Doktorarbeit / Dissertation, 2022
147 Seiten, Note: cum laude
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Forschungsziele und Hypothesen
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Forschungsdesign
2. Inselbegabung
2.1 Allgemeine Bestimmung
2.2 Forschungshistorie
2.3 Prävalenz
2.4 Ätiopathogenetische Ansätze
2.4.1 Prozedurale Informationsverarbeitung
2.4.2 Rechtshemisphärische Kompensation
2.4.3 Hereditäre Einflüsse
2.4.4 Kognitive Filterfunktion
2.4.5 Sonstige
2.5 Bewertungskriterien und Erfassung
2.6 Kompetenzen und Skills
2.7 Risiken und Beeinträchtigungen
2.8 Übertragungsversuche
2.9 Beispiele
3. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)
3.1 Entwicklung und Bestimmung BGM
3.2 Ziele
3.3 Modelle und Ansätze
3.3.1 Pathogenese
3.3.2 Salutogenese
3.3.3 Disability Management
3.3.4 Normierte Qualitätsstandards
3.3.5 Sozialkapitalansatz
3.4 Instrumente
3.4.1 Fordern statt Überfordern
3.4.2 Gesundes Führen
3.4.3 Digitalisierung
3.4.4 Psychische Gefährdungsbeurteilung
3.4.5 Analyseverfahren und Erhebungsinstrumente
3.5 Grenzen
3.5.1 Selbstbestimmung und Datenschutz
3.5.2 KMU
4. Empirie
4.1 Aufbau des Fragebogens
4.2 Stichprobe
4.3 Pretest und Durchführung
4.4 Statistische Auswertung
4.5 Ergebnisse
4.5.1 Beschreibung der Population und deskriptive Auswertung
4.5.2 Beschäftigungsfähigkeit von Inselbegabten in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße
4.5.3 Beschäftigungsfähigkeit von Inselbegabten in Abhängigkeit von der Gewinnorientierung der Organisation
5. Diskussion
5.1 Hypothese1
5.2 Hypothese2
5.3 Hypothese3
5.4 Hypothese4
6. Schlussbetrachtung
6.1 Fazit
6.2 Limitationen
6.3 Ausblick
Die Arbeit untersucht das Syndrom der Inselbegabung im Kontext von "Arbeit und Beschäftigung", um zu ermitteln, ob und wie ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) effektiv gestaltet werden muss, um diese Personengruppe wertschöpfend in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
1.1 Hinführung zum Thema
Der deutsche Philosoph Karl Philipp Moritz gilt als der erste, der einen Patienten mit Inselbegabung wissenschaftlich untersucht und dokumentiert hat (Moritz, 1783). Der Begriff der Inselbegabung ist ein Synonym für das englische Savant-Syndrom, welches erstmalig jedoch erst vom englischen Neurologen J. Langdon Down im Jahr 1887 benannt wurde (Down, 1887/2018). Während seiner Tätigkeit in einer neurologischen Klinik beobachtete Down Patienten1, die einerseits unter zum Teil schwersten neurologischen bzw. psychischen Ausfällen litten, andererseits aber mit außergewöhnlichen Fähigkeiten verblüfften. Er berichtete unter anderem von Personen, die mehrere Bücherbände auswendig rezitieren konnten, allerdings ohne deren Sinn zu verstehen. Down bezeichnete diese Menschen als Idiot-Savants (Down, 1887/2018).
Seitdem wurde die Inselbegabung in der Literatur vielfach behandelt. Dabei ist es abhängig vom kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld, ob sie dämonisiert, pathologisiert oder idealisiert wird (Steinmetzer & Müller, 2015b, S. 374).
Auch heute mangelt es an einer allgemeingültigen Definition trotz der mittlerweile 130jährigen Erforschung des Syndroms. Herrschend ist allerdings das Verständnis, dass die Inselbegabung ein medizinisches Syndrom ist und sich durch Fähigkeiten und Kompetenzen eines Individuums auszeichnet, die weit über den menschlichen Durchschnitt hinausgehen.
Umgangssprachlich wird der Begriff „Inselbegabung“ auch auf Menschen mit speziellen außergewöhnlichen Fähigkeiten in einem kleinen Teilbereich („Insel“) angewendet (Neumann, 2015, S. 4). Dabei können die Art und die Ausprägung dieser Fähigkeiten stark variieren.
Die breite Faszination für Inselbegabte führte dazu, dass diese Eigenschaften bereits als Material für Hollywood-Produktionen verwendet wurden. Die Fähigkeiten gelten als unmenschlich, ihre Perfektion wird mit der von elektronischen Geräten verglichen. „Manchmal werden sie gar außerirdisch oder auch als Vertreter der neuen Evolutionsstufe eingeschätzt " (Stegemeyer-Senst, 2017, S. 8).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Inselbegabung ein, begründet die wissenschaftliche Relevanz im Arbeitskontext und definiert die Forschungsziele sowie Hypothesen.
2. Inselbegabung: Das Kapitel bietet eine umfassende theoretische Grundlegung zum Savant-Syndrom, von der Historie und Prävalenz bis hin zu ätiopathogenetischen Ansätzen und Erfassungskriterien.
3. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM): Hier werden die theoretischen Grundlagen des BGM, seine Instrumente und Modelle detailliert dargelegt, um diese anschließend auf die Anforderungen der Integration von Inselbegabten zu beziehen.
4. Empirie: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der quantitativen Studie, die Stichprobenauswahl und die Methoden der statistischen Auswertung zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
5. Diskussion: Die empirischen Ergebnisse werden hier interpretiert und auf die Hypothesen bezogen, um die Praxiseignung des BGM für die Inklusion von Inselbegabten kritisch zu bewerten.
6. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die Limitationen der Untersuchung und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Inselbegabung, Savant-Syndrom, Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Arbeitsmarkt, Inklusion, Beschäftigungsfähigkeit, Neuroplastizität, psychische Gesundheit, Arbeitsplatzintegration, Unternehmenskultur, Salutogenese, Pathogenese, Disability Management, Arbeitswelt 4.0
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Potenziale der Integration von Menschen mit Inselbegabung in den ersten Arbeitsmarkt und analysiert, ob das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) hierfür als geeignetes Instrument dienen kann.
Die zentralen Felder sind zum einen die medizinischen und psychologischen Grundlagen der Inselbegabung (ätiologische Ansätze) und zum anderen die strategische Gestaltung von BGM-Strukturen, um Inklusionschancen zu verbessern.
Die Forschungsfrage lautet, wie ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gestaltet sein muss, um Inselbegabte wertschöpfend im Unternehmen integrieren zu können.
Die Arbeit nutzt einen mixed-methods-Ansatz: Eine theoretisch-konzeptionelle Analyse zur Grundlagenbildung kombiniert mit einer quantitativen empirischen Befragung zur Überprüfung der Hypothesen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Grundlagenforschung zur Inselbegabung, eine detaillierte Auseinandersetzung mit BGM-Modellen sowie einen empirischen Teil, in dem Beschäftigungsfähigkeit in Abhängigkeit von Unternehmensgröße und Organisationstyp analysiert wird.
Neben dem Kernthema Inselbegabung prägen Begriffe wie Inklusion, Beschäftigungsfähigkeit, betriebliches Setting, Neurodiversität und spezifische BGM-Instrumente die Untersuchung.
Ja, laut den empirischen Ergebnissen bietet insbesondere die Gruppe der Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern tendenziell bessere Bedingungen und eine höhere Beschäftigungsfähigkeit für Inselbegabte.
Die empirische Untersuchung konnte keine signifikanten Unterschiede in der Beschäftigungsfähigkeit zwischen gewinnorientierten Organisationen (freie Wirtschaft) und nicht-gewinnorientierten Organisationen (öffentlicher Dienst) feststellen.
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