, wobei der Fokus auf den neuen sozialen Risiken liegt.
Die zentralen Themen sind die Prekarisierung von Arbeit, die Auswirkungen der Globalisierung, die Situation von Hochqualifizierten im akademischen Bereich sowie neue Modelle der sozialen Absicherung.
Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Lebens- und Berufsbedingungen im akademischen Prekariat gestaltet sind und welche Anforderungen sich daraus für eine integrative Arbeits- und Sozialpolitik ableiten lassen.
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen soziologischer Konzepte (wie die der "Subjektivierung von Arbeit" oder "Risikogesellschaft") mit einer empirischen Datenauswertung aus einem Forschungsseminar zu Lehrbeauftragten.
Der Hauptteil behandelt theoretische Ansätze zur Prekarisierung, die Situation in Deutschland, eine detaillierte Fallstudie zu Berliner Lehrbeauftragten (materielle, rechtliche, betriebliche Dimensionen) und Lösungsansätze.
Zu den Kernbegriffen gehören Prekarisierung, Arbeitsgesellschaft, akademisches Prekariat, soziale Absicherung, Flexibilisierung und Grundeinkommen.
Weil sie hochqualifiziert sind, jedoch unter prekären Bedingungen arbeiten, keinen Status in der Hochschule innehaben und von einem hohen Maß an Planungsunsicherheit und fehlender sozialer Absicherung geprägt sind.
Es beschreibt Individuen, die gezwungen sind, sich selbst aktiv zu vermarkten und zu organisieren, was in entgrenzten Arbeitsformen sowohl Chancen als auch enorme Risiken zur Selbstausbeutung birgt.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass dies aufgrund ihrer individuellen Situation und fehlender gemeinsamer Interessen derzeit schwierig ist, aber durch neue Formen der subjektivierten Interessenvertretung ermöglicht werden müsste.
Die Arbeit diskutiert das Grundeinkommen als eine notwendige Antwort auf die Erosion der Normalarbeit, betont jedoch auch die damit verbundenen Risiken und die Notwendigkeit, es in einen breiteren gesellschaftlichen Wandel einzubetten.
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